# taz.de -- Ein Jahr Berliner „Baumgesetz“: Mehr Beinfreiheit fürs Baumgesetz
       
       > Die Senatsumweltverwaltung sieht die Umsetzung des
       > Klimaanpassungsgesetzes nach einem Jahr auf einem guten Weg – findet die
       > Regeln aber insgesamt zu starr.
       
 (IMG) Bild: Kühlleistung: unzureichend? Bäume brauchen lang, um gegen Hitze zu helfen, sagt Umweltstaatssekretär Andreas Kraus (CDU)
       
       An diesem Dienstag [1][ist es genau ein Jahr her], dass das
       Abgeordnetenhaus mit breiter Mehrheit das Berliner Klimaanpassungsgesetz
       beschloss – im Volksmund als „Baumgesetz“ bekannt. Es war das erste Mal in
       der Berliner Geschichte, dass das Parlament dem nur unwesentlich
       veränderten Gesetzentwurf einer zivilgesellschaftlichen Initiative
       zustimmte: Der „BaumEntscheid“ hatte ihn erarbeitet und ein Volksbegehren
       dazu eingeleitet. Nach anfänglicher Ablehnung, vor allem aus Kostengründen,
       [2][lenkte der schwarz-rote Senat ein] und empfahl seinen Fraktionen die
       Zustimmung.
       
       Seitdem hat die Initiative das Agieren der Landesregierung wiederholt
       kritisiert, zum Teil recht harsch: [3][Viel zu langsam gehe es voran mit
       der Implementierung des Gesetzes], das die Zahl der Berliner Straßenbäume
       bis 2040 auf rund eine Million verdoppeln und in besonders hitzebetroffenen
       Quartieren sogenannte Kühlinseln schaffen soll. Im August beklagte der
       „BaumEntscheid“, der Senat habe mit seinem Straßenbaum-Zustandsbericht 2025
       eine Trendwende „erfunden“.
       
       Die Senatsumweltverwaltung hat einen deutlich positiveren Blick auf den
       Stand der Dinge, räumt aber auch Schwierigkeiten bei der fristgerechten
       Umsetzung ein. Umwelt-Staatssektretär Andreas Kraus (CDU) sagte am Montag,
       das Gesetz sei in vielerlei Hinsicht zu starr formuliert. Sein Haus halte
       darum eine Novelle für angebracht, um die angestrebten Erleichterungen für
       von Hitze betroffene BürgerInnen zielgerecht voranzubringen.
       
       ## „Bäume sind kein Allheilmittel“
       
       „Bäume sind kein Allheilmittel“ in Sachen Klimaanpassung, so Kraus, der im
       Übrigen die Ziele des Gesetzes und die Dringlichkeit von Maßnahmen klar
       unterstützte. Die Kühlleistung neu gepflanzter Bäume entfalte erst nach
       vielen Jahren ihre volle Wirkung. Deshalb sei es unter anderem wichtig,
       etwa die Anlage grüner Dächer und Fassaden stärker zu fördern.
       
       Gleichzeitig seien zu genaue Vorgaben nicht immer hilfreich – etwa die
       Vorgabe im Gesetz, dass alle 15 Meter ein Straßenbaum zu stehen habe. Das
       kollidiere oft mit der Realität im Berliner „Untergrund“: Die vielfältigen
       im Boden verlegten Leitungen, die bislang noch nicht einmal komplett
       zentral erfasst seien, machten dies im Einzelfall oft nicht umsetzbar. „Im
       Prinzip werden wir einmal die ganze Stadt umgraben müssen“, so Kraus. Er
       formulierte auch Kritik an „zu starren Fristen“, die von der Verwaltung
       schwer einzuhalten seien.
       
       Das Gesetz brauche „mehr Freiheit und Experimentierklauseln“, formulierte
       der Staatssekretär, der sich eine Abkehr vom „Zahlenfetischismus“ wünscht.
       Ob am Ende eine Million oder nur 750.000 Bäume gepflanzt würden, sei
       weniger entscheidend als die Tatsache, ob für die Bevölkerung tatsächlich
       mehr Schutz vor extremen Wetterlagen geschaffen werde. Das könne auch durch
       kühle Zufluchtsorte oder technische Lösungen wie Verdunstungsanlagen
       gewährleistet werden, die in anderen Metropolen schon zum Einsatz kämen.
       
       ## Aufbaustab im Aufbau
       
       Nachdem im August der sogenannte Steuerungskreis für die Umsetzungsplanung
       des Gesetzes einberufen wurde, in dem neben PolitikerInnen und
       WissenschaftlerInnen auch BaumEntscheid-Initiator Heinrich Strößenreuther
       sitzt, treibt der Senat laut Kraus nun den ressortübergreifenden
       „Aufbaustab“ voran. Zu dessen Aufgaben werde auch die Kommunikation mit der
       Stadtgesellschaft gehören – etwa durch Informationen darüber, dass sich
       künftig jedeR durch Baumpflanzungen und andere Leistungen selbst an der
       Verwirklichung der Gesetzesziele beteiligen kann.
       
       Um die unterschiedlichen Akteure in der Stadt zu vernetzen und gemeinsam
       über Lösungen zu sprechen, veranstaltet die Senatsverwaltung am Donnerstag
       einen [4][„Klimaanpassungs-Kongress“ auf dem Schöneberger EUREF-Campus],
       der „rund 200 Fachleute aus Wissenschaft, Wirtschaft, Verbänden,
       Zivilgesellschaft, Bezirken und Verwaltung zusammenbringen“ soll. Auch
       internationale Gäste sind eingeladen, um etwa die Erfahrung der Städte
       Vilnius und Mailand mit Maßnahmen der Klimaanpassung vorzustellen.
       
       2 Nov 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Gesetz-zu-mehr-Gruen-in-Berlin/!6126164
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 (DIR) [3] /Berliner-Baumentscheid/!6180271
 (DIR) [4] https://www.berlin.de/land/kalender/index.php?detail=296039
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Claudius Prößer
       
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