# taz.de -- Andrej Babiš in Tschechien: Rechtsbündnis nimmt Formen an
> Andrej Babiš, Sieger bei den Parlamentswahlen, hat den
> Regierungsbildungsauftrag erhalten. Schon bald könnte es eine Einigung
> über eine Dreierkoalition geben.
(IMG) Bild: Mit der Regierungsbildung beauftragt: Wahlsieger Andrej Babis am Wahlabend
Der tschechische Präsident Petr Pavel hat Wahlsieger Andrej Babiš am Montag
offiziell mit der Regierungsbildung beauftragt. [1][Der rechtspopulistische
Milliardär, dessen ANO mit 34,5 Prozent bei der Parlamentswahl abräumte],
will demnächst sein Kabinett präsentieren, gestützt auf ein Bündnis mit den
„Motoristen“ und der rechtsradikalen „Freiheit und direkte
Demokratie“-Partei (SPD).
Die drei Parteien verfügen zusammen über 108 der 200 Mandate. „Wir müssen
noch zwei oder drei Widersprüche im Programm lösen“, räumt Babiš ein. Am
Mittwoch tritt die Koalitionsrunde erneut zusammen, spätestens Mitte
Dezember soll die Regierung stehen.
Mit dem Regierungsbildungsauftrag ist eine wichtige Hürde genommen, denn
dem Präsidenten kommt eine entscheidende Rolle zu. Bei dem Auftrag handelt
es sich jedoch um keinen verfassungsrechtlichen Schritt, sondern eine
politische Usance. [2][Präsident Pavel hatte diesmal kaum Alternativen zu
Babiš – zu eindeutig war dessen Wahlsieg].
Die rechtsradikale SPD, die mit 7,8 Prozent leicht unter den Erwartungen
blieb, erweist sich in den Koalitionsgesprächen als überraschend
kooperativ. Obwohl die Partei für nationale Souveränität, strikte
Migrationskontrolle und ein Referendum über die EU- und Nato-Mitgliedschaft
eintritt, zeigt sie in den Verhandlungen Kompromissbereitschaft.
## Auf Augenhöhe
„Es dürfte eher ein Problem mit den Prioritäten der Motoristen als mit
denen der SPD sein“, heißt es aus ANO-Kreisen. Die Motoristen waren aus dem
Stand auf 6,8 Prozent gekommen. Damit sind sie fast auf Augenhöhe mit der
SPD und gingen selbstbewusst in die Verhandlungen.
Der Vize-ANO-Parteichef Karel Havlíček sagte gegenüber der Zeitung
Hospodářské noviny, die Verhandlungen seien im Grunde abgeschlossen.
Mittlerweile gehe es nur noch um „Formulierungsfragen“. Gut möglich, dass
die Differenzen aber tiefer liegen, denn die Programme von ANO und
Motoristen unterschieden sich grundlegend.
Die Motoristen forderten etwa einen ausgeglichenen Haushalt. Ein solcher
ist aber unrealistisch angesichts des Budgetdefizits und Babiš’
Wahlversprechen, wie höhere Renten und günstige Hypotheken.
Heftige Kritik erntet die vorgesehene Übergabe des Umweltministeriums an
die Motoristen. Über 700 Wissenschaftler protestierten, Umweltschützer
warnen vor einer „Zerstörung“ des Ressorts. Noch brisanter: Filip Turk soll
Außenminister werden, obwohl er durch rassistische Social-Media-Äußerungen
auffiel.
## Sprechen unter vier Augen
Die Motoristen beharren auf ihrer Personalie, doch Präsident Pavel hatte
signalisiert, problematische Kandidaten notfalls abzulehnen. Vor der
Vereidigung will er alle designierten Minister zum Vieraugengespräch
treffen.
Noch offen ist, wie Babiš mit seinem Interessenkonflikt umgeht: Denn der
designierte Ministerpräsident ist Eigentümer der von ihm 1993 gegründeten
Agrofert, eines Mischkonzerns für Chemie, Agrarhandel und andere Sparten.
Mit mehr als 250 Unterfirmen, Zehntausenden Mitarbeitern und Umsätzen in
Milliardenhöhe ist es eines der größten tschechischen Unternehmen. Was
Babiš mit seinen Anteilen tun wird, ist unklar. Er wolle sich diesbezüglich
noch vor seiner Vereidigung äußern, sagte Babiš. Auch Pavel legt Wert auf
eine saubere Lösung.
Wenn es nach ihm geht, soll das Kabinett nach weiteren Verhandlungen Mitte
Dezember gebildet sein. Es könnte auch deutlich schneller gehen. Die
konstituierende Sitzung des neuen Parlaments ist für kommenden Montag
angesetzt – für alle Beteiligten wäre es ein Erfolg, bis dahin zumindest
grundsätzlich Einigkeit zu erzielen.
29 Oct 2025
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(DIR) Florian Bayer
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