# taz.de -- Radweg auf der Kantstraße: Protest mit der Malerrolle
       
       > AktvistInnen des „Widerstands-Kollektivs“ haben Markierungen auf der
       > Kantstraße übermalt. Die sollten eine Lieferzone schaffen, wo bislang
       > Fahrräder fuhren.
       
 (IMG) Bild: Grau übermalt: ein Lieferzonensymbol auf der Radweg in der Kantstraße
       
       Der [1][Streit um den Radweg auf der Charlottenburger Kantstraße] wird zum
       Straßenkampf – der mit Farbrollen ausgetragen wird. In der Nacht zum
       Freitag übermalten Mitglieder des „Widerstands-Kollektivs“ frisch
       aufgebrachte Symbole, mit denen die Senatsverkehrsverwaltung eine
       Lieferzone auf der bisher für RadfahrerInnen reservierten Fläche markiert
       hatte. Es geht um den Abschnitt zwischen Krummer und Wilmersdorfer Straße.
       
       Dem vorausgegangen war ein monatelanges Hin und Her, an dem auch das
       Berliner Verwaltungsgericht beteiligt war. Aus Sicht der AktivistInnen hat
       Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) nun mit den Lieferzonen-Markierungen ihr
       Versprechen gebrochen, eine angemessene Lösung für den Radverkehr zu
       gewährleisten.
       
       „Was Frau Bonde hier macht, ist ein Rechtsbruch und eine Frechheit“,
       zitiert das Widerstands-Kollektiv in einer Pressemitteilung seinen
       Aktivisten Anton, „uns bleibt keine andere Wahl, als praktisch dagegen
       vorzugehen“. Man werde nicht zulassen, dass der abgewählte Senat in der
       Kantstraße und anderswo vor seinem endgültigen Ausscheiden „verbrannte
       Erde“ hinterlasse.
       
       Paula, eine andere Aktivistin, verspricht, dass sich das Kollektiv mit
       „kreativen Aktionen“ daran beteiligen werde, den Druck der
       Zivilgesellschaft aufrechtzuerhalten. „Nehmt ihr uns den Fahrradweg, dann
       holen wir ihn zurück, Meter um Meter, Stück um Stück.“
       
       ## Rückbau zugunsten von Parkplätzen
       
       Die Senatsverwaltung will den während der Coronapandemie als „Pop-up“
       angelegten Radweg schon lange zugunsten von Parkplätzen zurückbauen.
       Lediglich eine für RadfahrerInnen benutzbare Busspur soll übrigbleiben.
       
       Argumentiert wurde dabei in den vergangenen Jahren auch damit, [2][dass die
       aktuelle Anordnung der Spuren nicht genügend Raum für die Feuerwehr ließe],
       wenn diese einen Leiterwagen für Löscharbeiten aufstellen müsse. Eine
       alternative Lösung, die daraufhin vom Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf
       vorgeschlagen wurde, lehnte die Senatsverwaltung als zu teuer ab.
       
       Im September reichte ein Radfahrer mit Unterstützung der Deutschen
       Umwelthilfe (DUH) einen Eilantrag beim Verwaltungsgericht ein, um den
       Rückbau zu stoppen – der erzeuge erneut eine Gefahrensituation für den
       Fahrradverkehr. Derzeit verläuft der Radweg zwischen dem Gehweg und einer
       Parkspur auf der Fahrbahn. Für den rollenden Autoverkehr ist nur eine Spur
       verfügbar. Das wiederum hatte unter anderem den Protest des
       Fahrgastverbands IGEB auf sich gezogen, weil hier die Busse der BVG des
       Öfteren im Stau stehen.
       
       ## Weder angemessen noch legal
       
       Nachdem die Senatsverwaltung dem Gericht mitgeteilt hatte, bis zum
       Jahresende eine „ausreichend dimensionierte, markierte und provisorisch
       gesicherte eigene Radverkehrsfläche“ einzurichten, zog der Kläger seinen
       Eilantrag zurück. Die Markierung der Lieferzonen scheint dies nun als
       falsches Versprechen zu entlarven.
       
       Die vom amtierenden Senat geplante Busspur, die von RadfahrerInnen
       mitbenutzt werden kann, ist nach Ansicht von RadaktivistInnen weder
       angemessen noch legal: „Eine gemeinsame Bus- und Radspur ist nur sicher,
       wenn sie Überbreite hat, damit die Busse die Radfahrenden in dem gesetzlich
       vorgeschriebenen Mindestabstand überholen können“, so der Verein Changing
       Cities. Das werde aber laut den Planungen an keiner Stelle der Fall sein.
       
       „Mit den Markierungsarbeiten soll vielmehr eine Rückabwicklung für die
       kommende Regierung erschwert werden“, so Changing Cities. Das Ganze koste
       rund 2 Millionen Euro und werde dazu auch noch aus dem Radverkehr-Etat
       finanziert.
       
       Die DUH veröffentlichte vor Kurzem auch die Auswertung interner Akten der
       Verkehrsverwaltung, in die sie im Rahmen des Eilverfahrens Einblick nehmen
       konnte. Nach Interpretation der Umwelthilfe weisen sie darauf hin, dass
       Senatorin Bonde das Projekt teilweise gegen Widerstände der eigenen
       Fachabteilung vorangetrieben habe. DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch sprach
       gegenüber der Berliner Morgenpost von einem „rein politisch motivierten“
       Rückbau.
       
       23 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
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