# taz.de -- Brücken am Görlitzer Park: Sauer und bereit, zu handeln
> AnwohnerInnen haben nach einem „Ultimatum“ offenbar angefangen, die von
> der Deutschen Bahn gesperrte Kanalbrücke am Görlitzer Park eigenhändig
> „instandzusetzen“.
(IMG) Bild: So sah es im Juli nach Sperrung der Görlitzer Brücke(n) aus
In der vergangenen Woche hatte die Initiative Görli 24/7 dem Senat und der
Deutschen Bahn AG (DB) ein „Ultimatum“ gestellt: Sollte die [1][Anfang Juli
geschlossene Brücke], die vom Görlitzer Park über den Landwehrkanal nach
Treptow führt, nicht bis 24 Uhr am Sonntag wieder geöffnet werden, sei
„davon auszugehen, dass die Anwohner*innen in den angrenzenden Kiezen
die Öffnung selbst in die Hand nehmen werden“. Ein erster Versuch, diese
Ankündigung umzusetzen, ist am frühen Montagmorgen tatsächlich erfolgt.
Wie Görli 24/7 [2][auf ihrer Website mitteilt], „gelang es interessierten
Menschen offenbar, zumindest auf Kreuzberger Seite den Zugang zur Brücke
wieder zu öffnen, einen Teil der dort ausgehobenen Löcher wieder zu füllen
und so damit zu beginnen, die Brücke wieder nutzbar zu machen“. Und das,
obwohl „Bahn und Senat offenbar beschlossen“ hätten, „auf personalintensive
Abschreckung statt Vernunft zu setzen“.
Tatsächlich waren nach taz-Informationen einige tiefe Löcher im
Brückenbelag mit Sand zugeschüttet worden. Am Montag waren immer wieder
WachschützerInnen und Polizei an den Absperrungen präsent.
Trotz heftiger Proteste von AnwohnerInnen hatte die Deutsche Bahn als
Eigentümerin des stillgelegten Bahndamms zwischen Kreuzberg und Treptow die
Brücke über den Kanal und drei weitere, die Straßen überqueren, Anfang Juli
abgesperrt. Grund laut DB: massive Korrosionsschäden an den alten
Stahlkonstruktionen, weil das Gemisch aus Sand und Kies, mit dem die
Brücken für FußgängerInnen und RadfahrerInnen in den 90ern nutzbar gemacht
wurden, zu viel Feuchtigkeit speichere.
## Technisches Gutachten bis Ende des Jahres
Nach etlichen Gesprächen zwischen DB, Senatsverkehrsverwaltung und dem
Bezirksamt Treptow-Köpenick als bisherigem Mieter der Flächen war als
vorläufige Einigung festgehalten worden, dass die Bahn ein technisches
Gutachten zum Sanierungsbedarf der Brücken in Auftrag gibt. Das Ergebnis
soll demnach bis Jahresende vorliegen – dann müssten die Beteiligten
klären, wer in welchem Umfang für die Sanierung aufkommt. Erklärtes Ziel
von Land und Bezirk ist es, die beliebte und viel genutzte Wegeverbindung
zu sichern.
„Die AnwohnerInnen sind extrem sauer“, sagt Flo Grünbaum von Görli 24/7 zur
taz. Bis auf ein paar im Belag ausgehobene Löcher sei in den vergangenen
Monaten „nichts passiert“. Es seien keine ArbeiterInnen zu sehen, und auch
ob es irgendwelche technischen Prüfungen gegeben habe, sei völlig unklar.
Die DB mauere, wolle keine Prüfberichte zum Zustand der Brücken aus den
vergangenen Jahren veröffentlichen und behaupte „lapidar, dass die Brücke
nicht verkehrssicher sei“. Dafür gebe es aus Sicht der Initiative aber
keinerlei Anhaltspunkte – sonst müssten auch die Verkehrswege darunter aus
Sicherheitsgründen gesperrt sein.
Gleichzeitig sei die Situation am Heilmannsteg weiter nördlich nicht
akzeptabel, so Flo Grünbaum. Die einzige fuß- und radverkehrsfreundliche
Alternative in der Nähe sei an schönen Tagen völlig überfüllt. Die Stimmung
dort sei schlecht, immer wieder komme es zu Beinahe-Unfällen. Deshalb werde
es an den Görli-Brücken trotz Bewachung weitergehen: „Wir halten es für
äußerst wahrscheinlich, dass die Bevölkerung weiterhin zivilen Widerstand
üben wird.“
Die Verkehrsstadträtin von Treptow-Köpenick, Claudia Leistner (Grüne),
teilte der taz auf Anfrage mit, die „Entwicklung einer verlässlichen
Perspektive für die Sanierung“ müsse „so schnell wie möglich vorangebracht
werden“. Allerdings liege die Verantwortung dafür aktuell beim Senat und
der DB. Das Bezirksamt arbeite aber parallel dazu an einer Vereinbarung mit
der Bahn, um die weitere Nutzung von Teilflächen des ehemaligen Bahndamms
zwischen den Brücken zu sichern. Wichtig sei dem Bezirk unter anderem der
Spielplatz an der Lohmühlenstraße. Dazu werde es nach den Herbstferien ein
weiteres Gespräch mit der DB geben.
26 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Goerlitzer-Bahnbruecken-in-Berlin/!6190515
(DIR) [2] https://goerli247.org/2026/10/26/kanalbruecke-kreuzberg-treptow-nach-ultimatum-grosseinsatz-von-polizei-wachschutz-trotzdem-oeffnung-der-bruecken-absperrung/
## AUTOREN
(DIR) Claudius Prößer
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