# taz.de -- Erzwingungsstreik bei der Charité: Kampfbereite Pflegekräfte
> Die in der Pflege Beschäftigten an der Charité werden streiken, um ihren
> Tarifvertrag zu verteidigen. Das haben sie per Urabstimmung entschieden.
(IMG) Bild: Streikende Pflegekräfte während des Warnstreiks am 29. Oktober
98 Prozent der streikbereiten Pflegekräfte der Charité haben per
Urabstimmung einen Erzwingungsstreik beschlossen. Dieser soll am 12.
November beginnen, wenn es bis dahin zu keinem Durchbruch in den
Verhandlungen mit der Charité-Spitze kommt – und bis zu dem kommenden
Verhandlungstermin am 16. November aufrechterhalten werden.
Die Verhandlungsführerin der Gewerkschaft ver.di, Gisela Neunhöffer, gab
sich am Freitag in ihrem Statement kampfbereit. Sie unterstrich die
Empörung und Streikbereitschaft des Pflegepersonals der Charité und konnte
nicht nur auf das eindeutige Abstimmungsergebnis, sondern auch auf 950
Gewerkschaftsbeitritte seit Beginn der Verhandlungen verweisen.
„Wir haben ein sehr, sehr hohes Engagement der Kolleginnen und Kollegen in
der Diskussion darum, wie wir den Tarifvertrag weiterentwickeln möchten“,
so Neunhöffer. „Und wir haben eine sehr, sehr hohe Streikbereitschaft.“
Im Mittelpunkt der Verhandlungen steht der 2021 vereinbarte
Entlastungstarifvertrag (TV-E). Er sieht vor, dass Pflegekräfte, deren
Schichten von einer vertraglich definierten Unterbesetzung betroffen sind,
nach fünf dieser Schichten über ein Punktesystem entlastet werden – etwa
durch einen Urlaubstag, einen Bonus oder eine andere Leistung.
## Finanziell kritische Lage
Im April kündigte die Geschäftsführung der Charité den TV-E zum Jahresende.
Sie begründet dies mit der finanziell kritischen Lage der Berliner
Universitätsklinik, die auf die Krankenhausreform, steigende Personal-,
Material- und Energiekosten sowie zusätzlichen Druck durch das neue
GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz zurückzuführen sei.
Laut Gisela Neunhöffer ist der Entlastungstarifvertrag jedoch ein
„absolutes Erfolgsmodell“ in der Charité. „Viele Menschen konnten aus dem
Ausland für den Beruf gewonnen werden“, sagte sie am Freitag. „Andere
Menschen haben sich entschieden, in dem Beruf zu bleiben oder auch zum Teil
zurückzukehren. Und damit konnten wir einen massiven Beitrag leisten zur
Bekämpfung des Pflegenotstands.“
Ob der Erzwingungsstreik die Charité-Spitze zu Zugeständnissen bewegen
kann, ist offen, die Streikmöglichkeiten sind begrenzt. Ein Totalstreik ist
in dieser Branche selbstverständlich nicht möglich: Um die Sicherheit der
Patienten nicht zu gefährden, ist zu Streikterminen eine Notbesetzung im
Hochschulkrankenhaus aktiv. Doch die Geschäftsführung der Charité klagte am
2. September erfolgreich vor dem Arbeitsgericht für eine höhere
Notbesetzung als vorgesehen. So sind mehr Pflegekräfte an ihre Arbeit
gebunden und können nicht streiken.
## 85 Prozent müssen trotz Streik arbeiten
Konkret sollen 85 Prozent der Beschäftigten trotz Streik arbeiten. Die
ver.di-Verhandlungsführerin erklärte, dass man das Urteil akzeptiere, aber:
„Diese Einschränkung des Streikrechts ist für uns nicht akzeptabel.“ Weiter
erläuterte sie: „Wir müssen leider feststellen, dass die Charité den Weg
einer Konfliktpartnerschaft und der Respektierung der Grundrechte der
Kolleginnen und Kollegen verlassen hat.“
Zu Ende der Pressekonferenz resümierte der für die Pflegekräfte sprechende
Abubakar Ali Gal: „Unsere Zahlen steigen. In der Notaufnahme versuchen wir
jedes Jahr, mindestens 5 Prozent mehr zu versorgen. Wir möchten einfach so
ausgestattet werden, wie es die notfallmedizinischen Fachgesellschaften
fordern.“ Es gehe den Beschäftigten nicht darum, Punkte für Freitage zu
generieren, so Gal.
6 Nov 2026
## AUTOREN
(DIR) Anton Opitz
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