# taz.de -- Union will Aigner als Bundespräsidentin: Es ist keine Schwäche, sich hinter eine starke Frau zu stellen
       
       > Ilse Aigner soll Bundespräsidentin werden. Das verdankt sie nicht
       > Friedrich Merz, der erneut nicht wie ein Antreiber, sondern ein
       > Getriebener wirkte.
       
 (IMG) Bild: Ilse Aigner soll Bundespräsidentin werden. Die Herren im Hintergrund nutzten das Thema für einen kleinen Machtkampf
       
       Es scheint festzustehen, Ilse Aigner soll Bundespräsidentin werden. Auch
       die CDU stellt sich [1][nach übereinstimmenden Medienberichten] hinter sie.
       Die offizielle Bestätigung steht noch aus, aber zuletzt lief alles auf
       d[2][ie bayerische Landtagspräsidentin] zu. Es gab in den vergangenen Tagen
       kaum noch eine Politikerin in Union und SPD, die sie nicht für eine
       „hervorragende“ Kandidatin hielten, auch die Grünen funkten Zustimmung.
       
       Alle warten nur noch darauf, was Friedrich Merz sagt. Der Kanzler und
       CDU-Vorsitzende will sich nach bisheriger Planung am Montag äußern, nach
       einer Sitzung des Präsidiums. Die CDU-Führungsebene, darunter auch zwei
       Frauen, deren Namen ebenfalls im Laufe der Debatte als mögliche
       Kandidatinnen aufploppten, trifft sich bereits am Sonntagabend zum
       Abendessen. Der Austausch darüber, wen die CDU, die formal das
       Vorschlagsrecht hat, als Nachfolgerin von Frank-Walter Steinmeier
       aufstellt, dürfte kurz werden.
       
       Interessanter ist die Erörterung, warum Merz auch dieser Findungsprozess
       [3][mal wieder komplett entglitten ist] und er sich von Markus Söder so
       vorführen ließ. Der CSU-Chef hatte Aigner bereits im April zum ersten Mal
       vorgeschlagen. Der Kanzler hielt sich lange bedeckt, legte sich zuletzt
       lediglich darauf fest, dass eine Frau Bundespräsidentin werden soll. Wieso
       nutzte Merz nicht den CSU-Parteitag Ende Oktober, um das Thema abzuräumen?
       Stattdessen hieß es kurz zuvor, die CDU werde einen eigenen Vorschlag
       machen und vor zwei Wochen streute sein Umfeld noch den Namen der
       hessischen Fraktionsvorsitzenden Ines Claus. Ein Testballon oder eine
       Trotzreaktion?
       
       Jedenfalls keine konsistente Strategie. Der CDU-Vorsitzende hat erneut
       keine glückliche Figur gemacht und dokumentiert, dass [4][Personalplanung
       nicht sein Ding ist]. Er, der sich selbst gern als Antreiber sieht, wirkte
       wie ein Getriebener. Aber egal, am Ende ist es kein Zeichen von Schwäche,
       sich hinter eine starke Frau zu stellen.
       
       6 Nov 2026
       
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