# taz.de -- Sondervermögen Bundeswehr: Union fordert sehr viel mehr Geld
       
       > Der Haushaltsausschuss des Bundestags hat diskutiert, wie viele
       > Milliarden die Streitkräfte brauchen. Die Union zeigt sich unzufrieden
       > mit den Ampelplänen.
       
 (IMG) Bild: Symbolische Schlüsselübergabe bei der Wiederinbetriebnahme des Materiallagers Hardheim am 9. Mai
       
       Berlin taz | Die Union fordert deutlich mehr Geld für die Bundeswehr. Das
       ist ein Kernpunkt der Debatte [1][über das Sondervermögen Bundeswehr], die
       am Montag den Haushaltsausschuss des Bundestags beschäftigte. Für die Union
       sagte der ehemalige Verteidigungsstaatssekretär Rüdiger Wolf, die
       Gesetzentwürfe der Bundesregierung seien „für sich allein nicht geeignet“,
       um die nötigen Mittel zu beschaffen.
       
       Alle Parteien hatten Gutachter und Wissenschaftlerinnen zur Anhörung
       eingeladen, um ihre Positionen zu den beiden Gesetzentwürfen der
       Ampelregierung zu begründen. [2][SPD, Grüne und FDP] wollen das Grundgesetz
       ändern, um neben dem normalen Bundeshaushalt einen Sonderetat mit 100
       Milliarden Euro einzurichten. Als Reaktion auf den russischen Angriff in
       der Ukraine soll die Bundeswehr mit modernen Waffen und besserer Ausrüstung
       ausgestattet werden.
       
       Die Logik des Sondervermögens: Weil die Schuldenbremse im Grundgesetz ab
       2023 wieder gelten soll, ist der finanzielle Spielraum im normalen Haushalt
       begrenzt. Die zusätzlichen Summen für neue Flugzeuge, Schiffe und weitere
       Rüstungsgüter will die Ampel daher mit 100 Milliarden neuer Kredite
       bezahlen, die, um nicht gegen die Schuldenbremse zu verstoßen, ebenfalls im
       Grundgesetz stehen.
       
       Ex-Staatssekretär Wolf monierte, dass das 2-Prozent-Ziel der Nato mittel-
       und langfristig trotzdem nicht einzuhalten sei. Dieses Ziel besagt, dass
       die Nato-Staaten jeweils 2 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung für Militär
       ausgeben. Hierzulande wären das zwischen 70 und 80 Milliarden Euro
       jährlich. Dieses Jahr steht der Verteidigungshaushalt bei gut 50 Milliarden
       Euro.
       
       ## Keine Erklärung, wo das Geld herkommen soll
       
       Ähnlich kritisierte auch Friedrich Merz, der Chef der Unionsfraktion im
       Bundestag: „Wir brauchen eine dauerhaft bessere Finanzausstattung der
       Bundeswehr.“ Also will die Union die für die Grundgesetzänderung nötigen
       Stimmen nur dann beitragen, „wenn das Parlament sich gleichzeitig
       verpflichtet, die notwendige Finanzierung der Bundeswehr dauerhaft
       sicherzustellen“, wie CDU-Verteidigungspolitiker Johann Wadephul erklärte.
       
       Die Union fordert, die 2 Prozent künftig komplett aus dem normalen Haushalt
       zu finanzieren – ohne jedoch zu erklären, woher das Geld kommen soll. Das
       Sondervermögen müsse zusätzlich für große Beschaffungsvorhaben zur
       Verfügung stehen. Dagegen will die Ampel den Haushalt und das
       Sondervermögen in den kommenden Jahren kombinieren, um die 2 Prozent zu
       erreichen.
       
       Allerdings wiesen bei der Anhörung auch Gutachter der Regierung auf die
       langfristigen Finanzierungslücken hin. Der Verteidigungsetat müsse erhöht
       werden, wenn [3][das Sondervermögen ausgegeben sei], sagte Markus
       Laubenthal, Vize-Generalinspekteur der Bundeswehr. Trotz Sondervermögen
       fehlten bis 2032 etwa 250 Milliarden Euro, ergänzte Christian Mölling von
       der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik. Ihn hatten die Grünen
       eingeladen.
       
       Annette Lehnigk-Emden vom Bundesamt für Ausrüstung der Bundeswehr, benannt
       von der SPD, sprach sich für effizientere Vergabe- und
       Beschaffungsverfahren aus. Sonst verpuffe der Sonderhaushalt. Julia
       Berghofer vom European Leadership Network aus London, eingeladen von den
       Grünen, plädierte für einen erweiterten Sicherheitsbegriff.
       Sicherheitspolitik beinhalte neben neuen Waffen auch
       Entwicklungszusammenarbeit oder den Kampf gegen Desinformation. Die Union
       ist an diesem Punkt hingegen klar: Das Sondervermögen soll ausschließlich
       der Bundeswehr zugutekommen. Die Gutachter der Linken und der AfD lehnten
       den Extraetat ab.
       
       10 May 2022
       
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