# taz.de -- Referendum über Selbstverwaltung: Muslime hoffen auf Frieden
> Die Philippinen sind mehrheitlich katholisch. Im Süden stimmen die
> Bewohner muslimischer Regionen für ein neues Autonomieabkommen.
(IMG) Bild: Eine Muslima stimmt in einem Wahllokal in einer Grundschule in Marawi (Mindanao) ab
Manila taz | Als Al Haj Murad Ebrahim das in ein Wahllokal umgewandelte
Klassenzimmer einer Grundschule in der südphilippinischen Provinz Sultan
Kudarat betritt, bricht Jubel aus. Auch der 70-jährige Chef der islamischen
Rebellengruppe MILF (Moro Islamic Liberation Front) kann seine Freude nicht
verbergen: „Dies ist das erste Mal, dass ich wählen gehe. Nach fast 50
Jahren Kampf in Mindanao starten wir einen demokratischen Prozess – das ist
ein historischer Moment.“
Am Montag hatten knapp drei Millionen Bewohner in mehrheitlich muslimischen
Provinzen der südlichen Unruheinsel Mindanao bei einem Volksentscheid über
das bereits vom philippinischen Präsidenten Rodrigo Duterte unterzeichnete
Bangsamoro Organic Law (BOL) abstimmen können.
Nach den bisherigen Ergebnissen, an deren Tendenz sich nichts mehr ändern
kann, gab es eine große Mehrheit für das Gesetz. Es soll Mindanao endlich
Frieden bringen. Dort kämpfen seit Jahrzehnten verschiedene islamische
Rebellengruppen gegen das von Christen dominierte philippinische Militär.
Der Wunsch nach einer Unabhängigkeit von der Regierung in Manila hat
Zehntausende Tote und Hunderttausende Vertriebene gefordert.
Kernstück des neuen Gesetzes ist die Vergrößerung der bestehenden autonomen
muslimischen Region in Zentral- und Süd-Mindanao. Zudem soll die neue
Autonomieregion in den überwiegend muslimischen Gebieten Mindanaos statt
wie bisher von einem direkt gewählten Gouverneur künftig von einem
80-köpfigen Parlament verwaltet werden. Dieses soll finanzielle Autonomie,
ein festes Budget und die Hoheit über natürliche Ressourcen erhalten.
## Friedliche Abstimmung
Es ist ein kleines Wunder, dass die Abstimmung bis auf vereinzelte
Zwischenfälle friedlich ablief. Die Nervosität war groß, dass islamistische
Splittergruppen Anschläge verüben würden. Die Islamisten halten am Ziel
eines unabhängigen islamischen Staates fest.
Die seit 2003 von Al Haj Murad Ebrahim geführte größte Rebellengruppe MILF
hat hingegen nach fast 20-jährigen Verhandlungen, die immer wieder von
Gefechten zwischen Unabhängigkeitskämpfern und Militär erschwert wurden,
2014 einen Friedenspakt mit Manila geschlossen.
Ob das daraus resultierende Gesetz, dass nun zur Abstimmung stand,
tatsächlich die von den Muslimen zu Recht beklagte Marginalisierung,
Diskriminierung und Ausbeutung beenden wird, kann man nur hoffen. In jedem
Fall wird es dauern, bis Verbesserungen spürbar werden: Die muslimischen
Provinzen gehören in den katholisch dominierten Philippinen zu den ärmsten
des Landes – obgleich sie besonders reich an Bodenschätzen und natürlichen
Ressourcen sind.
Im Präsidentenpalast Malacañang ist man erleichtert, dass das Referendum
wie erhofft positiv ausgefallen ist. Doch ein Rest Misstrauen bleibt: „Die
Bevölkerung hat sich für das Gesetz entschieden – nun müssen die Gegner das
anerkennen und sich fügen“, mahnte Präsidentensprecher Salvador Panelo.
## Die Sulu-Provinz stimmt mit „nein“
Tatsächlich hat sich die Sulu-Provinz, deren zwischen der Südspitze
Mindanaos und dem indonesisch-malaysischen Borneo liegende Inseln als
Hochburgen militanter Islamisten und eingewanderter IS-Kämpfer gelten,
gegen das Gesetz ausgesprochen.
Zia Alonto Adiong, ein Ratsmitglied der bisherigen autonomen Region, gab
sich in einem Interview hingegen optimistisch: „Dass der blutige Krieg nun
vorbei ist und die MILF statt gegen die Führung in Manila zu rebellieren
nun selbst an einer Regierung beteiligt ist, ist unglaublich.“ An der
Spitze der Übergangsregierung, so wurde am Donnerstag bekannt, wird
MILF-Chef Murad Ebrahim stehen – auch das ist ein erstes Mal für den
70-Jährigen.
25 Jan 2019
## AUTOREN
(DIR) Hilja Müller
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