# taz.de -- Streit bei Republikanern nach Midterms: Vance erklärt den Krieg …
       
       > … zur Hauptursache für die Wahlniederlage der Republikaner. Ein Zeichen,
       > dass die Partei sich auf eine Zeit nach Trump vorbereitet?
       
 (IMG) Bild: Auf dem MAGA-Laufsteg: J. D. Vance beim Wahlkampf am 2. November
       
       Ausgerechnet US-Vizepräsident J. D. Vance war der erste, der am Tag nach
       der krachenden Wahlniederlage der Republikaner bei den US-Midterms
       öffentlich Schuldzuweisungen verkündete. „Der Grund, warum wir verloren
       haben, ist der Krieg“, schrieb Vance, der 2028 als Präsidentschaftskandidat
       antreten will und Trump zunächst vor dem Angriff auf Iran gewarnt hatte,
       [1][am Mittwoch auf X]. „Jeder weiß, warum wir verloren haben“, fügte er
       hinzu. Jedes „ehrliche Gespräch darüber, wie es von hier aus weitergeht“,
       müsse dort ansetzen.
       
       Das ist die bislang lauteste Absetzbewegung eines führenden
       republikanischen Politikers von Donald Trump.
       
       Schon vor der Wahl regte sich unter Republikaner:innen leise Kritik
       an dem US-Präsidenten. John Sununu, der im Senatsrennen in New Hampshire
       unterlag, hatte vergeblich versucht, sich in einem Werbeclip von Trump zu
       distanzieren. Darin sagte er wörtlich: „Ich habe den Mann noch nicht einmal
       getroffen.“
       
       Ron DeSantis, der Gouverneur von Florida, der bei den Midterms nicht mehr
       antrat, warf Trump nach der Wahl vor, dass die hohen Benzinpreise infolge
       des Irankrieges zur Niederlage der Republikaner beigetragen hätten. Der
       konservative Hardliner, dem Ambitionen auf die Präsidentschaftskandidatur
       2028 nachgesagt werden, kritisierte auch die lasche Haltung der Regierung
       zu KI-Rechenzentren und den Umgang mit den Epstein-Akten. Don Bacon,
       Kongressabgeordneter aus Nebraska, sagte der New York Times: „Das lag alles
       an ihm“, und auch er meinte Trump.
       
       Und dennoch könnte es passieren, dass das erste Opfer dieser lauter
       werdenden Kritik nicht der US-Präsident wird, sondern sein
       Verteidigungsminister Pete Hegseth, der sich selbst „Kriegsminister“ nennt.
       Schon im September hatte der republikanische Abgeordnete Thomas Massie aus
       Kentucky [2][acht Anklagepunkte] gegen Hegseth eingebracht und die
       Eröffnung eines Impeachmentverfahrens beantragt. Bei erfolgreicher Anklage
       und Verurteilung im Senat endet ein solches Verfahren mit der
       Amtsenthebung.
       
       Im Einzelnen wirft Massie dem Verteidigungsminister vor, ohne Autorisierung
       durch den Kongress Krieg mit Iran zu führen, und im Zusammenhang mit dem
       Irankrieg, Angriffe auf Schnellboote vor Venezuela und im Jemenkrieg
       Verbrechen gegen Zivilisten zu verantworten.
       
       Gab es noch im September keinerlei Bereitschaft bei Sprecher Mike Johnson,
       den Antrag des notorischen innerparteilichen Trump-Gegners Massie zur
       Abstimmung zu bringen, könnte sich das jetzt geändert haben. Schon kommende
       Woche, spekulieren US-Medien, könnte im Repräsentantenhaus darüber
       abgestimmt werden.
       
       Der Irankrieg an sich – tatsächlich ja weder Kern der MAGA-Ideologie noch
       des Projects 2025, also des Regierungsplans zum autoritären Staatsumbau –
       könnte womöglich einfach als Fehler eingestanden werden, man könnte sich
       darauf einigen, Hegseth habe Trump in den Krieg gedrängt, ihn also
       loswerden und dann hoffen, dass die verloren gegangene Wählerschaft das
       irgendwie schluckt. Aber dann muss der Krieg immer noch zu Ende und die
       Straße von Hormus wieder aufgehen, und für beides hat Trump nach wie vor
       keinen Plan.
       
