# taz.de -- Erster Gang der Präsidentschaftswahl: Brasilien drohen dunkle Jahre
       
       > Bei der Präsidentschaftswahl in Brasilien war der Etappensieg von
       > Bolsonaro Junior auch ein Votum gegen Amtsinhaber Lula. Ihm bleiben drei
       > Wochen, um die Katastrophe abzuwenden.
       
 (IMG) Bild: Noch besteht für die Anhänger von Lula da Silva Hoffnung, dass er die Stichwahl gewinnen könnte
       
       So richtig kann sich kaum einer erklären, warum diese wenig charismatische
       Kopie des Vaters, des rechtspopulistischen Ex-Präsidenten Jair Bolsonaro,
       [1][im ersten Wahlgang um die Präsidentschaft so gut abschnitt]. „01“, Zero
       Um, wie der Erstgeborene von seinem Vater genannt wird, ist knietief in
       eine Reihe von Skandalen verstrickt. Verbindungen zu kriminellen Gruppen
       und Korruptionsvorwürfe werden mit ihm in Verbindung gebracht und kratzen
       am Image des aufrechten, gottesfürchtigen Familienvaters.
       
       Es handelte sich, so viel kann man sagen, nicht nur um eine Wahl für Flávio
       Bolsonaro, sondern gegen Lula. Im 21. Jahrhundert erlangte die Linke
       weltweit nirgendwo so viele Wahlsiege wie in Brasilien. Das führt
       zwangsläufig zu Abnutzungseffekten. Der Volkstribun Lula bewegt zwar immer
       noch Massen, aber eben nur einen Teil der Bevölkerung. [2][Er steht auch
       für ein Gefühl, dass es im Land nicht vorangeht. Dass es immer unsicherer
       wird].
       
       Man könnte nun sagen: Dann lasst die Bolsonaristen doch einmal regieren.
       Sie haben sich ja in der ersten Amtszeit bereits einmal selbst entzaubert.
       Letztlich scheiterte Bolsonaro 1 an zwei Dingen: seiner Unfähigkeit und den
       demokratischen Institutionen.
       
       Doch eine Regentschaft von Bolsonaro Junior könnte grundlegend anders sein.
       Der Oberste Gerichtshof dürfte nach einer Reihe von Skandalen nicht mehr
       die gleiche Kontrollfunktion einnehmen. Das Parlament ist am Sonntag noch
       viel weiter nach rechts gerückt. Und in den USA regiert mit Donald Trump
       ein grande amigo der Bolsonaros. Stichwort Trump: Von ihm könnten sich die
       brasilianischen Rechten auch abschauen, wie man eine zweite Amtszeit mit
       der Brechstange durchzieht.
       
       Man sollte jetzt nicht in Panik verfallen – und vor allem erst einmal die
       Stichwahl abwarten. Drei Wochen bleiben, um die aus linker Sicht drohende
       Katastrophe noch abzuwenden. Gelingt das nicht, könnten Brasilien politisch
       sehr dunkle Jahre bevorstehen.
       
       5 Oct 2026
       
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