# taz.de -- Grün-schwarzer Koalitionsvertrag steht: Handschlag wie bei Handwerkern
> In Baden-Württemberg einigen sich Grüne und CDU auf einen
> Koalitionsvertrag. An den Klimazielen wollen sie festhalten. Nun sind die
> Parteien gefragt.
(IMG) Bild: „Haben hart gerungen“ – Fast-Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) und sein künftiger Vize Manuel Hagel (CDU)
dpa | Nach zähen, wochenlangen Verhandlungen haben sich Grüne und CDU in
Baden-Württemberg auf einen Koalitionsvertrag geeinigt. „Beide Seiten haben
hart gerungen“, sagte Grünen-Verhandlungsführer Cem Özdemir am späten Abend
in Stuttgart nach Abschluss der Gespräche. „Das, was wir da jetzt erreicht
haben, das kann sich wirklich sehen lassen. Das ist nicht der kleinste
gemeinsame Kompromiss.“ Grüne und CDU würden hingegen einlösen, was sie im
Wahlkampf versprochen hätten. Der Koalitionsvertrag soll am Mittwoch der
Öffentlichkeit vorgestellt werden.
„Wir haben, finde ich, was wirklich G’scheites geschafft für unser Land“,
sagte CDU-Landeschef Manuel Hagel. Er sprach von einer „Reformkoalition“.
Man wolle die Probleme der Menschen lösen und nicht nur „irgendwelche
Überschriften fürs Weltall produzieren“.
An diesem Wochenende wollen Özdemir und Hagel die Inhalte ihren
Parteigremien vorstellen. Özdemir soll am 13. Mai im
baden-württembergischen Landtag zum Ministerpräsidenten gewählt werden.
Davor finden noch Parteitage statt.
Die Aufteilung der Ministerien zwischen Grünen und CDU ist bereits geklärt.
Die CDU erhält die Ressorts Inneres, Kultus, Justiz, Landwirtschaft,
Wirtschaft, Verkehr sowie den Posten des Landtagspräsidenten oder der
Landtagspräsidentin. Die Grünen sind zuständig für Finanzen, Soziales,
Wissenschaft, Umwelt und Wohnungsbau. Wichtige Personalien kamen noch nicht
ans Licht – etwa, ob Hagel Innenminister wird.
## Özdemir: Keine Arbeitsteilung
Die beiden Parteien regieren in Baden-Württemberg bereits seit 2016
gemeinsam. [1][Bei der Landtagswahl am 8. März] waren die Grünen mit 30,2
Prozent knapp stärkste Kraft geworden, dicht gefolgt von der CDU mit 29,7
Prozent. Im neuen Landtag verfügen jedoch beide Parteien über jeweils 56
Mandate – eine ungewöhnliche Pattsituation.
Das hatte die Verhandlungen erschwert, ebenso wie Vorwürfe der CDU, die
Grünen hätten im Wahlkampf eine „Schmutzkampagne“ betrieben. Eine
Fortsetzung der grün-schwarzen Koalition galt aber als einzige realistische
Option für eine Regierungsbildung.
Grüne und CDU hatten bereits in ihrem Sondierungspapier ungewöhnlich viel
Konkretes festgehalten. 48 Punkte umfasste das Dokument, darunter ein
verpflichtendes und kostenloses letztes Kindergartenjahr, ein Festhalten an
den Klimazielen, eine Entlastung von Familien bei der Grunderwerbsteuer
oder leichtere Unternehmensgründungen.
Özdemir betonte am Abend, dass man in dem Bündnis künftig keine
Arbeitsteilung haben werde: Beide Partner stünden für Sicherheit, beide
Partner hätten eine gemeinsame Sicht auf den Klimaschutz. Und man wolle
gemeinsam, dass Baden-Württemberg ein starker, attraktiver
Wirtschaftsstandort sei und wieder werde. Berichtspflichten für Betriebe
sollen etwa abgeschafft werden.
## Klimaschutz und Wirtschaft
Man werde aber die Wirtschaft mit dem Klimaschutz zusammenbringen, kündigte
Özdemir an. Den Natur- und Klimaschutz werde man nicht abwickeln, sondern
die Natur schützen und bewahren und künftigen Generationen übergeben. Und
man wolle einen Beitrag dazu leisten, dass die demokratische Mitte gestärkt
werde und die radikalen Ränder geschwächt würden.
Özdemir wie Hagel sprachen mit Blick auf die Bildungspolitik von einem
Aufstiegsversprechen. Man werde kein Kind zurücklassen, versprach Özdemir.
Jedes Kind in Baden-Württemberg habe eine echte Chance auf Aufstieg
verdient, sagte Hagel – „egal, woher jemand kommt, wie jemand heißt, was
Papa oder Mama verdienen“.
Die beiden Koalitionspartner äußerten sich auch zum Stil der neuen
Koalition. Es sei entscheidend, wie man in der Politik miteinander umgehe,
sagte Hagel. Grüne und CDU hätten in den vergangenen Wochen viel
miteinander gesprochen. „Wir haben auch mal gestritten, aber immer alles
hinter verschlossenen Türen. Und immer so, dass wir danach wieder
zusammengefunden haben.“
Beide sagten, dass sie sich auf die Zusammenarbeit freuten. Hagel lobte
Özdemir auch persönlich. „Ich habe Cem Özdemir als jemand kennengelernt, so
wie es gute Handwerker in Baden-Württemberg auch machen, dass der
Handschlag was gilt, dass man sich tief in die Augen schaut und was
ausmacht und sich dann am Ende auch dran hält.“ Das sei eine großartige
Grundlage für die nächsten fünf Jahre.
Man knüpfe im Stil auch an das Erbe von Ministerpräsident Winfried
Kretschmann an, betonte Özdemir – mit einer Politik, „die darauf setzt,
dass man auch gerne mal zugeben kann, wenn der andere ein besseres Argument
hat, dass man einander respektvoll begegnet, dass man einander zuhört und
gemeinsam nach Lösungen sucht“. Anderswo werde in der Politik gestritten
„wie die Kesselflicker“.
Kretschmann (Grüne) war am Mittwoch mit einem Festakt verabschiedet worden.
[2][Er war seit 2011 Regierungschef in Baden-Württemberg] – kein
Ministerpräsident war im Südwesten länger im Amt als er.
1 May 2026
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