# taz.de -- Börsengang von Shein: Der schöne Schein in der Altkleidertonne
       
       > Anfangs wuchs der chinesische Online-Modehändler Shein explosiv.
       > Inzwischen zeigen sich die Schwächen des Geschäftsmodells – und die
       > Folgen.
       
 (IMG) Bild: Näher:innen in einer Fabrik in der Hafenstadt Guangzhou im Juli. Shein sitzt in Singapur, produziert aber vor allem in China
       
       Am Dienstag soll die Hongkonger Börse den größten Börsengang des Jahres
       erleben. Nach erfolglosen Versuchen in London und New York wird der
       Textilhändler Shein seine Aktien nun in China anbieten. Laut von der
       Nachrichtenagentur Reuters zitierten Brancheninsidern will das Unternehmen
       damit 1,7 Milliarden Euro einnehmen.
       
       Der Börsengang kommt zu einem Zeitpunkt, an dem das Unternehmen nach Jahren
       des Wachstums schwächelt. Aktuell schätzen Banken, Finanzanalysten und
       Investoren den Wert von Shein laut Reuters auf rund 26,5 Milliarden Euro –
       vor vier Jahren waren es noch fast 100 Milliarden Euro. Lag der Nettogewinn
       2025 noch bei 2,1 Milliarden Euro, rutschte Shein Anfang des Jahres in die
       roten Zahlen.
       
       Das Regensburger Institut für E-Commerce-Forschung Ibi Research begründet
       den zunächst steilen Aufstieg des Unternehmens maßgeblich mit seinen
       „vollständig digitalen, agilen und skalierbaren Lieferketten sowie durch
       die Nutzung von Data-Mining-Techniken zur Trendermittlung in sozialen
       Netzwerken“. Damit präge Shein maßgeblich die Begriffe Ultra-Fast Fashion
       und Real-Time Fashion. Das bedeutet, dass neue Waren in extrem hoher
       Frequenz auf den Markt gelangen. Dabei war das Unternehmen, das seinen
       Hauptsitz heute in Singapur hat und vorrangig in China produziert, vor
       allem auf den Weltmarkt jenseits von China ausgerichtet.
       
       Doch inzwischen haben die wichtigen Märkte EU und USA begonnen, sich gegen
       die Paketflut aus China abzuschotten. Die USA besteuern Päckchen aus China
       schon seit 2025. Die EU erhebt seit diesem Sommer eine Paketabgabe von 3
       Euro pro Warengruppe pro Paket, was Hosen für 13 Euro oder Blusen für 11
       Euro verteuert. Zudem untersucht die EU-Kommission seit Februar, ob Shein
       mit seinem Handelsgebaren gegen die Digitalrichtlinie DSA verstößt.
       
       ## „Die Maßnahmen der EU wirken“
       
       „Der massive Rückgang in Sheins Bewertung zeigt: Das Geschäftsmodell hat
       keine Zukunft, die Maßnahmen der EU wirken“, sagt Moritz Jäger-Roschko,
       Campaigner für Kreislaufwirtschaft bei der Umweltorganisation Greenpeace.
       Shein stehe wie kein anderer Konzern für die Eskalation von Fast Fashion,
       so Jäger-Roschko, es verschwende unglaubliche Mengen an Ressourcen,
       überflute die Welt mit Textilabfällen und verursache gewaltige
       CO₂-Emissionen.
       
       [1][Erst vergangene Woche hatten die deutschen Altkleidersammler Alarm
       geschlagen.] Immer mehr Waren landen in den Altkleidertonnen, zwischen 2018
       und 2023 ist das Aufkommen um 50.000 Tonnen auf rund 1,3 Millionen Tonnen
       gestiegen. „Die steigenden Sammelmengen spiegeln einen höheren Textilkonsum
       und immer kürzere Nutzungszyklen wider“, so der Recyclingverband bvse.
       
       Das zeigt sich auch in den Verwertungswegen der alten Klamotten: Laut dem
       Verband sank der Anteil der Wiederverwendung zwischen 2018 und 2023 von 62
       auf 44 Prozent, die thermische Verwertung stieg von 12 auf 21 Prozent. Das
       heißt: Mehr als jedes fünfte Kleidungsstück wird inzwischen verbrannt.
       
       ## Anti-Fast-Fashion-Gesetz nach französischem Vorbild
       
       Greenpeace-Kampaigner Jäger-Roschko fordert, die Bundesregierung solle noch
       konsequenter gegen Fast Fashion vorgehen und ein Anti-Fast-Fashion-Gesetz
       nach französischem Vorbild beschließen. In Frankreich drohen ab Anfang
       Januar Geldstrafen für Unternehmen, die extrem schnell sehr viele Waren auf
       den Markt bringen und keine Anreize zur Reparatur bieten. Außerdem dürfen
       sie nicht mehr für sich werben.
       
       Auch wenn die chinesischen Anbieter Shein, Temu und Alibaba nicht konkret
       genannt wurden, galten sie in den Debatten über das Gesetz in Frankreich
       als Ziel der Regulierung. In Deutschland ist ein solches Gesetz derzeit
       nicht geplant, wohl aber arbeitet das Bundesumweltministerium an einem
       Gesetz zu einer erweiterten Herstellerverantwortung. Das soll die
       Unternehmen dazu verpflichten, Verantwortung für ihre Produkte über den
       Verkauf hinaus zu übernehmen. [2][Eckpunkte für das Gesetz hatte das
       Ministerium im Frühjahr vorgestellt, bis Ende des Jahres soll es
       vorliegen.]
       
       30 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.bvse.de/gut-informiert-textil-recycling/studie-2026.html
 (DIR) [2] /Kampf-gegen-Fast-Fashion/!6166486
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Heike Holdinghausen
       
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