# taz.de -- Neonazi-Gruppe „Terror 18“: Jung, radikal, aggressiv
       
       > Ein Mitglied der Jungnazi-Gruppe „Terror 18“ wurde unter
       > Anschlagsverdacht festgenommen. Auch andere drohten mit Gewalt – etwa in
       > Schwerin. Wer hinter der Vereinigung steckt.
       
 (IMG) Bild: Propaganda-Bilder der Gruppe, u.a. mit starker Anlehnung an die rechtsterroristische Organisation „Combat 18“
       
       Dwayne S. fiel schon früh mit Gewaltdrohungen auf. Er gehe „Antifa jagen“,
       postete der Jugendliche aus einem Dorf bei Schwerin auf Social Media. Oder
       dass er nach Linken Ausschau halte, „zum zusammenschlagen“. Zugleich bewarb
       er die lokalen rechtsextremen Gruppen Division Schwerin und Sturm Nord.
       Dann soll Dwayne S. Anfang September des Jahres selbst eine Gruppe
       mitgegründet haben, in einem geschlossenen Whatsapp-Kanal: Terror 18.
       
       Die Gruppe steht nun im Fokus der Ermittlungsbehörden. Mit „Hochdruck“
       werde zu ihnen ermittelt, mit extra zusammengezogenem Personal, teilten die
       zuständigen Staatsanwaltschaften Flensburg und Lüneburg mit. Denn bei
       Terror 18 sollte offenbar auch zur Tat geschritten werden. Am Freitag wurde
       ein mutmaßliches Mitglied, der 15-jährige Marcello P., in Wahlstedt in
       Schleswig-Holstein [1][mit einem Benzinkanister von Antifaschisten gestoppt
       und dann von der Polizei festgenommen]. Er soll zuvor in der Chatgruppe
       einen Anschlag auf eine nahegelegene Asylunterkunft angekündigt haben.
       
       Seitdem sitzt Marcello P. in U-Haft. Auch ein zweiter Beschuldigter, Fabian
       W. aus dem niedersächsischen Winsen, 19 Jahre alt, wurde durchsucht, auch
       sein Handy beschlagnahmt. Er soll mit zu der Tat angestachelt haben. So ist
       es in Chats der „Terror 18“-Gruppe nachzulesen, [2][welche die
       Antifa-Recherchegruppe Exif offengelegt hat:] „Lass mal was anzünden (…)
       dann verbrennen die alle und das ist sogar viel besser, dann müssen wir sie
       nicht schlagen.“ Es müsse „wenigstens einen toten K*naken geben“. Fabian
       W. soll gedroht haben: „Denen schneiden wir den Hals durch.“ Zuvor soll W.
       in der Gruppe auch ein Video eines Steinwurfs auf eine Fensterscheibe einer
       Geflüchtetenunterkunft in Winsen gepostet haben.
       
       Die Staatsanwaltschaften Flensburg und Lüneburg erklärten, der Fokus liege
       nun auf der Auswertung der beschlagnahmten Handys der beiden Beschuldigten.
       Und eine Frage ist, ob es nicht weitere Beschuldigte in diesem Verfahren
       geben müsste. Denn nicht nur Marcello P. und Fabian W. drohten zuletzt mit
       Gewalt.
       
       ## „Pedo Hunting“
       
       Auch Gruppengründer Dawyne S. stachelte dazu an – wie seine Postings gegen
       Linke zeigen. In weiteren Chats, die der taz vorliegen, schlug er konkret
       vor, ein alternatives Wohnprojekt in Schwerin „anzuzünden“. In einem
       anderen Posting zeigte er das Bild eines Wohnhauses – zusammen mit dem
       Verweis, dort lebe „das nächste linke Opfer“, das demnächst „Besuch zu
       Hause empfangen“ werde. Beide Pläne realisierten sich am Ende nicht.
       
       Zudem beteiligte sich Dawnye S. an Chats zum sogenannten Pedo Hunting, dem
       Auflauern eines vermeintlichen Pädophilen. Fotos zeigen Dawyne S. zudem auf
       einem Anti-CSD-Aufmarsch im Mai in Parchim in Mecklenburg-Vorpommern.
       
       Einige Monate später soll er Terror 18 gegründet haben. Auf Scoial Media
       Plattformen bewarb Dawyne S. die Gruppe teils mit Darstellung eines
       Sturmgewehrs oder SS-Totenkopf. Auf einem Bild posiert S. vor einem „Terror
       18“-Schriftzug an einer Wand. Auch für eine Demonstration der Gruppe „gegen
       Linksextremismus“ warb S. bereits. Die sollte indes erst im April 2027 in
       Frankfurt/Oder stattfinden.
       
       Die interne „Terror 18“-Gruppe soll laut Exif 43 Mitglieder gehabt haben,
       viele von ihnen noch sehr jung und nur virtuell miteinander in Kontakt.
       Neben Anführer Dwayne S. seien dort auch „Regionalleiter“ für mehrere
       Bundesländer benannt worden, zudem habe es Untergruppen wie Demoorga,
       Eingliederungsgruppe oder Saufgruppe gegeben. Die Regionalgruppen pflegten
       teils eigene Accounts – die bisher aber nicht frequentiert waren. Laut Exif
       gab es in der Hauptgruppe teils mehr als 1.000 Beiträge am Tag. Dabei seien
       auch Hitler-Bilder geteilt oder Schnürsenkelfarben für Springerstiefel
       diskutiert worden.
       
