# taz.de -- Künstliche Intelligenz: US-Techbosse pochen auf langsamere Entwicklung
> Seit Jahren gibt es Aufrufe, KI-Entwicklung zu verlangsamen. Nach
> Zwischenfällen gibt es nun unter KI-Unternehmern erste Schritte in diese
> Richtung.
(IMG) Bild: Ein Smartphone mit dem KI-Chatbot ChatGPT vor dem Logo des US-Softwareunternehmens OpenAI
dpa | Nach dem Schock eigenständiger Hacking-Attacken durch künstliche
Intelligenz zeigen sich große amerikanische KI-Firmen nach eigenen Angaben
bereit, die Entwicklung der Technologie zu verlangsamen. Dario Amodei, Chef
des KI-Unternehmens Anthropic, machte einen solchen Vorstoß mit dem Plan,
damit ein bis zwei Jahre Zeit zu gewinnen. Binnen weniger Stunden bekam er
Zuspruch von Rivalen wie dem Chef des ChatGPT-Entwicklers OpenAI, Sam
Altman, sowie Tech-Milliardär Elon Musk, der bei seiner Firma SpaceX eigene
KI entwickeln lässt.
Nach den Hacking-Angriffen sei er besorgt, dass in sechs bis zwölf Monaten
ein KI-Schwarm in der Lage sein könnte, das gesamte Internet zu übernehmen
und potenziell Hunderte Milliarden Dollar Schaden zu verursachen, schrieb
Amodei am Samstag. Altman von OpenAI schrieb wenige Stunden später auf der
Plattform X, auch er sei der Ansicht, dass das Tempo bei der Entwicklung
leistungsstärkster KI-Modelle verlangsamt werden müsse.
Amodei plädierte für eine koordinierte branchenweite Pause in der
westlichen Welt. Zugleich werde Anthropic – ohne auf andere zu warten – in
einem ersten Schritt dauerhaft unabhängige Beobachter ins Unternehmen
lassen, die schon in der Trainingsphase die Sicherheit von KI-Modellen
begutachten sollen. Altman nannte das eine gute Idee und kündigte an, dass
OpenAI das auch machen werde. Auch Tech-Milliardär Elon Musk, lange ein
Kritiker Amodeis, schrieb auf X: „Dario hat recht.“
## Kein OpenAI-Börsengang in diesem Jahr mehr
Altman sagte zudem dem Magazin Fortune, der mit Spannung erwartete
Börsengang von OpenAI werde in diesem Jahr wohl nicht mehr stattfinden. Er
verwies vor allem auf die aktuelle Debatte: „Man wäre schlecht beraten,
genau jetzt an die Börse zu gehen.“ Auf die Nachfrage, ob er sich auch den
Verzicht auf einen Börsengang im kommenden Jahr vorstellen könnte,
erwiderte Altman: „Ich würde sagen, nicht 2026.“
Bei der jüngst bekannt gewordenen aufsehenerregenden Hacking-Attacke war
Software von OpenAI in einem Testlauf eigenständig aus einer abgesicherten
Umgebung ausgebrochen und drang auf eigene Faust in Systeme der KI-Firma
HuggingFace ein. Der Grund war lediglich, dass sie dort Antworten auf die
ihr gestellte Testaufgabe vermutete. Für die Attacke nutzten die KI-Agenten
unter anderem Software-Schwachstellen aus – und sprachen sich zudem
untereinander ab.
## Warnung von „katastrophalem Schaden“
Für ihn sei besorgniserregend, dass ein KI-Schwarm mit derselben
Einstellung und größeren Fähigkeiten „katastrophalen Schaden“ hätte
anrichten können, betonte Amodei. Als besonderes Risiko sieht er die
Fähigkeit von KI-Software, sich selbst weiterzuentwickeln. Seit diesem
Sommer sei künstliche Intelligenz besser darin – und dies erhöhe das Tempo
weiter. Unkontrolliert könne dies dazu führen, [1][dass Menschen diese
Systeme nicht mehr verstehen] und die Kontrolle über sie verlieren, warnte
er.
Amodei hatte schon in den vergangenen Jahren immer wieder vor Risiken bei
der Entwicklung künstlicher Intelligenz gewarnt – und war dafür aus Teilen
der KI-Branche zum Teil heftig kritisiert worden. Ein Argument von
Befürwortern eines hohen Tempos in den USA – etwa auch im Weißen Haus von
Präsident Donald Trump – ist der Wettlauf mit China.
Anthropic entwickelte zuletzt ein KI-Modell mit dem Namen Mythos, das
besonders gut darin ist, zum Teil über Jahrzehnte unentdeckt gebliebene
Software-Schwachstellen zu finden. Die Firma macht das volle Modell nur
ausgewählten Behörden und Unternehmen zugänglich, damit sie ihre
Computersysteme absichern können.
## Drastische Warnung
Die Debatte war in den vergangenen Tagen noch von einem Anthropic-Forscher
angeheizt worden, der mit einer drastischen Warnung zurücktrat. Die großen
Entwickler künstlicher Intelligenz handelten unverantwortlich „und spielen
mit unseren Leben“, erklärte Jacob Coxon.
Anthropic-Forscher Evan Hubinger, der mit dafür zuständig ist, dass KI mit
den Interessen der Menschen im Einklang bleibt, bestätigte wenig später
Coxons Sorgen. Er persönlich denke, die Gefahr, [2][dass KI die Menschheit
töte,] liege im kommenden Jahrzehnt bei mehr als 10 Prozent, schrieb er auf
X.
In den USA gibt es zudem eine wachsende Bewegung gegen riesige
Rechenzentren, auf deren Bau KI-Firmen wie OpenAI für den Ausbau ihres
Geschäfts angewiesen sind.
13 Sep 2026
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