# taz.de -- Alleinerziehende soll Wohnung verlieren: Von wegen soziale Verantwortung
       
       > In Hamburg-Veddel wird einer Untermieterin verwehrt, den Hauptmietvertrag
       > zu übernehmen. Die Frau hat ein einjähriges Kind. Ini vermutet Rassismus.
       
 (IMG) Bild: Solidarische Versammlung auf der Veddel: Jannike droht dem Vermieter mit einem „Armutszeugnis“
       
       Auf der Hamburger Elbinsel Veddel haben sich am Freitagvormittag an die 100
       Leute versammelt, um zu verhindern, dass Valeria und ihr einjähriger Sohn
       Valentin am 31. Oktober aus ihrer Wohnung fliegen. Aufgerufen hat
       „Wilhelmsburg Solidarisch“, eine Initiative, die sich gegen soziale
       Ungleichheit richtet und für ein „besseres Leben für alle“ kämpft.
       
       Die Veddel ist eine der Hamburger Elbinseln, eingeklemmt zwischen der
       Autobahn und der Bahnlinie nach Hannover. Die Mieten sind noch
       vergleichsweise günstig. [1][Mehr als 75 Prozent der knapp 4.400 Bewohner
       haben einen Migrationshintergrund]. Auch viele Studenten wohnen hier.
       Letztere hat die Stadt [2][mit einem Förderprogramm auf die Insel gelockt].
       
       Die Protestierenden skandieren am Freitag „Gerkens und Blunck – jetzt
       gibt’s Stunk“. Wilhelmsburg Solidarisch hat eine Musikanlage aufgebaut, aus
       der „Our house, in the middle of the street“ klingt. Kaffee von Aroma
       Zapatista wird ausgeschenkt.
       
       Das Mehrfamilienhaus aus Backstein, vor dem die angemeldete Kundgebung
       stattfindet, gehört der Vermögensverwaltung Gerkens und Blunck. In Hamburg
       sowie im Umland hat sie Mietwohnungen in 20 Objekten im Angebot – vom
       Einzelhaus bis zum ganzen Straßenzug.
       
       Valerias Problem ist, dass sie nur einen Untermietvertrag besitzt. Der
       Hauptmieter hat vor Monaten gekündigt. Seither ist Valeria, zum Teil mit
       Unterstützern aus der Initiative, mehrfach im Büro von Gerkens und Blunck
       vorstellig geworden mit der Bitte, den Hautmietvertrag übernehmen zu
       dürfen. Die Vermögensverwaltung lehnte ab.
       
       ## Kein Deutsch als Ausschlussgrund
       
       Aus Sicht Valerias ist das unverständlich, schließlich würde das Jobcenter
       die Miete übernehmen, und eine Bürgin für den Fall ausbleibender
       Mietzahlungen konnte sie auch beibringen. Die Hausverwaltung habe ihre
       Ablehnung damit begründet, dass die Wohnung bereits neu vermietet sei,
       berichtet Valeria.
       
       Ob sie denn eine andere Wohnung aus dem Bestand von Gerkens und Blunck
       bekommen könne? – Nein. Jannike von Wilhelmsburg Solidarisch kann das nicht
       nachvollziehen, schließlich biete die Firma im Internet freie Wohnungen an.
       
       Vertreter der Initiative begleiteten Valeria auch bei Gesprächen mit der
       Hausverwaltung. Dabei sei von der Verwaltung als Begründung für die
       Ablehnung angeführt worden, Valeria spreche zu schlecht Deutsch und könne
       deshalb den Mietvertrag nicht verstehen. „Derlei rassistische Ausgrenzung
       ist nicht hinzunehmen“, empört sich Wilhlemsburg Solidarisch in einem
       Flugblatt.
       
       Den Leuten von der Initiative ist klar, dass Valeria rechtlich einen
       schweren Stand hat. Sie appellieren deshalb an das soziale
       Verantwortungsgefühl des Vermieters. „Soziale Verantwortung tragt auch
       ihr“, heißt es auf einem Transparent. Auf eine entsprechende Mahnung hin
       habe die Hausverwaltung geantwortet, sie wäre ja nicht die [3][Saga, also
       das städtische Wohnungsunternehmen] der Stadt, sondern vermiete
       privatwirtschaftlich.
       
       Wilhelmsburg Solidarisch hat da andere Vorstellungen: „Wir stehen dem
       [4][Konzept der gewinnbringenden Vermietung ablehnend gegenüber]“, sagt
       Bastian Satthoff, Mitorganisator der Kundgebung. Man dürfe private
       Vermieter nicht darüber entscheiden lassen, wer in einem Viertel wohnen
       darf.
       
       „Die Wohnung ist für viele von uns mehr als nur eine Immobilie“, sagt
       Satthoff. „Jemandem die Wohnung zu nehmen, ist ein Angriff auf das Leben.“
       Die Initiative hofft deshalb, dass sich Gerkens und Blunck doch noch ein
       Herz fassen. „Wir sind gesprächsbereit“, versichert Jannike.
       
       Falls es nicht dazu kommen sollte, hat Wilhelmsburg Solidarisch schon mal
       ein „Armutszeugnis“ vorbereitet, das es der Vermögensverwaltung
       öffentlichkeitswirksam übergeben würde.
       
       [5][Gerkens und Blunck] äußerte sich auf Anfrage der taz nicht zu den
       Vorwürfen.
       
       23 Oct 2026
       
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 (DIR) [5] https://gerkens-blunck.de/
       
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