# taz.de -- Nahost-Konflikt bei Bremer Grünen: Nicht auf Parteilinie
> Spitzenkandidatin und Landessprecher der Grünen Jugend Bremen treten
> zurück. Grund sind Anträge, in denen sie Israel das Existenzrecht
> absprechen.
(IMG) Bild: Riesenthema auch in Bremen: Gazakrieg
Am Mittwoch hat die Spitzenkandidatin der Grünen Jugend in Bremen ihre
Kandidatur zurückgezogen, am Donnerstag ist der Landessprecher des
Jugendverbandes zurückgetreten. Grund sind zwei Anträge, in denen das
Existenzrecht Israels infrage gestellt wurde. Die Mutterpartei hatte sich
von beiden mittlerweile wieder zurückgezogenen Anträgen distanziert und
angekündigt, das Verhältnis zur Grünen Jugend insgesamt auf den Prüfstand
zu stellen.
Konkret geht es um zwei parallel laufende Fälle innerhalb der Grünen
Jugend. Lenny Deutschmann hatte einen Antrag für die
Landesmitgliederversammlung der Grünen Jugend mit dem Titel „Klares
Bekenntnis für ein freies Palästina“ eingereicht. In diesem bezeichnet er
Zionismus als „koloniales Projekt“ und stellt das Existenzrecht Israels
infrage.
Sowohl innerhalb der Mutterpartei als auch in der Grünen Jugend wurde der
Antrag kritisiert. Deutschmann zog ihn daraufhin zurück. Nichtsdestotrotz
wurde er im Anschluss zum Sprecher der Grünen Jugend gewählt. Es gab keine
Gegenkandidat*innen.
Deutschmann bezeichnet seinen Antrag gegenüber der taz als
„undifferenziert“. Die dort aufgestellten Positionen spiegelten nicht die
Positionen der Grünen Jugend wider und seien rückblickend ein Fehler
gewesen. Er trat am Donnerstagabend von seiner Funktion als Landessprecher
der Grünen Jugend zurück.
## Politischen Zwang kritisiert
Am 21. November stellen die Grünen ihre Liste für die kommende
Bürgerschaftswahl auf. Die Listenplätze 6 und 15 sind dabei U30-Plätze, die
bisher an ein Votum der Grünen Jugend gebunden waren.
Hannah Wellm war bis Mittwoch noch Spitzenkandidatin der Grünen Jugend und
hätte gute Chancen auf den Listenplatz 6 gehabt. Für den Programmparteitag
reichte sie einen Antrag ein, in dem von einem „politischen und
gesellschaftlichen Zwang, sich zum Existenzrecht Israels zu bekennen“ die
Rede ist und sowohl eine Zweistaatenlösung als auch das Existenzrecht
Israels infrage gestellt wurden.
Der taz sagt Wellm, ihr Antrag sei der Tragweite des Themas nicht gerecht
geworden. Sie betont, wie wichtig sie es finde, auch innerhalb der Grünen
linke und kritische Stimmen zu haben. Ihr Antrag sei jedoch inhaltlich
verkürzt gewesen. Es gehe ihr immer darum, eine friedliche Lösung für alle
Menschen zu finden – explizit auch für Juden*Jüdinnen. Am Mittwochabend gab
Wellm bekannt, ihre Kandidatur zurückzuziehen.
Auf dem Parteitag vergangenen Jahres hatte es erstmals [1][ausführliche
Debatten über den Nahostkonflikt] gegeben. Anfang des laufenden Jahres
veröffentlichten die Grünen ein Positionspapier, indem sie eine
[2][Zweistaatenlösung] sowie eine Achtung des Völkerrechts und des
Selbstbestimmungsrechts der Palästinenser*innen fordern.
Gegenüber der taz betont Landesvorstandssprecherin Josephine Assmus, diese
parteiinternen Debatten seien stets konstruktiv und mit breiter Kritik an
Netanjahu verlaufen. Die Einseitigkeit der Positionen innerhalb des
Jugendverbands könne sie nur schwer verstehen. Es gebe nicht die Absicht,
die Zusammenarbeit mit der Grünen Jugend zu beenden. Zugleich seien die
Positionen von Deutschmann und Wellm für die Partei jedoch nicht tragbar.
Zudem sei das Vertrauen darin erschüttert, wie Verantwortung innerhalb der
Grünen Jugend vergeben wird. Wie genau eine Zusammenarbeit mit der Grünen
Jugend aussehen könne, wolle man nun prüfen. Einen konkreten
Änderungsvorschlag hat der Landesvorstand bereits gemacht: Die Bindung an
das Votum der Grünen Jugend beim 6. und 15. Listenplatz soll gelöst werden.
Auch zum Parteitag der niedersächsischen Grünen wurde ein Antrag mit dem
Titel „Den [3][Genozid in Gaza] anerkennen“ eingereicht.
Vertreter*innen der jüdischen Gemeinden hatten den Antrag im Vorfeld
kritisiert.
Der Zeitpunkt dürfte nicht zufällig gewählt sein: Die rot-grüne
Landesregierung hat angekündigt, ihre wirtschaftliche und technologische
[4][Zusammenarbeit mit Israel] weiter auszubauen: Ein Pilotprojekt soll
niedersächsische Unternehmen, Start-ups und Forschungseinrichtungen mit
israelischen Partner*innen zusammenbringen.
5 Nov 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.google.com/goto?url=CAESdgHEIkXXbPz7yhgNDw75tz9Q_zWIEB7FV9qwW2Zdx1bu-xcLb_PN5X452Nngv7rshcBYQF-pBVJrbtY_o_rE2ENScDwcVYYgSBDEKtjPJgy0F9f_4-wAO7EnofaWOFCm6JN8c37C-JaLP3cLKR500tITuh58mq0
(DIR) [2] /Anerkennung-eines-Staates-Palaestina/!6112476
(DIR) [3] /Linke-Abgeordnete-aus-Neukoelln/!6223015
(DIR) [4] /Verkauf-des-VW-Werkes-Osnabrueck/!6210855
## AUTOREN
(DIR) Amanda Böhm
## TAGS
(DIR) Nahost-Debatten
(DIR) Grüne Niedersachsen
(DIR) Grüne Bremen
(DIR) Grüne Jugend
(DIR) Schwerpunkt Nahost-Konflikt
(DIR) Wahlkampf
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Linksfraktion in Berlin: Vanessa Emde provoziert weiter
Die umstrittene Linkspartei-Abgeordnete kommt zur Fraktionssitzung in
Begleitung von Hannah Bruns, gegen die ein Parteiausschlussverfahren läuft.
(DIR) „Ulm 5“ vor Gericht: „Es wirkt wie ein Schauprozess“
Propalästina-Aktivisten haben in einem israelischen Rüstungsunternehmen
randaliert. Linke-Politikerin Nicole Gohlke findet die Vorwürfe absurd.
(DIR) Bundeskongress der Grünen Jugend: Höflicher Applaus für die Mutterpartei
Bei den Grünen und ihrem Jugendverband knallt es oft. Aber beim 60.
Bundestreffen bleibt großer Streit aus. Das freut auch den Grünen-Chef
Banaszak.