# taz.de -- Kommentar Netanjahu in Washington: Ziemlich beste Freunde
       
       > Die Reise des israelischen Premiers in die USA hätte ein Spaziergang
       > werden können. Wäre da nicht eine jüdische US-Lobbyorganisation.
       
 (IMG) Bild: Trump und Netanjahu auf einem Wahlplakat in Jerusalem: Israel wählt im April ein neues Parlament
       
       US-Präsident Donald Trump steht in Israel so hoch im Kurs, dass der Likud
       sein Konterfei für den Wahlkampf nutzt und zusammen mit Spitzenkandidat
       Benjamin Netanjahu auf die Plakate druckt. [1][Der Umzug der Botschaft von
       Tel Aviv nach Jerusalem] ist Grund für Trumps Popularität, [2][sein]
       [3][Ausstieg aus dem Atomvertrag mit Teheran], und nun wartet der
       mächtigste Mann der Welt mit einem neuen Geschenk auf seinen Freund aus
       Jerusalem.
       
       Gut zwei Wochen vor den israelischen Parlamentswahlen verspricht er, dass
       die USA künftig [4][die Souveränität Israels über die 1967 eroberten
       Golanhöhen anerkennen]. Der Zeitpunkt könnte für Netanjahu, der daheim um
       seine Wiederwahl ringt, nicht günstiger sein. Wer sollte nun noch Zweifel
       haben an Netanjahus Mantra: „Nie waren die Beziehungen besser als jetzt.“
       
       Die Reise in die USA hätte für Netanjahu also eigentlich ein Spaziergang
       werden sollen. Wären da nicht die amerikanischen Juden des „American Israel
       Public Affairs Committee“ (Aipac), der wichtigsten proisraelischen Lobby in
       Übersee. Wurden die Beziehungen zu Trump immer enger, so gingen die
       US-Juden immer stärker auf Abstand zu Israel. Der Kampf der Mauerfrauen,
       [5][die Gebetsrechte für gemischte Geschlechtergruppen an der Klagemauer
       fordern], war Anlass zum Streit, [6][ebenso das Antiboykottgesetz], mit dem
       Israel radikalen Besetzungsgegnern, darunter auch US-Juden, die Einreise
       verbietet. Netanjahus Bündnis mit der rechtsextremen Partei Otzma Jehudit
       war für viele dann schlicht zu viel.
       
       Es ist jetzt an Netanjahus politischem Gegner Benny Gantz, die
       proisraelische Lobby daran zu erinnern, wofür Netanjahu steht: Israels
       Noch-Ministerpräsident ist dabei, den Friedensprozess zu begraben und den
       Siedlungsbau voranzutreiben. Er bekämpft die freie Meinungsäußerung und
       Gewaltenteilung und drängt die arabische Minderheit ins Abseits.
       
       Trumps Meinung ist nicht mehr zu ändern. Für den US-Präsidenten ist
       Netanjahu ein „großartiger Staatsführer“. Aber die wirklichen Freunde
       Israels sollten nicht vergessen, wer Israel in die Katastrophe führt.
       
       25 Mar 2019
       
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 (DIR) Susanne Knaul
       
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