# taz.de -- Simbabwe: Verfassungsänderung als Ablenkungsmanöver
> Präsident Mnangagwa will seine Macht per Verfassungsänderung festigen.
> Opposition fordert stattdessen Lösung wirtschaftlicher und sozialer
> Probleme.
(IMG) Bild: Will weitermachen: Emmerson Mnangagwa, Präsident von Simbabwe hier bei seiner Amtseinführung 2023
Eine kontroverse Verfassungsänderung, zunehmende wirtschaftliche
Ungleichheit, schlechte Regierungsentscheidungen und sozialer Niedergang –
Simbabwe erlebt turbulente Zeiten.
Seit das Parlament vergangene Woche in erster Lesung das
Verfassungsänderungsgesetz CAB3 annahm, tobt eine hitzige Debatte. Die
Opposition sagt, dass das Vorhaben nichts zur Lösung der Probleme des
Landes beiträgt.
„Das Land hat kein Verfassungsproblem, es hat ein Regierungsproblem“, sagte
Lynette Karenyi-Kore, Abgeordnete der oppositionellen CCC (Citizens
Coalition for Change) für den Wahlkreis Chikanga im Distrikt Mutare. „Ich
höre Rufe nach Arbeitsplätzen, nach bezahlbarer Bildung, nach Essen auf dem
Tisch, nach verlässlichem öffentlichem Verkehr, nach menschenwürdigem
Wohnraum, nach funktionierenden Krankenhäusern mit Medikamenten, nach einem
Ende der Drogenkrise, die unsere jungen Menschen zerstört.“
All das werde nicht dadurch verbessert, dass die Amtszeit des Präsidenten
von fünf auf sieben Jahre verlängert und er künftig nicht mehr vom Volk,
sondern vom Parlament gewählt werden soll. Beide Maßnahmen gelten als
Mittel, den 83-jährigen [1][Amtsinhaber Emmerson Mnangagwa] länger im Amt
zu belassen als bisher möglich, zunächst mindestens bis 2030 statt bisher
2028, vielleicht auch darüber hinaus.
## Am Ende könnte das Verfassungsgericht entscheiden
Die zweite Lesung des CAB3 dauert noch an. Zur Annahme des Gesetzentwurfs
ist eine Zweidrittelmehrheit nötig. Weil er die Verfassung ändert, müssen
beide Parlamentskammern zustimmen und eventuell könnte es zu einigen
Bestimmungen eine Volksabstimmung geben. Auch dann könnte sich am Ende das
Verfassungsgericht noch damit beschäftigen.
Douglas Mwonzora, Führer der historisch größten Oppositionspartei MDC
(Movement for Democratic Change), hat bereits eine entsprechende Klage
angekündigt, da der Gesetzentwurf Bestimmungen zum Wahlrecht und zur
Amtszeitbeschränkung des Staatsoberhaupts verletze.
Auch außerhalb des Parlaments wird CAB3 heftig diskutiert – von
Verfassungsexperten bis zu Befreiungskriegsveteranen. Viele sind sich
einig, dass die Verfassungsänderung Simbabwes politische Landschaft
grundlegend verändern könnte, da ein Oppositionsführer dann nicht mehr zu
einer Direktwahl des Präsidenten antreten könne.
Nelson Chamisa, Gründer und ehemaliger Führer der Oppositionskraft CCC, hat
eine Übergangsregierung angeregt. Der bekannte Journalist Hopewell Chin’ono
merkte dazu an, dies setze einen breiten Konsens voraus. Der ist
offensichtlich nicht vorhanden.
Die kontroversen Debatten finden vor dem Hintergrund zunehmender
wirtschaftlicher Schwierigkeiten statt. Der bekannte oppositionelle
Journalist Trevor Ncube weist darauf hin, dass die Ungleichheit in Simbabwe
immer weiter zunimmt. Eine schmale Elite konzentriere Wohlstand und
Einfluss in ihren Händen, was die gesamte politische Ökonomie des Landes
präge.
## Wohlstandskonzentration und Korruption
Aufsehen erregte zuletzt die luxuriöse Hochzeitsfeier des Sohnes des
prominenten Unternehmers Kudakwashe Tagwirei, Chef der „Sakunda Holdings“
und ein enger Freund von Präsident Mnangagwa. „Es heißt, die Hochzeit habe
20 Millionen US-Dollar gekostet – eine aussagekräftige Zurschaustellung
tief sitzender Ungleichheit“, so Ncube. Die reiche Elite und die politisch
Mächtigen seien immer enger miteinander verbandelt.
Wohlstandskonzentration und Korruption untergraben Simbabwes Entwicklung,
sagen Kritiker. Die Eliten entfremdeten sich immer weiter von der einfachen
Bevölkerungsmehrheit. Von einer „neuen Klasse von Milliardären“ spricht
Kommentator Reason Wafawarova und argumentiert, wahrer Wohlstand müsse auf
produktiver Wirtschaftsaktivität beruhen, nicht auf der Extraktion von
Staatsgeldern.
Simbabwes Wirtschaft ist immer mehr vom Goldbergbau abhängig, der den
Aufstieg der neuen Elite zu begünstigen scheint. Die staatliche Mutapa Gold
Resources will ihre Produktion bis 2029 verdoppeln, trotz laufender
kritischer Debatten über den Umgang mit Kleinschürfern und
Ressourcenmanagement. Die einheimische Wertschöpfung lässt zu wünschen
übrig, Simbabwes Industriesektor ist weiter im Niedergang begriffen.
Allein im vergangenen Jahr verließen 40.000 Schüler vorzeitig die Schule –
weil ihre Familien sich den Unterricht nicht mehr leisten können und ihre
Kinder lieber zur Arbeit schicken oder minderjährig verheiraten. Dies zeugt
vom Ausmaß der sozialen Krise in Simbabwe, wo seit Langem zu wenig bezahlte
Arbeitsplätze geschaffen werden, um der Jugend Perspektiven zu bieten. Und
nun kommt auch noch der politische Streit um die Verfassung hinzu, statt
dass die Regierung sich endlich mit den sozialen und ökonomischen Problemen
auseinandersetzt.
24 Jun 2026
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## AUTOREN
(DIR) Marcus Mushonga
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