# taz.de -- Görlitzer Bahnbrücken in Berlin: Mutlos zur Lücke
> In wenigen Tagen werden die alten Bahnbrücken gesperrt, die den Görlitzer
> Park nach Osten erweitern. AnwohnerInnen glauben: Es ginge auch anders.
(IMG) Bild: Auf der Demo gegen eine Sperrung der Görlitzer-Bahn-Brücken Ende Mai 2026
Am kommenden Sonntag will die Bürgerinitiative „ZusammenBrücken“ sich noch
einmal gegen das scheinbar Unvermeidliche auflehnen: Um 14 Uhr lädt sie zu
einer Kundgebung auf dem ehemaligen Görlitzer Bahndamm ein, auf der Fläche
zwischen den historischen Stahlbrücken, die über den Landwehrkanal und die
Lohmühlenstraße führen.
Der Protest richtet sich gegen die zum 1. Juli bevorstehende Sperrung der
Brücken durch deren Eigentümerin Deutsche Bahn (DB). Von einer zuletzt
zwischen Land Berlin und DB getroffenen Vereinbarung über das weitere
Vorgehen verspricht sich die Initiative wenig: Sie rechnet damit, dass die
beliebte Wegebeziehung zwischen Kreuzberg und Treptow für lange Zeit
gekappt sein wird.
Eigentlich scheint das Schlimmste abgewendet zu sein: Anfang Mai hatte die
DB aus heiterem Himmel verkündet, sie werde die Nutzung der Brücken durch
den Fuß- und Radverkehr zeitnah untersagen – weil diese durch das in den
1990er Jahren aufgetragene Gemisch aus Kies und Sand, das Regenwasser
aufsaugt, durchrosteten. Die Perspektive einer baldigen Wiederherstellung
gab es zu damals noch nicht. Das hat sich nach einem Gespräch zwischen
Finanzsenator Stefan Evers und Verkehrssenatorin Ute Bonde (beide CDU) und
dem Konzernbevollmächtigten der Bahn für Berlin, Alexander Kaczmarek (auch
CDU), geändert.
Wie Bonde in der vergangenen Woche im Verkehrsausschuss des
Abgeordnetenhauses mitteilte, habe man bei diesem Treffen der Bahn
mitgeteilt, „dass wir ein großes Interesse daran haben, die durchgängige
Wegebeziehung aufrechtzuerhalten“.
## Denkmalgerechte Sanierung
Es habe zwischen den Beteiligten auch „keinen Dissens“ darüber gegeben,
„dass der Bezirk Treptow-Köpenick die unsachgemäß eingebrachte Verfüllung
beseitigen muss“. Wenn das erfolgt sei, werde man ein Ingenieurbüro mit
einem Gutachten zum Zustand der Bauwerke beauftragen und anschließend über
eine „vernünftige Kostenquotelung“ sprechen. Sprich: wer sich mit welchen
Mitteln an der denkmalgerechten Sanierung der Brücken beteiligt.
Madeleine Sauer, Anwohnerin und bei ZusammenBrücken aktiv, glaubt, dass das
sehr, sehr lange dauern könnte: „Erst werden auf allen vier Brücken das
Kies-Sand-Gemisch und das alte Schotterbett entfernt, dann kommt das
externe Gutachten, dann irgendwann der Sanierungsplan, und dann wird
darüber verhandelt, wer wie viel bezahlt. Es werden also erst Tatsachen
geschaffen und die Lösung wird in die ferne Zukunft verschoben.“
Dass es überhaupt nötig ist, den umstrittenen Brückenbelag komplett
abzubaggern, bezweifelt sie: „Wir haben uns als Initiative mit einem
Brückenbauingenieur getroffen, der uns erklärt hat, dass es Usus ist, für
eine solche Prüfung nicht gleich den ganzen Belag abzunehmen. Es reicht,
ihn dafür punktuell aufzugraben.“ Das würde die Totalsperrung für
FußgängerInnen und RadfahrerInnen vorerst vermeidbar machen – ist aber
aktuell nicht vorgesehen.
## Wer zahlt was?
Es würde in Berlin wohl nicht mit rechten Dingen zugehen, wenn sich schnell
Einigkeit über die „Kostenquotelung“ erzielen ließe. Denn diese soll
„verursachungsgerecht“ sein, wie Bonde im Ausschuss sagte. Auch die Bahn
sieht das so, hat aber offensichtlich einen etwas anderen Blickwinkel: Zwar
hat der DB-Konzernbeauftragte grundsätzlich die Bereitschaft signalisiert,
sich an der Brückensanierung zu beteiligen, aber die DB betrachtet den
Bezirk als den eigentlichen Übeltäter, der seinerzeit mit der
Sand-Kies-Mischung die Probleme verursacht habe.
