# taz.de -- Podcast „Die Querulant_:/*Innen“: Warum „mitgemeint“ zu wenig ist
       
       > Die Querulantinnen sprechen über Gendersternchen, den Sinn von
       > geschlechtergerechter Sprache und ihre Tücken und Lücken.
       
 (IMG) Bild: Nach Schrägstrich, Klammer und Binnen-I begann der Siegeszug des Gendersternchens
       
       Berlin taz | Am Anfang waren Schrägstrich und Klammer. Dann kam das
       Binnen-I. Dann lange Zeit nichts. Und schließlich begann der Siegeszug des
       Gendersternchens. So ungefähr ließe sich die Geschichte der
       geschlechtergerechten Sprache erzählen. Mittendrin das generische
       Femininum, das gerade erst [1][in einem Gesetzentwurf zum Sanierungs- und
       Insolvenzrecht] von Bundesjustizministerium auftauchte. Wozu das
       symbolische Sprachscribble?
       
       In der zweiten Episode des neuen [2][taz Podcasts „Die Querulant_:/*Innen“]
       beschäftigen wir uns mit dem Gendersternchen im Konkreten und
       geschlechtergerechter Sprache im Allgemeinen. Wie das Binnen-I in den
       Achtzigern in die taz kam, weiß taz-Mitgründerin Ute Scheub zu berichten:
       über Umwege. Der [3][freie Autor Christoph Busch] benutzte ab Anfang der
       Achtziger statt des Schrägstrichs das Binnen-I, dann benutzte es die
       Schweizer Wochenzeitung WOZ und dann ab Mitte der Achtziger auch die taz.
       
       Ute Scheub konstatiert aber auch: „Nach 40 Jahren Journalismus schlage ich
       mich immer noch mit einem Problem rum: Man weiß es oft nicht.“ Wenn etwa in
       einer Agenturnachricht von der Entscheidung eines ausländischen Gerichts
       geschrieben wird – sind das dann RichterInnen oder nur Richter? Deswegen
       sei Gendern immer eine Zusatzarbeit, die Recherche erfordere. „Alle
       Lösungen sind eine Krücke beim Gehen in die gleichberechtigte Sprache,“
       hält Scheub ihr Dilemma fest.
       
       Ähnliche Zweifel an der Ausführung hat auch [4][Annett Gröschner]. Die
       Autorin und Journalistin war in der Frauenbewegung der DDR aktiv und
       gründete Anfang der Neunziger die feministische Zeitschrift „Ypsilon“ mit.
       Während die Westfrauen eher schon mit dem Binnen-I arbeiteten, lehnten die
       Ostfrauen das Gendern der Sprache eher ab – ein Teil des [5][Streites
       beider Bewegungen] in den Neunzigern.
       
       Gröschner erklärt: „Damals waren ganz andere Sachen wichtig. Zum Beispiel:
       Behalte ich meinen Beruf?“ Und diesen Beruf beschrieben die Frauen
       selbstbewusst männlich, also etwa „Ingenieur“. Gröschner selbst benutzte
       durchaus das Binnen-I, mittlerweile auch das Gendersternchen, wo es sich
       anbietet, denn: „Dieses Mitgemeint reicht nicht aus, um Frauen sichtbar zu
       machen. Ich glaube, eine Sprache, die Frauen sichtbarer macht, macht Frauen
       auch in der Gesellschaft sichtbarer.“
       
       Warum es so viel Widerstand gegen diesen Wunsch nach Sichtbarkeit gibt,
       haben wir den Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch gefragt. Er meint,
       anders zu sprechen, etwa um Sexismus, Rassismus oder Ableismus, die
       Ungleichbehandlung wegen einer körperlichen oder psychischen
       Beeinträchtigung, in der Sprache zu vermeiden, widerspreche der Gewohnheit.
       „Unsere Sprachgewohnheiten werden in unserer Kindheit und Jugend geprägt.
       Dann kommt uns das, was wir gelernt haben, normal vor,“ sagt er im Podcast.
       
       Wer inklusiv sprechen und schreiben möchte, müsse zunächst anerkennen, dass
       sie*er das vorher nicht getan hat, sagt Stefanowitsch. „Das Erkennen von
       sprachlichen Mustern, das Aufbrechen und Suchen nach Alternativen ist ein
       entscheidender Schritt, um unsere Gedanken zu öffnen für ein neues Handeln,
       ein Nachdenken und ein miteinander Kommunizieren.“
       
       Der neue [6][taz Podcast „Die Querulant_:/*Innen“] über Identität und Linke
       läuft in sechs Episoden seit dem 1. November. In der ersten Folge sprachen
       wir über Cancel Culture und Identitätspolitik mit dem freien Autor,
       Unternehmensberater und Musiker Stephan Anpalagan und Hengameh
       Yaghoobifarah, taz-Kolumnist*in, Redakteur*in des Missy Magazine und
       Mitherausgeber*in des Buches „Eure Heimat ist unser Albtraum“.
       
       10 Nov 2020
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Gesetzesentwurf-im-generischen-Femininum/!5717489
 (DIR) [2] /Ein-Podcast-ueber-Identitaet-und-Linke/!vn5721633
 (DIR) [3] https://www.genderleicht.de/binnen-i/
 (DIR) [4] /Neuer-Band-von-Annett-Groeschner/!5687042
 (DIR) [5] /Frauen-aus-Ost--und-Westdeutschland/!5163287
 (DIR) [6] https://die-querulantinnen.podigee.io/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Katrin Gottschalk
 (DIR) Ebru Tasdemir
       
       ## TAGS
       
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