# taz.de -- Radinfrastruktur in Berlin: Ringen um den Radweg in der Kantstraße
> Im Gezerre um einen Eilantrag, der den Rückbau des Radwegs in der
> Kantstraße stoppen soll, räumt die Senatsverwaltung dem
> Verwaltungsgericht mehr Zeit ein.
(IMG) Bild: Stein bzw. Asphalt des Anstoßes: der Radweg an der Charlottenburger Kantstraße
Kommt er oder kommt er nicht, der [1][Rückbau des Radwegs auf der
Charlottenburger Kantstraße]? Die CDU-geführte Senatsverkehrsverwaltung hat
in den Monaten vor der Abgeordnetenhauswahl alles daran gesetzt, die 2,4
Millionen Euro teure Maßnahme auf den Weg zu bringen. Ihr geht es in erster
Linie um mehr Raum für Kfz-Parkplätze. Fahrrad-, Umwelt- und
KlimaaktivistInnen wiederum haben ihr Möglichstes dafür getan, das Vorhaben
auf den letzten Metern noch zu stoppen.
Aktuell prüft das Berliner Verwaltungsgericht den von der Deutschen
Umwelthilfe (DUH) unterstützten Eilantrag eines Radfahrers, der das
Verschwinden des räumlich vom Autoverkehr getrennten Radwegs verhindern
will. Die Zeit drängt, am 1. Oktober sollten die Markierungsarbeiten
beginnen. Allerdings hat das Gericht noch gar nicht die Gelegenheit gehabt,
den Antrag vollumfänglich zu prüfen – es hatte von der Senatsverwaltung die
Vorlage des vollständigen Verwaltungsvorgangs angefordert, die wollte
zuletzt aber erst bis zum 28. September liefern.
Damit war das Gericht nicht einverstanden. Nun hat Senatorin Ute Bonde
eingelenkt und den Start der Baumaßnahmen um eine Woche auf den 7. Oktober
verschoben, damit die RichterInnen genügend Zeit für die Prüfung der
Unterlagen haben.
Für DUH-Bundesgeschäftsführers Jürgen Resch ist das ein Grund zur
Genugtuung – er fordert den endgültigen Stopp der Radweg-Rückabwicklung:
„Nachdem sich die Spitzenkandidatinnen und -kandidaten von Linken, Grünen
und SPD klar gegen den Rückbau ausgesprochen haben, erwarten wir von einer
neuen Landesregierung, dass sie diese Planung nicht weiterverfolgt.“
## „Autofixierte Verkehrssenatorin“
Es reiche deshalb nicht, den Baustart immer wieder nur um wenige Tage zu
verschieben, findet Resch. „Die aufs Auto fixierte, nur noch
geschäftsführende Verkehrssenatorin Ute Bonde muss sich jetzt endgültig von
der Zerstörung dieses wichtigen Radwegs verabschieden.“
Genau genommen ist Bonde erst dann nur noch geschäftsführend im Amt, wenn
sich das neue Abgeordnetenhaus konstituiert hat. Mehr Relevanz haben
möglicherweise die laufenden Diskreditierungsversuche der Linken aus dem
politischen und medialen Raum: Sollte am Ende gar kein rot-grün-rotes
Bündnis zustandekommen, wäre auch die Prämisse der DUH vorläufig hinfällig.
## ADFC fordert Stopp aller Maßnahmen
Auch für den Berliner ADFC ist jedoch das schlechte Ergebnis von CDU und
SPD eine klare politische Absage an die Verkehrspolitik von Schwarz-Rot –
eine Verkehrspolitik, „die die Menschen in ihrer Alltagsmobilität zu Fuß,
auf dem Rad und in Bus und Bahn blockiert und ausgebremst hat“, sagt
Landesvorsitzender Eberhard Brodhage. Der geplante Rückbau des Radwegs auf
der Kantstraße – [2][einst in Reaktion auf einen tödlichen Unfall
eingerichtet] – stehe für eine Weiterführung dieses Kurses, ebenso wie die
Umgestaltung der Torstraße in Mitte und der Ollenhauerstraße in
Reinickendorf, für die Dutzende Bäume fallen sollen.
Sollte es dazu kommen, „würde der Senat auf den letzten Metern unumkehrbare
Tatsachen für ein Berlin von gestern schaffen“, so Brodhage. Der ADFC
fordert deshalb den sofortigen Stopp dieser Maßnahmen und ruft seit Wochen
[3][zusammen mit Initiativen und Verbänden zu Demonstrationen] auf.
25 Sep 2026
## LINKS
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## AUTOREN
(DIR) Claudius Prößer
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