# taz.de -- Kehrtwende beim Elterngeld: Prien nimmt Väter in die Pflicht
       
       > Bundesfamilienministerin Karin Prien will mehr Partnerschaftlichkeit bei
       > jungen Eltern. Dafür wagt sie etwas.
       
 (IMG) Bild: Die meisten Paare, die in Deutschland Elterngeld beziehen, widmen sich zumindest zeitweise gemeinsam ganz der Kindererziehung
       
       Beim Elterngeld setzt Karin Prien noch mal neu an. Laut einem Entwurf des
       Bundesfamilienministeriums von vergangener Woche soll dieses erhöht werden
       – erstmals seit seiner Einführung im Jahr 2007. Zugleich soll die
       Bezugsdauer des Elterngeldes nun doch bei 14 Monaten bleiben. Indem sie die
       Aufteilung ändert, nimmt die Familienministerin zugleich die Väter in die
       Pflicht – und könnte damit echten gesellschaftlichen Wandel anstoßen.
       
       Der neue Entwurf sieht [1][das 4-6-4 Modell vor]: Auf beide Elternteile
       entfallen je vier Monate bei 80 Prozent des Nettolohns, die restlichen
       sechs Monate sind bei einer Lohnersatzquote von 50 Prozent frei aufteilbar.
       Für den vollen Bezug müssen beide Eltern statt zwei Monate künftig vier
       Monate Elternzeit nehmen.
       
       Insbesondere Vätern sollte das entgegenkommen – seit Jahren belegen
       Studien, [2][dass sich diese mehr an der Kinderbetreuung beteiligen
       wollen]. Diese Worte, denen in der Vergangenheit selten Taten folgten,
       werden jetzt mit handfesten finanziellen Argumenten untermauert: Wer auf
       Elternzeit verzichtet, hat künftig deutlich mehr zu verlieren.
       
       In puncto Gleichstellung wagt Prien also etwas. Nun muss sie sicherstellen,
       dass dieses Wagnis nicht auf Kosten einkommensarmer Familien geht. Der
       niedrigere Lohnersatz von 50 Prozent über sechs Monate bedeute für arme
       Familien echte Einbußen, warnen Familienverbände bereits jetzt. Eine
       [3][Petition] dazu hat in wenigen Tagen bereits mehr als 200.000
       Unterschriften gesammelt.
       
       Das Argument von Kritiker:innen, dass Väter bisher häufig nur zwei Monate
       Elternzeit in Anspruch nehmen und sich das auch in Zukunft nicht ändern
       werde, sollte man dabei aber nicht ohne Umschweife gelten lassen. Prien hat
       Anreize gesetzt, dass sich Väter künftig doppelt so lange wie zuvor um ihre
       Babys kümmern. Nun können diese zeigen, wie ernst sie es damit meinen.
       
       2 Nov 2026
       
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