# taz.de -- Rückkehr von NS-Opferdokumenten: Es bräuchte ein Gesetz gegen den verwerflichen Kommerz
       
       > Nach ihrer verhinderten Auktion kehrten nun private Kriegstagebücher und
       > Briefe aus KZs an die Ursprungsorte der deutschen Verbrechen in Polen
       > zurück.
       
 (IMG) Bild: NS-Opferdokumente sollten an Sammler verhökert werden: Exponate im Gefängnismuseum Pawiak in Warschau
       
       Fast wäre der 1940 mit Bleistift geschriebene Brief des polnischen
       Häftlings Jan Perkowski an seine Mutter Ende 2025 auf einer Auktion in
       Neuss bei Düsseldorf unter den Hammer gekommen. Und dann wäre er womöglich
       in einer privaten Briefmarken- oder Kuriositätensammlung verschwunden. „Ich
       denke vor allem an seine Mutter, die 1940 voll Sorge auf eine Nachricht von
       ihrem Jungen wartete“, sagte die polnische Ministerin für Kultur und
       nationales Erbe Marta Cienkowska, als sie in einer feierlichen Zeremonie
       hunderte vor der Auktion gerettete Kriegs- und Holocaust-Dokumente an
       Vertreter:innen von Gedenkstätten in Polen und Europa überreichte.
       „Aber auch der junge Mann hätte sich wohl kaum vorstellen können, dass 80
       Jahre nach Kriegsende sein Brief aus dem Warschauer NS-Gefängnis Pawiak auf
       einer deutschen Auktion an den Meistbietenden verkauft werden sollte“, so
       Cienkowska.
       
       Nach internationalen Protesten [1][hatte Ende 2025 eine Online-Aktion von
       Opfer- und Täter-Zeitzeugnissen,] darunter ein blutbefleckter „Judenstern
       mit Gebrauchsspuren“, gerade noch gestoppt werden können. Mit Hilfe
       privater Spender und in enger Zusammenarbeit des nordrheinwestfälischen
       Ministeriums für Europaangelegenheiten und der polnischen Stiftung
       Auschwitz-Birkenau konnten nicht nur alle Dokumente aus der geplanten
       Auktion aufgekauft und gerettet werden. Vielmehr war es auch möglich, mit
       den Spendengeldern weitere Dokumente zu erwerben, die von Sammlern auf dem
       freien Markt angeboten wurden und – oft aus materieller Not – auch von
       Opfer-Nachkommen
       
       „Es ist schwer zu ertragen, wenn Tagebücher von Verfolgten, Briefe aus
       Konzentrationslagern oder sogenannte Judensterne als Devotionalien
       gehandelt werden“, stimmte der NRW-Europa-Minister Nathanael Liminski der
       polnischen Kulturministerin zu. Denn diese Relikte mit unmittelbarem Bezug
       zur NS-Gewaltherrschaft seien keine Kuriositäten für Kataloge, sondern
       stille Zeugen eines staatlich organisierten Verbrechens. „Wir dürfen nicht
       zulassen“, so Liminski, „dass die Opfer der Nationalsozialisten durch die
       kommerzielle Verwertung ihres Nachlasses erneut zu Nummern werden“.
       
       ## Europaweites Verbot mit derartigen Gegenständen
       
       Aus diesem Grund habe die NRW-Landesregierung ein Gesetzesprojekt in den
       Bundesrat eingebracht, mit dem der kommerzielle Handel verboten werden
       soll, wenn die Gegenstände „einen unmittelbaren Bezug zu Opfern der
       nationalsozialistischen Gewaltherrschaft und ihrem Verfolgungsschicksal
       haben“. Dennoch solle es möglich bleiben, diese Objekte zu veräußern, aber
       nur noch an Gedenkstätten, Archive und Forschungsinstitute. Nach der
       Zustimmung aller 16 Länder liegt das Gesetzesprojekt jetzt dem Bundestag
       vor. Liminski hofft, „dass wir im nächsten Schritt gemeinsam mit unseren
       europäischen Partnern über ein europaweites Verbot des Handels mit
       derartigen Gegenständen ins Gespräch kommen“.
       
       Sowohl Polens Kulturministerin Marta Cienkowska als auch Wojciech
       Soczewica, der Generaldirektor [2][der Stiftung Auschwitz-Birkenau], können
       sich vorstellen, an dieser deutsch-polnischen Initiative auf europäischer
       Ebene mitzuwirken.
       
       26 Oct 2026
       
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