# taz.de -- Folgen des Irankriegs: Wie die US-Nahostpolitik die Zwischenwahlen beeinflusste
       
       > Das Scheitern der Republikaner bei den Wahlen hängt auch mit dem
       > Irankrieg zusammen. Trotzdem transportiert das Militär Gerät und Truppen
       > in die Region.
       
 (IMG) Bild: Gegen den Willen der US-amerikanischen Bevölkerung überlegt Trump weiterhin Ziele im Iran anzugreifen
       
       Die Niederlage der Republikaner bei den US-Zwischenwahlen war krachend:
       Sowohl über das Abgeordnetenhaus als auch den Senat gewannen die Demokraten
       die Mehrheit. Vizepräsident J. D. Vance bot gleich eine Erklärung für die
       Schmach – und schoss dabei auch gegen seinen Chef, Präsident Donald Trump.
       
       Auf X schrieb er: Viele Wähler seien zwischen 2024 und 2026 zu den
       Demokraten gewechselt. Ein Meinungsforschungsinstitut habe Ex-Wähler
       gefragt, wann diese wieder zu den Republikanern zurückkehren würden. Die
       vier häufigsten Antworten, so Vance: „Beendigung des Irankriegs,
       Konzentration auf Lebenshaltungskosten und Inflation, ‚America First‘,
       Veränderung der Beziehungen zu Israel“. Nun ist diese Haltung des
       US-Vizepräsidenten zu Israel und zum Irankrieg nichts Neues: Erst im
       September erklärte er, Amerika dürfte „nicht zulassen, dass unsere
       Nahostpolitik dem Staat Israel untergeordnet wird“.
       
       Die hohen Lebenshaltungskosten waren tatsächlich ein Grund für viele
       Wählerinnen und Wähler, den Demokraten ihre Stimme zu geben. In [1][einer
       Reuters-Umfrage] vor der Wahl gaben 50 Prozent der Befragten an, dass die
       Position eines Kandidaten zu den Lebenshaltungskosten der ausschlaggebende
       Faktor sei. Dass diese gestiegen sind, liegt auch am Irankrieg. Ein Barrel
       Rohöl der Sorte Brent steht derzeit bei etwa 97 US-Dollar, erreichte im
       Verlauf des Konflikts mit Iran über 120 US-Dollar. Vor Beginn des Kriegs
       Ende Februar 2026 lag der Preis bei etwa 70 US-Dollar. Das zeigt sich an
       den Tankstellen und – etwa aufgrund höherer Transportkosten – bei fast
       allen Gütern.
       
       Der Irankrieg selbst war bei der US-Bevölkerung nie beliebt. In einer
       Umfrage des Pew Research Center Ende März lehnten 6 von 10 Befragten Trumps
       Umgang mit dem Irankonflikt ab; viele hielten die Entscheidung für
       Militärgewalt für falsch. [2][Im Oktober erklärten über 50 Prozent der
       Befragten, sie hätten keine Zuversicht,] [3][dass die Trump-Regierung ihre
       Ziele im Konflikt mit dem Iran erreichen werde.]
       
       ## US-Ziele im Irankrieg kaum erreicht
       
       Die von Trump im März für den Krieg erklärten vier Ziele: das
       Raketenprogramm, bereits produzierte Raketen des Regimes sowie die Marine
       vernichten; den Iran darin hindern, in den Besitz von Atomwaffen zu kommen;
       die Unterstützung und Aufrüstung seitens Iran für verschiedene Milizen in
       der Region zu beenden. Keines dieser vier Ziele konnte erreicht werden.
       Zwar wurden Raketen reduziert, Abschussstellen und Lager zerstört, doch
       Iran ist weiter befähigt, Raketen zu produzieren. Auch die Marine gibt es
       weiter, allein im Oktober wurden über 30 Schiffe bei der Durchfahrt durch
       die Meerenge von Hormus attackiert.
       
       Die großen Nuklearforschungseinrichtungen Irans wurden bereits 2025 massiv
       beschädigt; angereichertes Uran blieb aber im Land. Außerdem führt Iran,
       [4][wie die Internationale Atomenergiebehörde bestätigt], an der
       mutmaßlichen Nuklearanlage Pickaxe Mountain Arbeiten durch. Die Milizen
       Hisbollah im Libanon, Huthi im Jemen, Hamas in den palästinensischen
       Gebieten und der Milizen-Verbund PMF im Irak sind zwar unterschiedlich
       stark dezimiert, aber – vor allem im Fall der Huthi – weiter befähigt, die
       Region in Atem zu halten und gegen militärisch überlegene Player Krieg zu
       führen.
       
       Stattdessen erreichte der Angriff von USA und Israel gegen Iran vor allem,
       dass das Regime die Straße von Hormus blockierte. Und damit die Preise für
       den Export von Energieträgern aus den Öl- und gasreichen Ländern am
       Persischen Golf massiv in die Höhe trieb, diesen zeitweise sogar fast
       unmöglich machte. Das US-Militär transportiert derweil Gerät und Truppen in
       die Region und das Aufgebot erinnert an das Szenario kurz vor dem Februar
       2026.
       
       Der in den Vereinigten Arabischen Emiraten ansässige Analyst Aimen Dean
       schrieb nach den Wahlen: „Ein verletzter Trump ist ein gefährlicher Trump.“
       Ähnliche Analysen gab es auch in Israel, bezüglich des Wahlverlierers dort,
       Noch-Premier Netanjahu. Die Weichen scheinen gestellt – und J. D. Vance’
       Kritik wird daran wohl kaum etwas ändern.
       
       5 Nov 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.ipsos.com/sites/default/files/ct/news/documents/2026-11/Reuters%20Ipsos%20November%20Midterm%20Survey%20Topline%2011.3.pdf
 (DIR) [2] https://www.pewresearch.org/short-reads/2026/10/08/iran-conflict-remains-deeply-unpopular-as-many-americans-expect-it-to-go-on-for-months/?utm_source=chatgpt.com
 (DIR) [3] https://www.pewresearch.org/short-reads/2026/10/08/iran-conflict-remains-deeply-unpopular-as-many-americans-expect-it-to-go-on-for-months/?utm_source=chatgpt.com
 (DIR) [4] https://english.aawsat.com/world/5317025-iaea-confirms-activity-iran%E2%80%99s-pickaxe-mountain
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Lisa Schneider
       
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