# taz.de -- Merz und die Sozialreformen: Nicht meckern, investieren!
> Unser Kanzler hat es auch nicht immer leicht gehabt. Und hat es noch
> immer nicht. Man möge sich ein Beispiel an ihm nehmen.
(IMG) Bild: Friedrich Merz hat es nicht leicht und auch noch nie leicht gehabt
Liebe Nation, hier spricht Ihr Bundeskanzler. Meine heutige
Regierungserklärung richtet sich nicht an meine treue Wählerschaft, die
Elite, nein: Ich wende mich an die 40 Prozent des Landes, die kein
nennenswertes Vermögen haben! Ich weiß, für Sie bedeuten meine
[1][Sozialreformen] harte Zeiten. Aber wenn ich kurz persönlich werden
darf: Ich mag auf Sie wie ein sorgloser Siegertyp wirken – aber harte
Zeiten kenne auch ich nur zu gut.
Kein Kanzler vor mir hat je so viel ertragen müssen! Und schon vor meiner
Wahl hatte ich es nicht leicht. Wie Sie komme ich nicht aus einer der fünf
Familien, die zusammen mehr als die Hälfte der Restbevölkerung besitzen.
Nein, ich entspringe einer bodenständigen Anwaltsfamilie im Sauerland (mein
Opa war [2][irgendein Politiker], mehr weiß ich nicht).
Trotz dieser bescheidenen Herkunft schaffte ich es auf zwei Gymnasien! Es
reichte zwar nur für ein Abi von 3,8, aber habe ich mich davon entmutigen
lassen? Nein! Ich habe mich – mit nichts außer einem Stipendium der
Konrad-Adenauer-Stiftung – aus dem Milieu meiner Anwaltsfamilie befreit und
meinen eigenen Weg eingeschlagen. Als Anwalt. Und Politiker. Knochenjobs.
Zeitweise war ich sogar gezwungen, mein klägliches Politikereinkommen durch
Nebenjobs in Aufsichtsräten aufzubessern. Und als mein Traum (was mit einem
[3][Bierdeckel], ich will nicht drüber reden) niedergeschmettert wurde –
hab ich da geschmollt und alles hingeworfen? Ja. Aber dann habe ich mich
weitergebildet! Dank der NGO BlackRock konnte ich einen objektiven Blick
darauf gewinnen, was Menschen wie Sie und ich als Investoren von einem
Bundeshaushalt erwarten! So eine Schulung sollten Sie auch machen! Fragen
Sie mal beim Hartz-IV-Center nach, oder wie das heißt. Nicht betteln,
investieren!
Ja, ich bin einer von Ihnen! Auch ich liebe proletarischen Ballsport! Haben
Sie die [4][sympathischen Bilder] von mir in Wimbledon gesehen? Auch ich
bin auf ein motorisiertes Transportmittel angewiesen! Und mit meinem
Privatflieger profitiere ich nicht mal vom Tankrabatt. Von wegen
privilegiert!
Und nun Sie, kleine Paschas! Auch wir haben etwas gemein. Auch ich leide
unter Rassismus, und zwar in seiner perfidesten Form: dem Rassismus von
Leuten, die wie ich keine Ausländer mögen, aber statt Union AfD wählen!
Also: Meckern Sie nicht über Reformen, machen Sie was aus ihrem Leben, wie
ich. Lauern sie darauf, dass alle talentierteren Leute in ihrem Feld keine
Lust mehr haben – und packen Sie zu! Kanzler ist schon vergeben. Aber wie
wäre Soldat?
17 Oct 2026
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## AUTOREN
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