# taz.de -- Trainer in der Bundesliga: Das große Ausbrennen
       
       > Der FC Bayern gewinnt in Freiburg. Doch Thema des Abends sind der
       > erkrankte Vincent Kompany und die Belastungen des Trainerjobs in der
       > Bundesliga.
       
 (IMG) Bild: Unter Hochdruck: Freiburgs Trainer Julian Schuster bei der Arbeit
       
       Dieses Spiel kann durchaus als Appell für künftig mindestens ein freies
       Wochenende im Monat für Trainerinnen und Trainer in der Bundesliga gelesen
       werden. Beeindruckend war der hoch konzentrierte Auftritt des FC Bayern
       München am Sonntagabend in Freiburg. Sportvorstand Max Eberl sprach von
       einem „nahezu perfekten Auswärtsspiel“. Mit Blick auf [1][den derzeit im
       Krankenhaus weilenden Trainer Vincent Kompany] hielt er erfreut fest: „Es
       war ein Sieg für Vinnies Ruhe.“ Dieser könne nun feststellen, dass das
       funktioniert, was er der Mannschaft und dem Trainerstab mitgegeben hat.
       
       Aus Eberls ärztlicher Perspektive hätten die Gäste vermutlich nur die
       Schlussphase etwas gesundheitsverträglicher gestalten können. Das
       beruhigende 3:0 wollte wegen eigener Ungenauigkeiten und Paraden von
       Freiburgs Mio Backhaus einfach nicht fallen. So beförderte das Eigentor von
       Tom Bischof (82. Minute) noch einmal extreme Unruhe und Unsicherheit in den
       Reihen des Deutschen Meisters, ehe Michael Olise einen Fehler von Backhaus
       zum 3:1 nutzen konnte.
       
       Aber all das war in der Nachlese der Partie kein großes Thema. Ganz im
       Sinne gewiss auch von Eberl, [2][der vor der Partie daran erinnert hatte,
       Gesundheit sei das Wichtigste im Leben]. Fußball sei vielleicht nur das
       zweit- oder drittwichtigste. Nun ja, damit waren nebenbei die
       Druckverhältnisse und schwer zu vereinenden Anforderungen im Leben des
       Profifußballs ganz gut umschrieben.
       
       Die konkrete Sorge um [3][Vincent Kompany], der am Freitag nach einer
       verschleppten Viruserkrankung beim Besuch des Trainings des zweiten
       Vereinsteams zusammengebrochen war, ins Krankenhaus gebracht werden musste
       und mehrere Wochen ausfällt, wurde im Nachgang unter der Freiburger
       Haupttribüne besprochen. Und allgemein beschäftigte die ungewöhnliche
       Frage, welche Fürsorge Trainern zuteilwerden sollte.
       
       ## Aufgeschreckte Branche
       
       Wie sehr dieses Thema wegen der Causa Kompany gerade die eigene Branche
       aufwühlt und aufschreckt, konnte man im Medienraum der Freiburger gut
       studieren. Die Pressekonferenz war bereits beendet und Julian Schuster
       drängte es einerseits, eine Stunde nach Spielende den Heimweg anzutreten,
       um sich dem TV-Studium der Partie für die Nachbesprechung am Montag zu
       widmen. Andererseits wollte er einer kleinen Journalistenrunde noch
       Einblicke in die Problemlagen seines Berufsstandes geben. Er dozierte über
       die Belastungen seines Jobs. Und über die besonderen Schwierigkeiten,
       diesen Job noch mit Familie und Kindern zu vereinbaren und sich trotzdem
       Erholungszeiten zu nehmen.
       
       Irgendwann schaltete sich Pressesprecher Sascha Glunk ein, um Schuster
       endlich in den Feierabend zu schicken. Der jedoch wehrte sich vehement
       dagegen. „Das ist ja eine Chance, gerade jetzt darüber zu reden. Deshalb
       ist es jetzt wichtig zu investieren.“ Vor über zwei Jahre übernahm Schuster
       das Traineramt von Christian Streich, [4][der sich im Alter von 59 Jahren
       völlig ausgebrannt fühlte] und sich seither eine Auszeit nimmt. Auch dem
       Trainer des derzeitigen Tabellendritten graben sich für alle sichtbar am
       Spielfeldrand die Sorgen mitunter besorgniserregend tief ins Gesicht.
       
       Dass er mitunter selbst nicht gut aussehe, hatte er an diesem Abend schon
       freimütig eingeräumt. Noch keinen Fehltag habe er seit Amtsantritt gehabt,
       bilanzierte er. Und es gebe Phasen, in denen es über Wochen keinen freien
       Tag gebe. Die Vermutung ist naheliegend, dass auch Schuster schon so manche
       gesundheitliche Vorwarnung ignoriert hat. Über „Selfcare“, etwa genügend
       Schlaf, Ernährung und Ausgleichssport, würde schon auch in der
       Trainerausbildung gesprochen. Seinen Co-Trainern gebe er entsprechende
       Empfehlungen und versuche, „eine gewisse Kultur ein Stück weit
       mitzuverändern“.
       
       Sich selbst stellt Schuster jedoch kein gutes Zeugnis aus, auch weil „du
       ein Stück weit in den Abläufen gefangen bist“. Zwölf Jahre am Stück, wie
       Streich in dieser Position, so viel Energie aufzubringen, sei für ihn
       schwer vorstellbar. Die Frage, was sich im Sinne der Trainer zum Besseren
       verändern sollte, konnte an diesem Abend allerdings auch nicht befriedigend
       beantwortet werden. Den Vereinsführungen wollte Schuster die Verantwortung
       nicht allein zuschieben. „Es liegt dann wahrscheinlich manchmal auch an
       uns.“
       
       Über die Funktionstüchtigkeit von Trainern wird ansonsten ausschließlich
       anhand des sportlichen Erfolgs als Gradmesser gesprochen. Welch immenser
       Druck und Redebedarf daraus entsteht, war am Sonntagabend in Freiburg
       deutlich zu spüren. Eine Frage von großem Interesse war nach dieser
       denkwürdigen Bundesligapartie, ob der Bayern-Trainer sich aus dem
       Krankenhaus schon zur Partie geäußert habe.
       
       Eberl berichtete unmittelbar nach Abpfiff: „Gott sei Dank hat er nicht
       geschrieben. Ich weiß auch nicht, ob er das Spiel gesehen hat.“ Sein
       Stellvertreter Aaron Danks konnte dagegen später Genaueres berichten. Er
       habe nach der Partie eine Nachricht von Kompany erhalten mit Glückwünschen
       auch an die Mannschaft.
       
       26 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Bayerntrainer-im-Krankenhaus/!6224733
 (DIR) [2] https://fcbayern.com/de/news/2026/10/max-eberl-zum-gesundheitszustand-von-vincent-kompany
 (DIR) [3] /Vincent-Kompany-beim-FC-Bayern/!6175517
 (DIR) [4] /Trainerabschied-in-Freiburg/!6007342
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Johannes Kopp
       
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