# taz.de -- Nach gescheiterter Hinrichtung: Pike soll wieder bei Bewusstsein sein
> Nach einem gescheiterten Hinrichtungsversuch in Tennessee war Christa
> Pike zunächst bewusstlos. Nun ist sie laut ihren Anwälten wieder
> ansprechbar. Wie es nun weitergeht.
(IMG) Bild: „March 4 Mercy“-Demonstration gegen die Todesstrafe vor dem Tennessee State Capitol im Vorfeld der gescheiterten Hinrichtung von Christa Pike
dpa | Nach einem [1][gescheiterten Hinrichtungsversuch] ist die zum Tode
verurteilte US-Amerikanerin Christa Pike nach Angaben ihrer Anwälte wieder
bei Bewusstsein und kann sprechen. Die 50-Jährige werde weiter
intensivmedizinisch behandelt. Ihre Prognose sei noch unklar, es sei aber
mit einer langen Genesungszeit zu rechnen.
Pike habe bei dem Hinrichtungsversuch [2][schwere Schäden an den Armen
erlitten], erklärten die Anwälte. Dennoch sei sie weiterhin mit
Handschellen und Fußfesseln an das Krankenhausbett gefesselt.
Ihre Erholung sei „medizinisch beispiellos“, hieß es in der Stellungnahme.
„Sie ist die einzige bekannte Person, die einen vollständigen
Hinrichtungsversuch in den USA überlebt hat. Christa ist eine Überlebende
und wird ihre Genesung Tag für Tag angehen“, erklärten die Anwälte. Pike
war nach Angaben ihrer Anwälte zuvor bewusstlos gewesen und wurde in einem
Krankenhaus im Raum Nashville im Bundesstaat Tennessee künstlich beatmet.
## Hinrichtung scheiterte vergangene Woche
Der US-Amerikanerin waren am vergangenen Mittwochabend nach Angaben der
Behörden die im Hinrichtungsprotokoll vorgesehenen zwei Dosen des Mittels
Pentobarbital verabreicht worden. [3][Dennoch lebte sie weiter.] Zeugen
berichteten, sie hätten sie noch längere Zeit schwer atmen hören können.
Einer ihrer Anwälte sagte später sogar, er habe Pike nach der ersten
Medikamentengabe noch sprechen und singen gehört. Schließlich wurde sie mit
einem Krankenwagen in eine medizinische Einrichtung außerhalb des
Gefängnisses gebracht.
Pike war 1996 für den Mord an der damals 19-jährigen Colleen Slemmer zum
Tode verurteilt worden. Sie selbst war zur Tatzeit 18 Jahre alt. Slemmer
war 1995 in einem abgelegenen Gebiet nahe Knoxville über längere Zeit
gefoltert und schließlich getötet worden. Pikes Hinrichtung wäre die erste
einer Frau in Tennessee seit mehr als 200 Jahren gewesen.
## Juristisches Tauziehen bis kurz vorher
Noch wenige Stunden vor dem Hinrichtungsversuch war unklar gewesen, ob die
Todesstrafe überhaupt vollstreckt werden würde. Ein Bundesberufungsgericht
hatte die Hinrichtung zunächst kurzfristig gestoppt. Pikes Anwälte wollten
erreichen, dass sich die Gerichte erneut mit der Frage beschäftigen, ob
schwere Missbrauchs- und Gewalterfahrungen aus ihrer Kindheit und
psychische Erkrankungen bei früheren Entscheidungen über ihr Todesurteil
ausreichend berücksichtigt worden waren.
Der Bundesstaat Tennessee wandte sich daraufhin an den Supreme Court. Das
höchste US-Gericht hob den Aufschub noch am selben Tag wieder auf und
machte damit den Weg für die Hinrichtung frei. Einen weiteren Antrag Pikes
gegen die Vollstreckung hatte der Supreme Court bereits am Vortag
abgelehnt.
## Anwälte berichten von Problemen bei Hinrichtung
Die genaue Ursache für das Scheitern der Hinrichtung ist weiterhin unklar –
und soll durch eine unabhängige Untersuchung geklärt werden. Pikes Anwälte
berichteten von erheblichen Problemen beim Legen der Venenzugänge. Einer
ihrer Arme habe sich während der Hinrichtung violett verfärbt, später habe
es Blasen und Verbrennungen an Einstichstellen gegeben. Die
Strafvollzugsbehörde erklärte dagegen, das Hinrichtungsprotokoll sei
vollständig abgearbeitet worden.
Nach Angaben des Death Penalty Information Center ist kein vergleichbarer
moderner US-Fall bekannt, in dem die vorgesehenen Hinrichtungsmedikamente
verabreicht wurden und der Gefangene dennoch weiterlebte. Der Fall hat
damit auch die seit Jahren geführte Debatte über die Todesstrafe in den USA
und insbesondere über die Zuverlässigkeit von Hinrichtungen mit der
Giftspritze erneut in den Fokus gerückt.
## Wie es nun weitergeht
Pikes Anwälte forderten nach der gescheiterten Hinrichtung, ihre
Todesstrafe in lebenslange Haft umzuwandeln, und kündigten weitere
rechtliche Schritte an. In ihrer neuen Stellungnahme bekräftigten sie nun
die Forderung an Tennessees republikanischen Gouverneur Bill Lee, dass Pike
statt der Todesstrafe lebenslang in Haft sitzen solle – ohne Möglichkeit
einer vorzeitigen Entlassung.
Lee hatte die letzte noch für dieses Jahr geplante Hinrichtung vergangene
Woche abgesagt. Bereits im Mai musste Tennessee die Hinrichtung von einem
anderen verurteilten Straftäter abbrechen, nachdem es nicht gelungen war,
die erforderlichen intravenösen Zugänge zu legen.
Ob man in Tennessee zu einem späteren Zeitpunkt erneut versuchen wird, Pike
hinzurichten, ist unklar. Die New York Times weist darauf hin, dass
wahrscheinlich ihr Gesundheitszustand dafür entscheidend sein werde. Der
Oberste Gerichtshof der USA habe die Hinrichtung von Personen untersagt,
die den Grund für diese Bestrafung nicht rational nachvollziehen könnten,
hält die Zeitung fest.
Pikes Anwälte kündigten für heute eine Pressekonferenz an. Sie soll im
Anschluss an eine Anhörung vor einem Gericht in Nashville stattfinden, die
um 11.00 Uhr Ortszeit beginnt.
7 Oct 2026
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