# taz.de -- Zugunglück in Spanien: Menschliches Versagen und keine Chance zu bremsen
       
       > Bei einem neuen Zugunglück in Spanien kommen mindestens 68 Menschen ums
       > Leben. Die rechtsextreme Vox macht die Katastrophe sofort zum
       > Wahlkampfthema.
       
 (IMG) Bild: Rettungskräfte versorgen am Mittwoch, 28. Oktober 2026, Verletzte nach der Kollision zweier Züge im spanischen Urda
       
       Mindestens 68 Passagiere sind am Mittwochmorgen bei einem [1][Zugunglück in
       Spanien] ums Leben gekommen. Laut dem staatlichen Rundfunk RNE wurden zudem
       mindestens mehr als 100 Menschen zum Teil schwer verletzt.
       
       Um 8.54 Uhr fuhr ein Hochgeschwindigkeitszug der Staatsbahn Renfe 118
       Kilometer südlich von Madrid auf der Strecke von Madrid nach Sevilla auf
       einen anderen Zug des privaten Anbieters Iryo auf. Zwei Waggons wurden
       dadurch aus den Gleisen geschleudert und fielen den Bahndamm hinab.
       
       Der Zugverkehr zwischen Madrid und Sevilla wurde bis auf Weiteres
       eingestellt. Vermutlich wird es Tage dauern, bevor die Strecke wieder
       freigegeben werden kann. Auch wenn sich zuerst einmal Trauer breitmachte,
       ist zu erwarten, dass das Unglück bald schon den Vorwahlkampf für die
       [2][Parlamentswahlen am 29. November] bestimmen wird.
       
       Bei dem Unglück in der Nähe des Ortes Urda in der Provinz Toledo in der
       Region Castilla-La Mancha handelt es sich um den zweiten schweren Unfall
       auf der Strecke von Madrid ins südspanische Andalusien in nur wenigen
       Monaten[3][. Im Januar dieses Jahres sprang weiter im Süden ein
       Hochgeschwindigkeitszug der Iryo aus den Gleisen] und ließ einen
       entgegenkommenden Zug der Renfe entgleisen. Es kam zu 46 Toten und über 150
       Verletzten. Die Unfallursache war damals eine an einer Schweißnaht
       gebrochene Schiene. Die Folge waren schwere Anschuldigungen gegenüber der
       Regierung, die Infrastrukturen vernachlässigt zu haben.
       
       ## Sozialisten und Konservative sagen Wahlkampftermine ab
       
       Es ist wohl eine Mischung aus Informatikproblemen und menschlichem Versagen
       schuld. Nach einer Notabschaltung durch defekte Computer gab die Leitstelle
       in Madrid den Befehl „normal“ loszufahren, anstatt Vorsicht und 40 km/h
       anzumahnen, obwohl der Iryo-Zug 25 Kilometer weiter noch stand. Der
       Lokführer des Hochgeschwindigkeitszuges der Renfe hatte keine Chance
       rechtzeitig zu bremsen.
       
       Verkehrsminister Óscar Puente sprach am Mittwochnachmittag von einer
       „falschen Entscheidung“ des Kontrollzentrums, die unter „für uns
       unerklärlichen Umständen“ getroffen worden sei und zum Zusammenprall
       geführt habe.
       
       „Der Aufprall war extrem heftig“, berichtete Miguel Ángel Pérez Laguna, ein
       Radioredakteur, der sich im Zug der Renfe befand, beim valencianischen
       Regionalsender Capital Radio. Selbst in einem der hinteren Wagons habe er
       den Aufprall so gespürt, als hätte er sich „direkt vor mir“ ereignet. Er
       sah, wie die zwei Iryo-Waggons weggeschleudert wurden. Die beiden Waggons
       wiegen zusammen 100 Tonnen. Insgesamt befanden sich 147 Passagiere im
       Iryo-Zug und 397 in dem von Renfe.
       
       Während die Rettungskräfte – darunter die Notfalleinheit der Armee (UME) –
       vor Ort nach Verletzten und Überlebenden in den Unfallwaggons suchten, ging
       ein Aufruf übers Radio, in Madrid Blut zu spenden. In der Gemeinde Urda
       wurden zwei Hilfszentren für Passagiere und Angehörige eingerichtet, wo sie
       medizinisch versorgt werden und psychologische Hilfe erhalten. Für
       diejenigen, die nicht mit dem Zug reisen können, werden in den großen
       Bahnhöfen entlang der Strecke Alternativen organisiert. Verkehrsminister
       Oscar Puente begab sich unverzüglich in besagtes Kontrollzentrum, um
       „sämtliche verfügbaren Informationen über den Vorfall zu erhalten“.
       
       Spanien befindet sich mitten im Vorwahlkampf für die vorgezogenen
       Parlamentswahlen am 29. November. Die beiden großen Partien, die
       sozialistische PSOE von Ministerpräsident Pedro Sánchez und die
       konservative Partido Popular (PP) von Herausforderer Alberto Núñez Feijóo,
       sagten alle Wahlkampfveranstaltungen ab. Sánchez zeigte sich auf X
       „bestürzt über das schwere Zugunglück in Toledo“. Er sprach den Betroffenen
       und ihren Angehörigen sein Mitgefühl aus. „Das Wichtigste ist es jetzt,
       sich um die Opfer und ihre Angehörigen zu kümmern“, erklärt Feijóo.
       
       Die drittstärkste Kraft im spanischen Parlament, die rechtsextreme Vox, die
       hofft, als Koalitionspartner mit der PP regieren zu können, zeigt weniger
       Pietät. Sie hielt ihre Termine aufrecht. Vox-Chef Santiago Abascal gab gar
       ein Interview in einem Privatfernsehen. Er sprach von einem „Verfall der
       Infrastrukturen und Institutionen in Spanien“. Das sei „völlig
       unerträglich“. Auf X ging er noch einen Schritt weiter und gab seiner „Wut
       angesichts der Vernachlässigung, des Verfalls und des Verrats, unter denen
       die Spanier leiden“, Ausdruck.
       
       28 Oct 2026
       
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