Auch das sieht Madeleine Sauer nach den Gesprächen der Initiative mit dem
Bezirksamt anders: „Der Bezirk hat im Archiv nachgeschaut und
herausgefunden, dass der Belag nach expliziter Rücksprache mit der Bahn
erfolgt ist.“ Und die verkehrspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion
Antje Kapek findet, es sei „eine Unverschämtheit, wie sich die Bahn 25
Jahre lang vor der Instandhaltung gedrückt hat. Ich finde, der Senat sollte
darauf hinwirken, dass sich die DB stärker finanziell beteiligt.“
Die Verkehrsstadträtin von Treptow-Köpenick, Claudia Leistner (Grüne),
merkt an, dass laut den Experten von Bahn und Senatsverwaltung die
Korrosionsschäden dazu führen könnten, dass Schottersteine auf die Straßen
unter den Brücken fallen könnten. Insofern sei deren Sperrung „auch aus
Gründen der Verkehrssicherheit erforderlich“. Die Bedenken der
AnwohnerInnen könne sie „gut nachvollziehen“, so Leistner, auch sie hätte
sich eine weniger einschneidende Maßnahme gewünscht.
Ob „ein belastbares Gutachten auch auf Grundlage punktueller
Untersuchungen“ erstellt werden könnte, „vermag ich nicht zu beurteilen“,
so Leistner. Zumindest ist sie froh, dass es dem Bezirk gelungen sei, mit
der Bahn eine Übergangsvereinbarung für den ehemaligen Bahndamm, also die
Flächen zwischen den insgesamt vier Brücken, zu treffen. So bleibe die
Grünverbindung insgesamt erhalten und „zumindest Teile des Bahndamms
weiterhin für die Öffentlichkeit nutzbar“.
Das ist freilich ein schwacher Trost für alle, denen nun eine direkte und
völlig autofreie Verbindung zwischen den beiden Bezirken verloren geht –
seien es Schulkinder mit ihren Eltern, SpaziergängerInnen oder
RadfahrerInnen, die nun größere Umwege werden machen müssen. Und dass viele
Menschen den dann unterbrochenen Bahndamm erklimmen werden, um ein paar
hundert Meter bis zur nächsten gesperrten Brücke zu laufen, ist eher
unwahrscheinlich.
## Lückenschluss in greifbarer Nähe
Sollte allerdings ein Wunder geschehen und die Sanierung zügig
abgeschlossen werden, könnte die Wiedereröffnung rein theoretisch mit dem
Anschluss des Görlitzer Bahndamms an den Betriebsweg der A 100 zwischen
Kiefholzstraße und Sonnenallee zusammenfallen. Denn die Autobahn GmbH des
Bundes muss laut Planfeststellungsbeschluss für den im vergangenen Jahr
eröffneten 16. Bauabschnitt zwischen Dreieck Neukölln und Treptower Park
diese Verbindung als Geh- und Radweg herstellen.
Es geht um die letzten 200 Meter des alten Bahndamms hinter der Brücke über
die Elsenstraße. Seit der Freigabe des Damms in den 1990er Jahren endet der
Weg hier an einem Zaun, eine mittlerweile baufällige und schwer vermüllte
Treppe führt zur Straße hinunter. Mit der künftigen Verbindung an den für
die Öffentlichkeit nutzbaren A-100-Betriebsweg könnten etwa RadfahrerInnen
in einem Rutsch und bis auf eine Ampel kreuzungsfrei vom Görlitzer zum
Treptower Park rollen.
Senat und Bezirk scheinen diesen vielversprechenden Lückenschluss gar nicht
auf dem Schirm zu haben. Immerhin: Die Autobahn GmbH ist dran. Auf Anfrage
der taz teilte sie mit, man habe „vorbereitende Maßnahmen im Hinblick auf
Gehölz- und Artenschutz abgeschlossen“ und befinde sich in derzeit in der
„Umsetzung des Wegebaus“. Bis Ende 2027 soll alles fertig sein.
25 Jun 2026
## AUTOREN
(DIR) Claudius Prößer
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