# taz.de -- Segelschulschiff der Marine: „Gorch Fock“-Werft vor der Insolvenz
       
       > Subunternehmer der Elsflether Werft haben wohl seit Monaten kein Geld
       > mehr erhalten. Es geht um Außenstände in zweistelliger Millionenhöhe.
       
 (IMG) Bild: Das Marine-Segelschulschiff „Gorch Fock“ hatte schon bessere Zeiten – seit 2016 wird es repariert
       
       Berlin afp/dpa | Die Werft, in der das Marine-Segelschulschiff „Gorch Fock“
       repariert wird, steht wohl vor der Insolvenz. Die Geschäftsführung der
       Elsflether Werft wolle am Mittwoch bei Gericht Insolvenz anmelden,
       [1][berichtete das ARD-Hauptstadtstudio] am Dienstagabend nach einem Termin
       der Geschäftsführung im Bundesverteidigungsministerium. Demnach hat die
       Werft ausstehende finanzielle Forderungen in zweistelliger Millionenhöhe.
       Mehrere Subunternehmer hätten seit einigen Monaten kein Geld erhalten. Das
       Unternehmen äußerte sich bisher nicht dazu.
       
       Die [2][„Gorch Fock“ liegt seit 2016] in der Elsflether Werft im
       niedersächsischen Landkreis Wesermarsch und wird überholt. Die
       Kostenexplosion bei der Sanierung hat Bundesverteidigungsministerin Ursula
       von der Leyen (CDU) in Bedrängnis gebracht. Im Dezember ordnete die Marine
       einen vorläufigen Zahlungsstopp an. Bis zu diesem Zeitpunkt waren dem
       Verteidigungsministerium zufolge 69,5 Millionen Euro in die Restaurierung
       des Ausbildungsschiffs geflossen.
       
       Das Verteidigungsministerium hätte vor der Auftragsvergabe an die
       Elsflether Werft für die Grunderneuerung des Segelschulschiffs „Gorch Fock“
       gewarnt sein müssen. Das geht nach einem Bericht der Rheinischen Post
       hervor, der sich auf jetzt wieder aufgetauchte Beanstandungen des
       Bundesrechnungshofes aus dem Jahr 2003 bezieht. Die Arbeiten, die das
       Schiff eigentlich für weitere 25 Jahre fit machen sollten, hatten sich im
       Jahr 2000 von 11,5 auf 21,4 Millionen Euro fast verdoppelt. Auch die 2016
       gestartete neuerliche Grundsanierung für ursprünglich 9,8 Millionen
       verteuerte sich zunächst auf 35 und inzwischen auf 135 Millionen Euro.
       
       Die Bundestagsausschüsse für Haushalt und Verteidigung wollen sich an
       diesem Mittwoch erneut mit dem Schicksal der „Gorch Fock“ befassen. Um den
       Auftrag hätten sich fünf deutsche Werften beworben, die alle für die
       Sanierung des Großseglers geeignet seien, heißt es in einer Antwort auf
       eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag.
       
       ## „Posse und Politikversagen zugleich“
       
       Der Linken-Abgeordnete Matthias Höhn sagte dazu: „Die Marine vergibt den
       Auftrag ausgerechnet an jene Werft, deren Reparaturen an der „Gorch Fock“
       schon in den Jahren zuvor 250 Prozent teurer waren als ursprünglich
       veranschlagt.“ Höhn sieht die Sanierung als „Posse und Politikversagen
       zugleich“, wie er der Rheinischen Post sagte. Für ihn ist es schlicht
       „unglaublich“, dass diese Werft immer wieder beauftragt wurde, obwohl ihre
       Reparaturen immer deutlich teurer geworden seien.
       
       Einer Auflistung der Bundesregierung nach unterhalten auch andere
       Nato-Länder wie Italien, Rumänien, Polen, die USA, Dänemark und Norwegen
       Segelschulschiffe – teils im Rahmen der Handelsmarine. Andererseits setzen
       Seefahrernationen wie Großbritannien oder die Niederlande nicht auf eine
       Segelausbildung ihrer Marinekadetten.
       
       20 Feb 2019
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.tagesschau.de/inland/gorch-fock-131.html
 (DIR) [2] /Wird-die-Gorch-Fock-neu-gebaut/!5563331
       
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