# taz.de -- Belastung durch Chemikalien: Deutsche Umwelthilfe verklagt Shein
> Die Umweltorganisation geht gerichtlich gegen den Onlinehändler Shein
> vor. EU-Grenzwerte für Chemikalien seien teils massiv überschritten
> worden.
(IMG) Bild: Möglicherweise oberhalb der EU-Grenzwerte: die Chemikalienbelastung in Shein-Kleidung
dpa | Die [1][Deutsche Umwelthilfe (DUH)] klagt gegen den Onlinehändler
Shein. Das teilte die Organisation in einer Pressekonferenz mit.
Konkret gehe es in der Klage beim Landgericht Berlin II um Chemikalien, die
in auf der Plattform verkaufter Kleidung vorkommen. Teilweise seien bei der
Belastung EU-Grenzwerte überschritten worden. Das geht aus Untersuchungen
des Bremer Umweltinstituts im Auftrag der DUH hervor.
Shein habe die entsprechenden Produkte zwar aus dem Sortiment genommen –
das geht der DUH jedoch nicht weit genug. Sie fordert: Der Onlinehändler
soll eine Unterlassungserklärung unterzeichnen. So sollen Verbraucher auch
künftig geschützt werden. Shein bezeichnete die Forderungen als „überzogen
und unverhältnismäßig“.
Insgesamt verstießen von 18 untersuchten Produkten 7 gegen EU-Grenzwerte.
So wurde in einer für Teenager angebotenen Jacke ein Grenzwert für eine
Chemikalie aus der PFAS-Gruppe um mehr als das 12.000-Fache überschritten.
[2][PFAS] steht für per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen. Diese Stoffe
werden eingesetzt, um unter anderem Kleidung wasser-, fett- und
schmutzabweisend zu machen. Manche PFAS (auch Ewigkeitschemikalien genannt)
können laut Umweltbundesamt Effekte auf Stoffwechsel, Hormonhaushalt und
Immunsystem haben, manche stehen im Verdacht, krebserregend zu sein.
## Massive Überschreitungen von Grenzwerten
In einem Paar Stiefel wiederum wurde eine Konzentration von 179.000
Milligramm pro Kilogramm des [3][Weichmachers] DEHP gefunden. Erlaubt wären
allenfalls Werte von unter 1.000 Milligramm. Sogenannte Phthalate – dazu
gehört DEHP – haben hormonähnliche Eigenschaften und können die
Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen.
Die DUH habe Shein seit Dezember sechsmal abgemahnt. „Wegen Greenwashing,
wegen fehlender Energielabel, wegen irreführender Werbung und eben wegen
verbotener Chemikalien in den Textilien“, so Barbara Metz,
Bundesgeschäftsführerin der DUH. Damit komme man jedoch nicht weiter.
„Shein ist der Inbegriff von Ultra-Fast-Fashion. Bis zu 11.000 neue Designs
kommen täglich auf den Markt. Kleidung, die möglichst billig produziert,
schnell verkauft und gleich wieder durch eine nächste Kollektion ersetzt
werden soll. Shein erreicht monatlich rund 155 Millionen Menschen in der
EU.“ Dieses Geschäftsmodell bringe staatliche Kontrollen an ihre Grenzen.
„Chemikalientests können bei diesen Mengen praktisch nicht stattfinden.“
Rechtsanwältin Karoline Borwieck sagte: „Mit unserer Klage beantragen wir,
dass Shein es zu unterlassen hat, Kleidung anzubieten, deren PFAS-Gehalt
die REACH-Grenzwerte überschreitet. Dasselbe soll für Schuhe gelten, deren
weichmacherhaltiges Material den Grenzwert für DEHP überschreitet.“ Das
Verbot solle nicht nur getestete Artikel, sondern auch gleichartige
Verstöße umfassen. „Für jeden künftigen Verstoß beantragen wir dann ein
Ordnungsgeld bis zu einer Höhe von 250.000 Euro.“
Shein teilte mit, das Unternehmen habe umfassend auf die Bedenken der DUH
reagiert. „Im Fall von PFAS etwa haben wir unseren gesamten deutschen
Produktkatalog überprüft, die Anforderungen an Verkäufer für PFAS-Tests
verschärft und das automatisierte Screening über alle Marketplace-Sprachen
hinweg ausgebaut.“
## EU-Gesetz soll gegen Wegwerf-Kleidung vorgehen
Die Umwelthilfe wünscht sich generell ein stärkeres Vorgehen gegen Fast
Fashion, also gegen sehr günstige Mode mit extrem schnell wechselnden
Kollektionen. Bei der anstehenden Reform des Textilgesetzes sollten
Umweltkriterien eine Rolle spielen. Nach den bisher bekannten Plänen von
[4][Umweltminister Carsten Schneider (SPD)] sollen Hersteller künftig bei
der Sammlung und Verwertung von Alttextilien in die Pflicht genommen
werden.
Metz von der DUH fordert mehr: „Wir müssen dafür sorgen, dass diese
gigantischen Mengen gar nicht erst produziert werden.“
4 Nov 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Gruenes-Fluessiggas-in-Wilhelmshaven/!6226627
(DIR) [2] /Gefaehrliche-Ewigkeitschemikalien/!6193708
(DIR) [3] /Daenemark-verbietet-Weichmacher/!5085575
(DIR) [4] /Der-Klimaschmutzminister/!6196788
## TAGS
(DIR) Fast Fashion
(DIR) Deutsche Umwelthilfe
(DIR) Chemikalien
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Arbeitskämpfe in Bangladesch: Textilarbeiter fordern existenzsichernden Mindestlohn
Seit dem Wochenende demonstrieren Textilarbeiter:innen in Bangladesch
für höhere Löhne. Die Regierung hat Mühe, die Lage zu beruhigen.
(DIR) Börsengang von Shein: Der schöne Schein in der Altkleidertonne
Anfangs wuchs der chinesische Online-Modehändler Shein explosiv. Inzwischen
zeigen sich die Schwächen des Geschäftsmodells – und die Folgen.
(DIR) DUH warnt vor Kleidung von Shein: „Ein bunter Cocktail an Chemikalien“
Produkte von Online-Billighändlern halten Sicherheitsbestimmungen nicht
immer ein. Das zeigt auch ein aktueller Test von Shein-Klamotten.