# taz.de -- Missstände im Medizinstudium: Mit Rap-Text gegen Ausbeutung
       
       > An der Charité formiert sich bei einer Aktionswoche der Bundesvertretung
       > der Medizinstudierenden Protest gegen massive Kürzungen durch den Senat.
       
 (IMG) Bild: Der Protest der Medizinstudierenden für eine faire Entlohnung geht weiter (Archivbild 2019)
       
       „Hungerlohn, Burnout“, rappen StudentInnen der Charité in einem selbst
       geschriebenen Remix des Songs „Humble“ von Kendrick Lamar. So beschreiben
       die künftigen Ärztinnen und Ärzte ihren Arbeitsalltag im Praktischen Jahr,
       dem letzten Abschnitt ihres Studiums. Die PJs, wie sie genannt werden,
       protestierten vor dem Hochbettenlager der Charité nahe des Oranienburger
       Tors für eine ausreichende Hochschulfinanzierung durch den Senat und eine
       grundlegende Reform des Medizinstudiums durch Bund und Länder.
       
       Der Protest ist nur eine von mehreren Aktionen in der bundesweiten
       Aktionswoche der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland
       (BVMD). Unter dem Motto: „SOS – Stillstand oder Spitzenmedizin?“ gehen
       deutschlandweit MedizinstudentInnen auf die Straße und fordern, die
       Ärztliche Approbationsordnung zu ändern. Unterstützt werden sie dabei unter
       anderem von der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi.
       
       „Ich bin enttäuscht, dass wir immer noch das Gleiche fordern müssen wie vor
       sieben Jahren“, sagt Alexandra Archodoulakis, Ärztin in Weiterbildung an
       der Charité. [1][Bereits 2019 protestierten MedizinstudentInnen für eine
       Verbesserung des Praktisches Jahres – mit fairer Vergütung und guten
       Lernbedingungen]. Auch eine neue Approbationsordnung, die ein modernes,
       praxisnahes Studium ermöglichen und im Praktischen Jahr verbindliche
       Standards für Anleitung und Lehre schaffen soll, gehört zu den Forderungen.
       Die aktuell gültige Ordnung stammt aus dem Jahr 2002.
       
       Außerdem verlangen die StudentInnen eine Aufwandsentschädigung, die
       mindestens dem aktuellen Bafög-Höchstsatz entspricht. Sie klagen, dass
       viele neben der Vollzeitbeschäftigung im Krankenhaus in ihrer Freizeit und
       vorgesehenen Selbststudienzeit Geld verdienen müssen. Das ist laut
       Charité-Studentin Bente Bierbaß nötig, um Kosten wie Miete oder
       Lebensmittel decken zu können. [2][Damit werde der Medizinstudiengang wie
       auch das Praktische Jahr an der Charité zum Luxusgut], kritisiert Bierbaß.
       
       ## Unterfinanzierung der Charité
       
       Während die durchschnittliche Aufwandsentschädigung im Praktischen Jahr in
       Deutschland bei monatlich 400 Euro liegt, zahlt die Charité den Klagen der
       Studierenden zufolge gar nichts, als einziges deutsches
       Universitätsklinikum. Das liegt laut Martin Möckel, Prodekan für Studium
       und Lehre, unter anderem an der [3][„dramatischen Unterfinanzierung der
       Charité“].
       
       Nachdem der von CDU und SPD getragene Senat für die Jahre 2026 bis 2028
       Fördermittel in Höhe von fast 110 Millionen Euro strich, nahm die Charité
       Kürzungen an den Studienplätzen in der Humanmedizin vor, womit diese von
       600 auf 540 freie Plätze schrumpften. Das geht aus der Pressemitteilung der
       Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland hervor.
       
       Das Praktische Jahr am Ende des Medizinstudiums ist darauf ausgelegt,
       Praxiserfahrung zu vermitteln und auf ärztliche Tätigkeiten vorzubereiten.
       Die Realität hingegen sehe aber anders aus: Die PJs werden laut Bente
       Bierbaß als unbezahlte Hilfskräfte genutzt, weil die Kliniken das Geld für
       weiteres Personal einsparen würden. Das führt aus ihrer Sicht dazu, dass
       das Lehrkonzept für das Praktische Jahr oft vernachlässigt werde.
       
       Auch der vorgesehene PJ-Unterricht und die Patientenvisite, die den
       regelmäßigen Besuch am Krankenbett vorsieht, würden allzu oft aufgrund
       fehlenden Personals ausfallen. Es liege in der Verantwortung der Charité,
       Unterricht und Visite zu gewährleisten, so die Medizinstudentin.
       
       ## Verständnis aus der Politik für den Protest
       
       Stimmen aus der Politik äußern sich ebenfalls kritisch zu den Umständen.
       „Es braucht ein Medizinstudium, das allen offensteht“, kritisiert Andreas
       Umgelter (Linkspartei), neu gewähltes Mitglied im Abgeordnetenhaus. Auch
       Christian Zander (CDU), bereits seit 2021 Parlamentarier, sichert den
       StudentInnen seine Unterstützung zu. Der Auftritt des CDU-Politikers bei
       der Demonstration wird jedoch aus den Zuschauerreihen kritisiert. [4][Der
       Vorwurf, dass seine Partei zu den Kürzungen beigetragen hat], lässt Zander
       unkommentiert.
       
       Mitte Oktober hatten die Proteste einen kleinen Erfolg verzeichnen können.
       Der Bundesrat stimmte der Forderung der Studierendenvertretung BVMD nach
       zehn weiteren zulässigen Fehltagen zu, der Bundestag tat dies bereits im
       Frühjahr. Die bisherige Ordnung sah 30 Fehltage, verteilt auf 48 Wochen
       Vollzeitarbeit vor. Wer mehr als diese Fehltage hatte, lief Gefahr, einen
       Studienabschnitt wiederholen zu müssen.
       
       1 Nov 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Lilly Mayer
       
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