# taz.de -- Massaker an Christen in Äthiopien: Aufgereihte Leichen in weiße Tücher gehüllt
> Eine Serie von Angriffen auf Christen im Zentrum Äthiopiens fordert rund
> 60 Tote. Ob Oromo-Rebellen die Täter sind, bleibt zunächst unklar.
(IMG) Bild: Werden als Täter verdächtigt: Kämpfer der aufständischen Oromo Liberation Army bei einer Parade in Äthiopien, 2. Juni
Ein Massaker an einer christlichen Gemeinschaft hat den neuen Bürgerkrieg
in Äthiopien weiter verschärft. Die Synode der Äthiopisch-Orthodoxen Kirche
bestätigte am Montag den Tod von 60 Menschen bei Überfällen auf Kirchen und
Hütten in zwei Orten im Distrikt Shirka im Gebiet Arsi rund 270 Kilometer
südlich der Hauptstadt Addis Abeba am 20. und 24. Oktober, [1][berichtete
am Dienstag die Zeitung Addis Standard]. Für Dienstag rief die äthiopische
Kirche weltweit zu Gebeten für die Toten auf.
Eine lokale Liste der Toten des zweiten Angriffs vom Samstag enthält 46
Namen von Menschen im Alter zwischen 4 und 75 Jahren. [2][Videoaufnahmen],
die christliche Organisation aus dem Gebiet verbreitet haben, zeigen
aufgereihte Leichen in weiße Tücher und Decken gehüllt, manche davon sehr
klein, was auf Kinder hindeutet. In anderen Aufnahmen wird die Beerdigung
der Toten im Beisein von Geistlichen und unter traditionellen äthiopischen
Kirchengesängen gezeigt.
Die Massaker ereigneten sich im zentraläthiopischen Bundestaat Oromia, der
die Siedlungsgebiete der größten äthiopischen Bevölkerungsgruppe der Oromo
im Hochland rund um die Hauptstadt Addis Abeba umfasst. Wie jeder
äthiopische Bundesstaat hat Oromia eine eigene Regionalarmee, die den
äthiopischen Streitkräften unterstellt ist. In ihren Reihen stieg einst
Äthiopiens Ministerpräsident Abiy Ahmed auf, der seit 2018 das Land
regiert. Gegen ihn kämpft die bewaffnete Rebellengruppe OLA (Oromo
Liberation Army).
Die OLA ist Teil der neu gegründeten Rebellenkoalition „Überlebensallianz
der Streitkräfte der äthiopischen Völker“, die im September unter Führung
der abtrünnigen Tigray-Rebellenarmee TPLF (Tigray-Volksbefreiungsfront)
[3][erneut in den Krieg gegen Äthiopiens Zentralregierung] gezogen ist.
Neben der TPLF sind ihre wichtigsten Bestandteile die Oromo-Rebellengruppe
OLA und die lokale Miliz Fano des zwischen Oromia und Tigray gelegenen
Bundesstaates Amhara, Geburtsstätte des äthiopischen Christentums vor
mehreren tausend Jahren. Tigray wurde Schauplatz schwerer Kämpfe zwischen
der TPLF und Äthiopiens Armee, die Rebellen werden vom Nachbarland Eritrea
unterstützt.
## Schon Hunderte Tote in den vergangenen Jahren
Vor diesem Hintergrund ist die Ausbreitung von Gewalt in weitere Regionen
Äthiopiens alarmierend. Regierungsnahe Kreise machen für die Massaker von
Shirka die OLA verantwortlich, die seit Langem als islamistisch
unterwanderte Terrororganisation eingestuft ist. Andere Quellen machen als
Täter die regierungstreue Oromia-Regionalarmee aus, die orthodoxe Christen
als amharische Fano-Sympathisanten verdächtige. Äthiopiens Armee habe den
Massakern aus nächster Nähe untätig zugesehen und sei erst einen Tag später
in die überfallenen Dörfer eingerückt, heißt es.
Unabhängig vom Streit um die Täterschaft erschüttert Gewalt die betroffene
Gegend nicht erst seit Beginn des neuen Krieges. Nach Berichten der
äthiopischen Menschenrechtskommission EHRC vom Juli haben Rebellen in
Shirka seit 2021 432 Zivilisten und 4 Angehörige der regionalen
Streitkräfte getötet.
Rund um die äthiopischen Parlamentswahlen am 1. Juni, deren Durchführung
sowohl die OLA als auch die Fano-Milizen gewaltsam zu verhindern
versuchten, gab es über mehrere Tage erneute Überfälle in dem Gebiet. Nach
Berichten des Nachrichtendienstes [4][Meseret Media] wurden dabei 37
Menschen getötet und zwei historische Kirchengebäude komplett zerstört. Die
Überlebenden flohen in die umliegenden Wälder.
Mitte Juni berichtete [5][eine Amhara-Quelle auf X], von den 37 orthodoxen
Kirchen in Shirka seien bereits 26 zerstört worden und die Zahl der Toten
habe 169 erreicht. Nach denselben Angaben erreichte die Zahl der
Vertriebenen in dem Gebiet bis Mitte Oktober 20.000. Die jüngsten Angriffe
seien in einer Zeit erfolgt, als Fano-Milizen in Amhara erstmals eine Stadt
erobert und 115 äthiopische Soldaten getötet hätten. Unabhängig bestätigt
sind all diese Angaben nicht.
27 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://addisstandard.com/holy-synod-confirms-60-orthodox-faithful-killed-in-latest-arsi-attacks-calls-for-protection-and-justice/
(DIR) [2] https://x.com/ChristianEmerg1/status/2114446538919514265
(DIR) [3] /Neuer-Buergerkrieg-in-Aethiopien/!6217009
(DIR) [4] https://x.com/MeseretMedia
(DIR) [5] https://x.com/neby_G/
## AUTOREN
(DIR) Dominic Johnson
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