# taz.de -- Gewalt in Polen: Mutmaßlicher Attentäter festgenommen
       
       > Ein 66-Jähriger soll einen Anschlag auf Premier Tusk und
       > Verteidigungsminister Kosiniak-Kamysz geplant haben. Nun ging er der
       > Polizei ins Netz.
       
 (IMG) Bild: Ein möglicher Anschlag wurde gerade noch verhindert: Polens Regierungschef Donald Tusk
       
       Der bewaffnete Anschlag auf Polens Premier Donald Tusk und seinen Vize,
       Verteidigungsminister Wladyslaw Kosiniak-Kamysz, konnte gerade noch
       verhindert werden. Am späten Sonntagnachmittag nahm die Polizei den
       mutmaßlichen Attentäter Krzysztof N. in Niederschlesien fest.
       
       Stunden zuvor hatte der polnische Staatsschutzdienst (SOP), der für den
       Personen- und Gebäudeschutz der Regierung und des Präsidenten zuständig
       ist, eine anonyme Mail erhalten. Darin war vor einem bewaffneten Anschlag
       auf die beiden Spitzenpolitiker Polens gewarnt worden.
       
       Solche Mails, Telefonanrufe und Briefe mit Terrorwarnungen erhalten Polens
       Geheimdienste und Polizei immer wieder. Meist handelt es sich um Fehlalarme
       oder dumme Scherze. Dieses Mal aber kannte der Tippgeber die genauen
       Aufenthaltsorte der beiden Politiker für die nächsten Stunden.
       
       „Wir nehmen die Drohung tödlich ernst“, sagte Jacek Dobrzyński, der
       Sprecher des polnischen Geheimdienstkoordinators. Im Antiterrorzentrum des
       Inland-Geheimdienstes ABW sei eine Krisensitzung der wichtigsten Dienste
       einberufen worden. Um die Chance auf einen Fahndungserfolg zu erhöhen,
       publizierte die Polizei die Suche nach dem potenziellen Attentäter im
       Internet und in den klassischen Medien.
       
       ## Hassvideos gegen die Regierung
       
       Auf die Spur des Verdächtigen führte nach dem Fahndungsaufruf die genaue
       Analyse einer erhöhten User-Aktivität rund um rechtsextreme Portale. Der
       jetzt festgenommene 66.jährige Krzysztof N. ist Mitbetreiber eines der
       Portale und postet dort regelmäßig Hassvideos gegen die Regierung.
       
       Polens linksliberaler Tageszeitung Gazeta Wyborcza gelang es nicht nur,
       dieses Portal ausfindig zu machen, sondern auch ein kurzes Interview mit
       Krzysztof N. vor dessen Festnahme zu führen. Er habe mit den
       Anschlagsplänen nichts zu tun, entrüstete sich der Mann. Was er dort poste,
       sei seine persönliche Meinung, auf die er ein Recht habe.
       
       Auf demselben Portal wird als Ziel der nicht mit Namen genannten
       rechtsextremen Partei angegeben, „gegen die POPiS-Agentur in den Händen der
       Globalisten und der jüdischen Kommunisten“ zu kämpfen. In einem am Freitag
       als Video hochgeladenen „Manifest“ beleidigt Krzysztof N. ganze 14 Minuten
       lang Donald Tusk und Wladyslaw Kosiniak-Kamysz. Die mildesten davon, so die
       Gazeta Wyborcza, seien noch Hassparolen wie „der rotfuchsige Verräter“ für
       Tusk oder der „Dorfbastard“ für Kosiniak-Kamysz.
       
       Obwohl die rechtsextreme Organisation in der Öffentlichkeit weitgehend
       unbekannt sei, likten die Internet-User bis zu 20.000 Mal die Hass-Videos
       von Krzysztof N. und kommentierten sie Hunderte Male. „Von Monat zu Monat,
       von Jahr zu Jahr gehen bei der Polizei, dem Staatsschutz und anderen
       Behörden immer mehr Drohungen verschiedener Art ein“, erläuterte Jacek
       Dobrzyński am Sonntagmorgen. Sie richteten sich sowohl gegen den Staat
       Polen als auch gegen dessen Bürger.
       
       ## Unklare Motive
       
       Unterdessen wurden Polen in den vergangenen Tagen von mehreren
       Messerattacken an Schulen heimgesucht. Die Motive der meist jugendlichen
       Strafverdächtigen wie auch des jetzt festgenommenen 66-Jährigen sind
       unklar. Viele Politiker und Journalisten vermuten, dass in beiden Fällen
       Hass-Videos und Hass-Postings in den sozialen Medien schuld an der
       zunehmenden Brutalisierung der polnischen Gesellschaft sein könnten.
       
       [1][Nachgewiesen werden konnte dies für den Stimmungsumschwung gegenüber
       ukrainischen Kriegsflüchtlingen. Von der einstigen Solidarität der Polen
       mit den Ukrainern ist kaum noch etwas übrig geblieben]. Täglich wird das
       polnische Internet von Millionen Hass-Postings regelrecht geflutet. Zumeist
       kommen sie aus Russland. Aber es gibt auch viele Polen, die diese Neid- und
       Hass-Meldungen weiterverbreiten.
       
       Die Folge sind offene Gewalttaten gegen Ukrainer und Ukrainerinnen auf
       Polens Straßen. Um die antiukrainische Stimmung nicht noch weiter
       anzuheizen, betonen Polizisten und Politiker, dass es sich bei den Tätern
       der jüngsten Attacken oder auch dem Anschlagsplan gegen Tusk und
       Kosininiak-Kamysz ausschließlich um Strafverdächtige „polnischer
       Nationalität“ handle.
       
       12 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
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