# taz.de -- Reform der Pflegeversicherung: Häusliche Versorgung bedroht
> Am internationalen Tag der Pflege protestieren Hunderte Beschäftigte vor
> dem Gesundheitsministerium. Träger und ambulante Dienste befürchten
> Kürzungen.
(IMG) Bild: Rund 500 Pfleger:innen aus Berlin und Brandenburg protestieren gegen die Sparpläne der Bundesregierung
Die Pflege schlägt Alarm, das ist am Dienstagvormittag vor dem
Bundesgesundheitsministerium in der Wallstraße unüberhörbar. Mit
Trillerpfeifen, Sirenen und lauten „ohne Pflege geht hier nichts“-Rufen
protestierten rund 500 Pfleger:innen aus Berlin und Brandenburg gegen
die Sparpläne der Bundesregierung.
[1][Die geplanten Kürzungen] drohen viele ambulante Pflegedienste in der
Region in wirtschaftliche Not zu bringen, warnt Ursula Schoen, Direktorin
der Diakonie Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. „Schon heute
fragen sich Brandenburger Pflegedienste, ob es überhaupt finanzierbar ist,
Pflegebedürftige weiterhin in ihrem Zuhause zu betreuen.“
Der Wohlfahrtsverband, der selbst zahlreiche Pflegedienste und
Einrichtungen betreibt, hat zu der Kundgebung aufgerufen. Gekommen sind
auch zahlreiche Beschäftigte von anderen Trägern wie dem
Arbeiter-Samariter-Bund. Anlass sind nicht nur die drohenden Kürzungen,
sondern auch der Internationale Tag der Pflege, der jedes Jahr am 12. Mai
begangen wird.
Um [2][die milliardenschweren Finanzierungslücken in den gesetzlichen
Pflege- und Krankenversicherungen] in den Griff zu bekommen, kündigte
Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) zwei umfassende Reformpakete an.
[3][Der Krankenkassenverband vdek rechnet allein für 2027 mit einem Loch
von 5 Milliarden Euro in der Pflegeversicherung.] Bei den Krankenkassen
sind es sogar 12 Milliarden.
## Lohnbremse trotz Fachkräftemangels
Besonders strittig bei den Trägern ist eine Maßnahme aus dem Entwurf des
Krankenkassensparpakets. Unter anderem sollen Tariflöhne der Beschäftigten
nicht mehr automatisch refinanziert werden. Die Deckelung setze die
Arbeitgeber in der Pflege finanziell zusätzlich unter Druck. Erkämpfen die
Beschäftigten höhere Löhne, drohen bei den Arbeitgebern
Finanzierungslücken.
Für kleinere Pflegeanbieter hieße das, entweder keinen Tariflohn mehr zu
zahlen oder aufgeben zu müssen, so Diakonie-Direktorin Schoen. „Dabei wird
jeder Pflegeanbieter dringend gebraucht. Und auch die größeren
Pflegedienste werden kurzfristig ihr Angebot reduzieren.“
Auch die Beschäftigten reagieren mit Unverständnis auf die angekündigten
Sparmaßnahmen. „Wir haben immer noch zu wenig Pflegepersonal. Wir müssen
junge Leute motivieren, in die Pflege zu kommen und nicht umgekehrt“, sagt
Heike Müller, die in Berlin bei einem ambulanten Pflegedienst arbeitet.
Gerade sei es in den letzten Jahren gelungen, akzeptable Tariflöhne zu
zahlen, nun soll diese Errungenschaft wieder zunichtegemacht werden.
Als weitere Sparmaßnahme plant Warken, die Kriterien für die Einstufung der
ersten drei Pflegegrade deutlich zu verschärfen. [4][Besonders für
pflegende Angehörige, die in Deutschland die Hauptlast der Pflegeleistungen
tragen], sei diese Änderung fatal, sagt Lisa Thelen von Wir pflegen, einem
Verein, der sich für die Interessen pflegender Angehöriger einsetzt. „Das
sind Kürzungen auf dem Rücken derer, die ohnehin schon am Limit sind.“
12 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Zukunft-der-Pflegefinanzierung/!6137760
(DIR) [2] /Pflegesystem-Mini-Schritte-gegen-den-grossen-Kollaps/!6127700
(DIR) [3] https://www.vdek.com/presse/pressemitteilungen/2026/vdek-basisdaten-gesundheitswesen-2026-2027.html
(DIR) [4] /Armut-und-Pflege/!6163685
## AUTOREN
(DIR) Jonas Wahmkow
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