# taz.de -- Kommentar Insolvenz bei der Gorch Fock: System der Verantwortungslosigkeit
       
       > Von der Leyen war angetreten, die Beschaffungsprobleme bei der Bundeswehr
       > zu lösen. Die Pleite bei Gorch Fock entblößt jetzt ein versagendes
       > System.
       
 (IMG) Bild: Die Ministerin mag es nicht mehr sehen
       
       Was genau [1][bei der Sanierung der Gorch Fock] alles schief gelaufen ist,
       müssen Bundestag, Rechnungshof und Staatsanwaltschaft erst noch klären.
       Dass etwas gehörig schief gelaufen ist, steht aber schon mal fest: Die
       Kosten sind von ursprünglich 9,6 Millionen Euro auf bis zu 135 Millionen
       oder sogar mehr gestiegen. Ein Teil des Geldes ist in der mittlerweile
       insolventen Werft versickert, es laufen Ermittlungen wegen Untreue und
       Korruption.
       
       Und ob das in Einzelteile zerlegte Schiff jemals wieder fahren wird, weiß
       heute kein Mensch. Der Bundestag stellt zurecht Fragen nach der
       Verantwortung – und damit kommt Verteidigungsministerin Ursula von der
       Leyen so langsam in richtige Schwierigkeiten.
       
       Schon vor ihrer Amtszeit hatte die Bundeswehr Probleme mit
       Beschaffungsmaßnahmen und deren Kosten. Die CDU-Politikerin war mit dem
       Ziel angetreten, sie zu lösen. Ihr Ansatz, dafür externe BeraterInnen
       einzukaufen, ist bisher aber nicht aufgegangen. Im Gegenteil:
       Consulting-Aufträge wurden offenbar falsch abgerechnet, Verträge entgegen
       der Richtlinien freihändig vergeben, persönliche Bekannte von
       EntscheidungsträgerInnen im Ministerium mutmaßlich begünstigt. Zurecht hat
       von der Leyen wegen dieser Vorgänge inzwischen ihren ersten
       Untersuchungsausschuss am Hals.
       
       Die Gorch Fock hat mit den Beratern direkt nichts zu tun. Aber auch sie
       steht für die Mängel im Beschaffungswesen – und hier hat die Ministerin
       persönlich eine Mitverantwortung: Als die Sanierungsprobleme intern schon
       offensichtlich waren und sich die Kosten vervielfacht hatten, erteilte sie
       selbst die Genehmigung, weiterzumachen.
       
       Für Hans-Peter Bartels (SPD), den Wehrbeauftragten des Bundestags, steht
       dahinter ein grundsätzliches Problem. Das Beispiel Gorch Fock zeige
       „paradigmatisch die Diffusion von Verantwortung in einer zersplitterten
       Zuständigkeitskultur“ in Bundeswehr und Ministerium, schrieb er vor wenigen
       Wochen in seinem Jahresbericht. Dieses System der Verantwortungslosigkeit
       hat von der Leyen sicher nicht geschaffen. Auflösen wird sie es aber
       wahrscheinlich auch nicht.
       
       21 Feb 2019
       
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