       ## Der Tag wird kommen
       
       Bemerkenswert ist ein weiteres mutmaßliches Mitglied: der Schweriner Amon
       G., dessen Großvater NPD-Stadtrat in der Schweriner Stadtvertretung gewesen
       war. Amon G. scheint auch persönlichen Kontakt mit Dawyne S. zu haben, war
       ebenfalls beim Anti-CSD-Aufmarsch in Parchim. Und auch er droht online mit
       Gewalt. „Der Tag wird kommen an den ich euch in die fresse schlage.“ (sic)
       Mit Bezug auf Israel ätzte er über „Drecksj…“.
       
       Amon G. suchte auch die Nähe zur AfD. Fotos zeigen ihn im AfD-Shirt bei
       einer Kundgebung der Landespartei am 16. August dieses Jahres in Schwerin –
       und auch beim AfD-Wahlkampfabschluss in Mecklenburg-Vorpommern einen Monat
       später mit Ulrich Siegmund. Auch bei einem [3][Aufmarsch der AfD-Jugend
       Anfang August in Schwerin] wurde er abgelichtet. Die AfD ließ eine
       taz-Anfrage zu Amon G. unbeantwortet. Der mutmaßliche „Terror 18“-Chef
       Dawyne S. dagegen postete online, die AfD werde vieles ändern – was es aber
       brauche, wäre eine NSDAP.
       
       Bei Mitglied Marcello P., der mit dem Benzinkanister loszog, berichtet die
       Lokalpresse von psychischen Problemen. Der 15-Jährige sei bei Pflegeeltern
       aufgewachsen, gelte als bindungsgestört und manipulierbar. Die
       Staatsanwaltschaft Kiel bestätigte der taz, dass er auch früher schon
       Straftaten begangen habe, wollte dies wegen des jungen Alters aber nicht
       weiter ausführen.
       
       Auch bei Fabian W. soll eine seelische Schwerbehinderung festgestellt
       worden sein, er müsse täglich Medikamente nehmen. Auch er fiel bereits mit
       Straftaten auf, wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Lüneburg der taz
       sagte. Diese seien aber „geringfügig“ gewesen und nicht politisch – die
       Verfahren eingestellt worden.
       
       Nach taz-Informationen hat die Bundesanwaltschaft das Verfahren im Blick –
       ob sie es übernimmt, ist offen. Bei einer ähnlichen Gruppe war dies zuletzt
       der Fall: [4][der Letzten Verteidigungswelle (LVW)]. Auch diese Gruppe war
       jung und radikal – und schritt zur Tat. In Brandenburg zündete sie ein
       Kulturhaus an, in Thüringen attackierte sie eine Geflüchtetenunterkunft.
       Die Bundesanwaltschaft wertete das als Terror, ließ Festnahmen folgen. Das
       Oberlandesgericht Hamburg [5][verhängte gegen acht Beschuldigte
       Jugendstrafen bis zu fünf Jahren Haft].
       
       ## Gruppe wurde zunächst nicht von Sicherheitsbehörden gestoppt
       
       Einigen Anhängern von Terror 18 schien die LVW offenbar als Vorbild. Dawyne
       S. behauptete gar in einem Posting, er sei früher selbst Teil der Gruppe
       gewesen. Zwischenzeitlich warb er für einen LVW-Ableger: „Kommt zur lvw,
       wir brauchen die stabilsten.“ Das war offenbar nicht von Erfolg gekrönt. So
       folgte Terror 18.
       
       Und die Gruppe wurde zunächst nicht von Sicherheitsbehörden gestoppt. Eine
       Sprecherin der Staatsanwaltschaft Lüneburg sagte der taz, es sei ein
       Journalist gewesen, der am vergangenen Mittwochabend die niedersächsische
       Polizei über Chatausschnitte informiert habe. Der NDR-Journalist war
       offenbar von Exif in die Chats eingeweiht worden. Nach taz-Informationen
       soll aber auch das Bundesamt für Verfassungsschutz in der „Terror18“-Gruppe
       mitgelesen haben – und am Donnerstag die Polizei gewarnt haben. Auch das
       Bundeskriminalamt soll schon im Oktober von der Gruppe gewusst haben.
       
       Am Donnerstag gelang es den Behörden dann, Marcello P. und Fabian W. zu
       identifizieren. Die Polizei suchte sie am Abend auf. Weil sich keine
       Tatmittel fanden, wurden nur die Handys beschlagnahmt, so die
       Staatsanwaltschaften Lüneburg und Flensburg. Die beiden Jugendlichen
       blieben vorerst auf freiem Fuß. Einen Tag später zog Marcello P. mit dem
       Benzinkanister los – und wurde von Antifaschist*innen gestoppt.
       
       Die Festnahme ihres Mitstreiters scheinen in der Jungnazi-Gruppe nicht alle
       zum Innehalten zu bewegen. Der Schweriner und AfD-Sympathisant Amon G.
       postete danach auf seinem Onlineprofil einen Aufruf „Free M“, offenbar für
       Marcello P. Und an anderer Stelle den Slogan: „Macht und Ehre T18!“
       
       5 Nov 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Nur-die-Antifa-verhindert-Terror/!6226695
 (DIR) [2] https://exif-recherche.org/?p=14353
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 (DIR) [4] /Terrorprozess-gegen-Jungnazis/!6158717
 (DIR) [5] /Urteil-gegen-junge-Nazigruppe/!6201845
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Konrad Litschko
 (DIR) Andreas Speit
       
       ## TAGS
       
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