       ## Irankrieg kritisieren, nicht Trump
       
       Da steht großer Ärger bevor. Und trotzdem ist die Grundidee, sich zumindest
       im ersten Schritt nicht von Trump abzusetzen, sondern vom Irankrieg,
       womöglich zunächst ein gangbarer Weg, um nicht sofort ein innerparteiliches
       Blutbad zu riskieren. Und offenbar hat sich zumindest J. D. Vance, der mit
       Außenminister Marco Rubio bislang als einer der beiden Frontrunner für die
       Kandidatur 2028 gilt, bereits für diesen Weg entschieden.
       
       Aber mittelfristig führt kaum ein Weg an der Loslösung von Trump vorbei.
       Und je verwirrter Trump sich in seine Architekturpläne und seinen
       Ballsaalmarmor flüchtet, desto dringender wird das – aber auch einfacher.
       
       Lange kam bei den Republikanern keiner an Donald Trump vorbei. Er hatte
       seine Anhänger im Griff und wer gegen ihn aufbegehrte, dem bescherte er
       eine Karriere beendende Vorwahlniederlage. Die MAGA-Bewegung ließ sich als
       politisches Werkzeug dirigieren wie ein Schlägertrupp im organisierten
       Verbrechen.
       
       Diese Macht hatte Trump in den Vorwahlen zu den Midterms umfassend genutzt.
       Aktiv und gegen den Rat seiner Parteikollegen hatte er in den jeweiligen
       Bundesstaaten loyale, aber unbeliebte Kandidat:innen durchgesetzt. In
       South Carolina unterstützte er die Kandidatur der völlig unqualifizierten
       Darlene Graham, der Schwester des verstorbenen Ex-Senators des Staates,
       Lindsey Graham. Sie verlor den Sitz deutlich. In Texas brachte Trump den
       von Missbrauchsvorwürfen schwer angeschlagenen Ken Paxton anstatt des
       etablierten Amtsinhabers [3][John Cornyn] in Stellung für den Senatssitz.
       Paxton verlor krachend mit mehr als zehn Punkten Abstand gegen den
       demokratischen Shootingstar James Talarico.
       
       ## MAGA ohne Trump?
       
       Trumps Kernanhängerschaft reicht nicht für Wahlsiege. Aber es sind dennoch
       zu viele, um auf sie zu verzichten. Die Frage bleibt, wie die
       republikanische Partei damit umgeht. Ist MAGA ohne Trump möglich?
       
       Für einen solchen Weg stehen derzeit insbesondere die inzwischen aus dem
       Kongress ausgeschiedene frühere Abgeordnete und QAnon-Verschwörungsgläubige
       Marjorie Taylor Greene und der frühere Fox-Moderator Tucker Carlson. Für
       beide war, zumindest öffentlich, der Irankrieg der letzte Tropfen, der sie
       von Trump entfremdete, der doch sein „America First“-Mantra auch immer so
       definiert hatte, keine neuen Kriege anzuzetteln. Und zumindest das genießt
       in den kriegsmüden USA tatsächlich inzwischen überparteiliche Zustimmung.
       
       Figuren aus der neokonservativen republikanischen Vergangenheit, wie etwa
       Ari Fleischer, der frühere Nationale Sicherheitsberater von Präsident
       George W. Bush, melden sich jetzt ebenfalls zu Wort: Der Fehler, sagte
       Fleischer nach dem Wahltag, sei nicht der Irankrieg an sich gewesen,
       sondern der Waffenstillstand, ohne etwas erreicht zu haben.
       Unwahrscheinlich, dass solche Positionen in der Republikanischen Partei
       eine große Rolle spielen werden.
       
       Die eigentliche Regierungspolitik, so steht zu vermuten, werden bis zum
       Ende von Trumps Präsidentschaft die strategischen Strippenzieher bestimmen,
       denen daran gelegen ist, auch die noch fehlende zweite Hälfte des Project
       2025 umzusetzen. Leute wie Vizestabschef Stephen Miller oder Project-Autor
       Russ Vought, heute Chef des einflussreichen Office of Management in Budget.
       Solche Leute loszuwerden, dürfte der Partei langfristig noch schwerer
       fallen als ein freundlicher Abschied von Donald Trump.
       
       5 Nov 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://x.com/JDVance/status/2118004988433641835
 (DIR) [2] https://massie.house.gov/news/documentsingle.aspx?DocumentID=395853
 (DIR) [3] https://thehill.com/homenews/senate/6199210-cornyn-gop-election-cycle/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Fabian Schroer
 (DIR) Bernd Pickert
       
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