# taz.de -- In eigener Sache – Datenklau: Die Chronologie
       
       > Die taz wurde wohl von einem Angestellten ausspioniert. Daten von
       > Mitarbeitern wurden mithilfe eines Keyloggers abgeschöpft. Was ist
       > geschehen? Wie reagiert die taz?
       
 (IMG) Bild: Der Keylogger, mit dem die Daten von taz-Rechnern ausspioniert wurden.
       
       ## Dienstag, 17. Februar
       
       Am Nachmittag wird ein EDV-Mitarbeiter informiert, dass der Computer einer
       Praktikantin nicht funktioniert. Die Tastatur streikt. Er entdeckt, dass
       zwischen Tastatur und USB-Eingang des Rechners ein schwarzer Keylogger
       steckt: ein Gerät, das unter anderem jeden Tastaturanschlag protokollieren
       kann. Er nimmt ihn an sich, geht damit in die EDV. Die Hülle des Keyloggers
       wird aufgebrochen: „Atmel“ prangt auf dem Chip im Innern. Dazu eine
       Produktnummer. Ansonsten ist alles gelöscht. Zumindest oberflächlich. Denn
       aus den Speicherbausteinen lässt sich eine Textdatei rekonstruieren, die
       sich noch auf dem Keylogger befindet. Sie wird auf einen Rechner der EDV
       kopiert.
       
       Die Kollegen der EDV beginnen am Nachmittag damit, die Daten auszuwerten.
       
       Der Stick selbst wird am Abend an seinen Fundort zurückgebracht und dort
       wieder zwischen PC und Tastatur gesteckt. Vielleicht kommt der Datensammler
       ja vorbei und zieht den Stick ab?
       
       Der Abteilungsleiter der EDV wird über den Fund informiert.
       
       ## Mittwoch, 18. Februar
       
       Noch vor der morgendlichen Konferenz wird die Geschäftsführung eingeweiht.
       
       Nahezu alle Kolleginnen und Kollegen sitzen ab 9.30 Uhr im Konferenzraum.
       Der Architekt informiert über das neue Haus: Wer sitzt wo? Und warum nicht
       woanders?
       
       Am späten Vormittag versucht sich die Praktikantin am betroffenen Rechner
       einzuloggen. Wieder ein Problem. Allerdings ist der Rechner nicht komplett
       stillgelegt, wie es die EDV geplant hatte. Also macht sich ein Mitarbeiter
       daran, der Praktikantin einen anderen Rechner hinzustellen und
       einzurichten.
       
       Während er daran arbeitet, beobachten mehrere Mitarbeiter, wie ein
       taz-Angestellter seine Zeitung über die Rückseite des betroffenen Rechners
       hält und den Keylogger entnimmt. Er habe nur einen USB-Stick herausgezogen,
       sagt der Erwischte laut Augen- und Ohrenzeugen. Der EDV-Mitarbeiter nimmt
       ihm den Stick ab. Gemeinsam gehen sie in die EDV. Es ist zwölf Uhr. Der
       Kollege äußert sich nicht weiter, geht auf die Toilette, dann an seinen
       Arbeitsplatz. Auch gegenüber dem herbeigerufenen Abteilungsleiter und einem
       Mitglied der Geschäftsführung sagt er nichts zu den Vorwürfen. Der Kollege
       verlässt die taz.
       
       Um 12.17 Uhr wird die Chefredakteurin informiert. Ab 13.45 Uhr tagen
       Chefredaktion, Vorstand und Redaktionsrat. Ab 14.15 Uhr wissen die
       Ressortleiterinnen und Ressortleiter Bescheid. Um 14.30 Uhr wird die
       gesamte Redaktion informiert.
       
       Derweil läuft die Auswertung der Textdatei in der EDV. Sie dauert bis heute
       an. Mehrfach sind Daten gelöscht und teilweise überschrieben worden. Bisher
       wurden die Daten von 16 Mitarbeiteraccounts gefunden.
       
       ## Donnerstag, 19. Februar
       
       Die Redaktion wird in der Morgenkonferenz darüber in Kenntnis gesetzt, dass
       in der Nacht ins Gebäude eingebrochen worden sei. Ein Mitarbeiter des
       Reinigungsdiensts habe den Einbruch um 5.30 Uhr bemerkt. Die Polizei sei
       informiert worden. Wie weit der Einbrecher gekommen ist, ist aber unklar.
       Die erste Tür wurde aufgebrochen, eine zweite – die sich mit einem Code
       öffnen lässt – ist unbeschädigt. Der Code ist allerdings allen aktuellen
       und ehemaligen Mitarbeitern bekannt. Ob ein Zusammenhang zwischen dem
       Datendiebstahl und dem Einbruch besteht, ist unbekannt.
       
       KollegInnen hatten allerdings am Abend zuvor bereits unter Aufsicht des
       Justiziars die Dinge, die der unter Verdacht stehende Mitarbeiter
       zurückgelassen hatte, zusammengepackt und weggeschlossen.
       
       Die Auswertung der Daten vom Keylogger geht weiter: Der Zeitraum der
       Ausspähung (zumindest mit diesem Keylogger) wird eingegrenzt. Danach wurde
       das Gerät mindestens seit Anfang 2014 zum Ausspähen von taz-Rechnern
       benutzt. Außerdem wird festgestellt, dass die Software des Keyloggers 2012
       veröffentlicht worden ist.
       
       ## Freitag, 19. Februar
       
       Verschiedene Medien berichten über den Fall, darunter Newsroom.de, Die
       Welt, das NDR-Magazin „Zapp“ und Spiegel Online.
       
       Taz-Geschäftsführer Karl-Heinz Ruch veröffentlicht ein Statement: „Zu
       Personalangelegenheiten äußert sich die taz grundsätzlich nicht.“
       
       Durch die Auswertung von Logdateien auf Rechnern, bei denen der Keylogger
       in Betrieb war, wird deutlich, dass die Daten wohl auch an einem
       taz-Rechner ausgelesen wurden. Der Nutzer des Keyloggers hat sich dafür
       wohl mit zuvor gestohlenen Accountdaten eingeloggt, den Stick
       angeschlossen, aus der Textdatei Zugangsdaten ausgelesen, den Stick wieder
       abgezogen, sich ausgeloggt – und sich dann mit den gerade ausgelesenen
       Daten der Zielperson am selben Rechner wieder eingeloggt. So konnte er
       beispielsweise auf das Postfach der Zielperson zugreifen.
       
       ## Montag, 23. Februar
       
       Für 12.30 Uhr ist der beschuldigte Kollege zu einem Gespräch mit
       Chefredaktion, Geschäftsführung und Justiziar eingeladen. Er kommt nicht.
       
       Arbeitsrechtliche Schritte werden eingeleitet.
       
       Es wird Strafanzeige erstattet.
       
       23 Feb 2015
       
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