# taz.de -- Proteste im rheinischen Braunkohlerevier: Letztes Gefecht in Keyenberg
       
       > Im Tagebau Garzweiler II rückt RWE vor. AktivistInnen protestieren gegen
       > den Abriss der Landstraße, die das Dorf Keyenberg von der Kohlegrube
       > trennt.
       
 (IMG) Bild: Tagebau Garzweiler: Im Hintergrund der Ort Keyenberg, der für den Kohleabbau weichen soll
       
       Keyenberg taz | Die Ähren wachsen steil, Krähen laben sich in den Feldern,
       über die Wälder weht der schwüle Sommerwind. Durch das Idyll ziehen gut
       tausend Menschen, viele im Widerstandsgelb der Dörfer, die wegen der
       Braunkohle weichen sollen – mithilfe der „fossilsten Landesregierung, die
       es seit Langem gegeben hat“, wie ein Redner sagt.
       
       Sonntagnachmittag: Demo Nähe Keyenberg, nur ein paar Schritte entfernt von
       der Abbruchkante des Tagebaus Garzweiler II. Neben [1][einigen der
       künftigen Baggeropfer] sind auch Leute von Fridays/ Families/ Artists/ und
       Students for Future gekommen. Motto: „Keinen Meter weiter!“ An diesem
       Montag soll das letzte Gefecht um die rheinische Braunkohle beginnen.
       
       Tagebaubetreiber RWE Power will ab 5 Uhr die Landstraße L277 abreißen.
       „Rückbau“ nennen sie das. Die L277 trennt das große Loch direkt daneben von
       dem kaum 300 Meter entfernten Ort Keyenberg, einem der sechs Dörfer, die im
       Tagbau Garzweiler II für den Braunkohlefraß noch weggebaggert werden
       sollen.
       
       RWE hat sich das [2][Kohleausstiegsgesetz] mit 2,6 Milliarden Euro
       vergolden lassen. Das Unternehmen sieht das anders: „RWE wird die Hauptlast
       des deutschen Braunkohleausstiegs tragen.“ Die Garzweiler-Kohle werde,
       heißt es in einer Pressemitteilung, „schon ab 2024 benötigt“. Die
       [3][Menschen vor Ort müssen weichen], Familien ihre Höfe verlassen. 900
       Menschen wohnen noch in den sechs Dörflein.
       
       Für Sonntagabend ab 20 Uhr war zudem eine Besetzung der Straße durch
       kirchliche Gruppen geplant: „Liturgische Nachtwache an der L277“. Die
       Initiative „Die Kirche(n) im Dorf lassen“ hatte aufgerufen „gegen diesen
       Gewaltakt, der Schöpfung zerstört, die Verbindung zwischen den Dörfern
       kappt und den Menschen dort den letzten verbliebenen Schutz vor den immer
       näher rückenden Baggern raubt“.
       
       Zur Nachtwache gehören Gebete, Musik, Lesungen, Gesang, Fürbitten. Der
       Widerstand der Kirchen gehört im christlich geprägten Rheinland dazu:
       Evangelische Pastoren waren die Ersten, die im September 2018 bei der
       Großräumung des Hambacher Waldes 30 Kilometer südlich weggetragen wurden.
       
       [4][Antje Grothus] von der Initiative „Buirer für Buir“ sagt: „Es liegt
       alleine in der Verantwortung von RWE und der Landesregierung, ob die
       Konflikte um die Kohle jetzt wieder eskalieren.“ RWE und die
       Landesregierung aus CDU und FDP sind für viele ohnehin eines: In der Szene
       spricht man von NRWE. Wie zur Bestätigung war am Sonntag ein
       RWE-Mitarbeiter aufgetaucht und machte Drohnenaufnahmen, um zu sehen „ob
       sich die Demonstranten benehmen“. In NRWE übernehmen die Kohlegräber die
       Polizeiaufgaben gleich mit.
       
       19 Jul 2020
       
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