# taz.de -- Corona-Schutz an Hamburgs Schulen: Schulsenator stellt auf Durchzug
       
       > In den ersten acht Wochen des Schuljahrs gab es 355 Infizierte an
       > Hamburger Schulen. Nun sollen die Schulen alle 20 Minuten die Fenster
       > öffnen.
       
 (IMG) Bild: Sollen nach den Herbstferien alle 20 Minuten offen stehen, ob's stürmt oder schneit: Schulfenster
       
       Hamburg taz | An Hamburgs Schulen soll [1][nach den Herbstferien] jede
       Klasse alle 20 Minuten die Fenster öffnen und Durchzug erzeugen. Diese
       Konsequenz kündigte Schulsenator Ties Rabe (SPD) am Dienstag im Rathaus an,
       als er Bilanz nach acht Wochen Schulbetrieb unter Coronabedingungen zog.
       Außerdem darf es bis Weihnachten weiterhin keine Klassenreisen geben.
       
       Corona [2][macht vor den Schulen nicht halt], das zeigten Rabes Zahlen:
       Seit dem 4. August waren 303 Schüler und 52 Beschäftigte mit dem Covid-19
       infiziert. Da viele wieder genesen sind, gelten aktuell 122 Schüler und 24
       Mitarbeiter als erkrankt. Bei den meisten Fällen verlief die Krankheit laut
       Rabe „sehr milde, oft symptomfrei“. Größere gesundheitliche Probleme der
       Betroffenen seien „nicht bekannt“.
       
       Derzeit sei davon auszugehen, dass sich 80 bis 90 Prozent von ihnen
       außerhalb der Schule angesteckt hätten, etwa im Urlaub oder auf Feiern. Nur
       bei den Stadtteilschulen Heinrich-Hertz, Winterhude und möglicher Weise
       auch der Julius-Leber-Schule in Schnelsen hätten sich Schüler und
       Beschäftigte auch innerhalb der Schule infiziert, so Rabe. „Die
       Infektionswege werden noch erforscht.“
       
       Doch für Rabe zeigen auch diese Zahlen, dass „Schulen nach wie vor ein
       sicherer Ort sind“, dort komme es „äußerst selten“ zur Ansteckung. Der
       Senator zeigte sich dennoch besorgt über den Anstieg der Infektionszahlen
       in Hamburg und anderen Städten. Gerade Schüler ab der 8. Klasse seien in
       ihrer Freizeit „viel zu sorglos“, nähmen die Regeln nicht ernst.
       
       ## Linke fordert Lüftungskataster
       
       Den Vorwurf der Sorglosigkeit muss der SPD-Politiker sich allerdings auch
       selbst anhören. Die Links-Fraktion fordert in einem Antrag, der mit der
       [3][Elterninitiative „Sichere Bildung in Hamburg“] abgestimmt ist,
       konsequentere Maßnahmen, um die potentiell virushaltigen Aerosole aus
       Innenräumen zu entfernen. So sollten zügig in allen Klassenzimmern
       CO2-Messgeräte installiert werden, die den Luftverbrauch anzeigen, wie vom
       Umweltbundesamt bereits 2008 empfohlen. Zudem sollte der Senat ein
       „Lüftungskataster“ für alle Klassen erstellen, in dem Raumgröße, die
       Fensterzahl und die Lüftungsmöglichkeiten aufgezeigt werden, um dort, wo
       nötig, ergänzend mobile Filtergeräte aufzustellen.
       
       Rabe hält diese Schritte für unnötig und beruft sich dabei auf Heinz-Jörn
       Moriske vom Umweltbundesamt und weitere Experten. Diese hatten kürzlich bei
       einer Fachkonferenz der Kultusministerkonferenz den Einsatz von
       Filtergeräten „skeptisch“ bewertet, da deren Wirkung gegen Coronaviren
       nicht hinreichend erwiesen sei.
       
       Auch CO2-Ampeln seien überflüssig, wenn regelmäßig gut gelüftet werde. Mit
       dem Vorschlag eines Katasters verband Rabe gar „unglaublichen
       Bürokratieaufwand“. Die Hausmeister der Schulen hätten längst alle Räume
       überprüft, und festgestellt, dass sich nur in 68 von rund 13.000 keine
       Fenster öffnen ließen. Die werde man schlicht nicht mehr nutzen.
       
       Rabe musste sich am Dienstag von CDU und Linken anhören, er sei zu planlos.
       Sich auf ein fünfminütiges Lüften alle 20 Minuten zu verlassen, ohne
       Instrumente, die den Luftaustausch überprüfen, sei „in der Pandemie
       fahrlässig“, kritisiert die Linke Sabine Boeddinghaus. „Schulen könnten
       sich nach kurzem Lüften leicht in falscher Sicherheit wiegen“, gibt auch
       Vater Heiko Habbe von „Sichere Bildung für Hamburg“ zu bedenken. Da wäre
       der Einsatz der „CO2-Ampeln“ ein wertvolles Instrument.
       
       Habbes Initiative fordert seit Wochen, dass es zur Einhaltung der
       Abstandsregeln vorsorglich kleinere Lerngruppen gibt und die Schüler teils
       Zuhause lernen. Ein solches „Hybrid-Model“ ist laut Rabe noch nicht
       erforderlich. Er kündigte aber an, dass ein pädagogisches Konzept dafür
       Ende der Woche im Netz stehen wird.
       
       30 Sep 2020
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Herbstferien-im-Norden/!5714390/
 (DIR) [2] /Corona-Faelle-in-Hamburg/!5707969/
 (DIR) [3] https://sichere-bildung-hamburg.de/jetzt-mitzeichnen/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Kaija Kutter
       
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