# taz.de -- Elektroingenieur über die Antarktis: „Ich dachte, ich spiele viel Gitarre“
       
       > Michael Trautmann war als Techniker auf der Forschungsstation Neumayer
       > III in der Antarktis. Monatelang sah er nur Eis – und dieselben acht
       > Leute.
       
 (IMG) Bild: Forschender Kollege vor farbenfrohen Eisbergen: Foto von Michael Trautmann aus seiner Zeit in der Antarktis
       
       taz: Herr Trautmann, Sie waren insgesamt 70 Wochen als Elektroingenieur auf
       der [1][Forschungsstation Neumayer III] in der [2][Antarktis]. Was haben
       Sie gesehen, wenn Sie morgens aufgewacht sind und aus dem Fenster geschaut
       haben? 
       
       Michael Trautmann: Eine Eislandschaft und in sechs Kilometern Entfernung
       Eisberge. Hinter den Eisbergen kam im Sommer das offene Meer. Im Winter ist
       das Meer zugefroren und es frieren nochmal viele Eisberge fest. Früh am
       Morgen kann es sein, dass man Polarlichter sieht. Wenn es stürmt, sieht man
       gar nichts mehr. Nur weiß.
       
       taz: Wie ist es mit dem Tag-Nacht-Wechsel? 
       
       Trautmann: Im Winter ist es zwei Monate dunkel, im Sommer zwei Monate hell.
       Im Sommer ist es eintönig, aber im Winter wird die Landschaft farbig. Der
       Schnee reflektiert den Himmel und leuchtet grün oder auch magentafarben.
       
       taz: Wie sah Ihr Arbeitsalltag auf der Station aus? 
       
       Trautmann: Man steht gegen sieben Uhr auf. Im Sommer muss man aufpassen,
       dass man genug schläft, weil man nicht müde wird, wenn es immer hell ist.
       Der Tag startet mit einer Teambesprechung und dann gibt es alles Mögliche
       an technischer Arbeit. Ich war als Elektroingenieur auf der Station, aber
       meine Arbeit war nur zehn Prozent Elektrotechnik und der Rest alles
       Weitere. Zum Beispiel haben wir ein Blockheizkraftwerk ausgetauscht. Oder
       ich habe Schneemobile und Pistenbullys repariert. Oder die Klär- und
       Windkraftanlage gewartet.
       
       taz: Hatten Sie ein eigenes Zimmer? 
       
       Trautmann: Im Winter hat man sein eigenes Zimmer. Im Sommer gibt es eine
       Übergabe, da teilt man sich sechs bis acht Wochen ein Zimmer mit dem
       Vorgänger. Bei der Sommerexpedition hatte ich einen Pistenbully, in dem ich
       geschlafen habe. Der hatte hinten eine Kabine. Das kann man sich vorstellen
       wie einen Camper.
       
       taz: Im Winter sind es nur neun Leute, die acht Monate zusammen auf der
       Station leben. Wie schafft man es, dass alle miteinander klarkommen? 
       
       Trautmann: Wir hatten vier Monate Vorbereitungszeit, in der wir
       größtenteils in WGs zusammengelebt haben. Wir haben gemeinsam Lehrgänge
       absolviert und sind zusammen in die Alpen gefahren, wo wir uns in eine
       Gletscherspalte abgeseilt und im Zelt übernachtet haben. Da ging es darum,
       zu schauen, wo unsere Grenzen liegen und ob das Team sich versteht. Es kann
       sein, dass in dieser Zeit eine Person ausgewechselt wird oder selbst
       erkennt, dass es nicht passt. Das war bei uns aber nicht der Fall.
       
       taz: Wie haben Sie Ihre Freizeit auf der Station gestaltet? 
       
       Trautmann: Am Anfang dachte ich, ich spiele viel Gitarre, aber das habe ich
       dann nicht so viel gemacht. Ich war viel draußen und habe fotografiert.
       
       taz: Wie war die Internetverbindung? 
       
       Trautmann: Wir hatten relativ langsames Internet. Wir mussten uns
       absprechen, wenn jemand einen Film oder Bundesliga streamen wollte. Dann
       mussten alle anderen raus. Das hat sich geändert mit Starlink. Jetzt gibt
       es so schnelles Internet wie zu Hause.
       
       taz: „Die Zeit dehnt sich“ heißt es in dem [3][Theaterstück „Polaris“] über
       das Leben auf der Neumayer-Station III. Stimmt das? 
       
       Trautmann: Für mich ging die Zeit schnell vorbei, weil ich viel zu tun
       hatte. Wir haben eher Späße gemacht, dass wir den 36-Stunden-Tag einführen
       könnten, als es nicht mehr dunkel wurde. Und wir hatten gemeinschaftliche
       Aktionen in der Freizeit. Spaten-Weitwurf zum Beispiel.
       
       taz: Wozu brauchen Sie auf der Station Spaten? 
       
       Trautmann: Die [4][Station steht ja auf Stelzen]. Die mussten wir
       abdichten, damit sich der Raum unter der [5][Station] nicht mit Schnee
       füllt.
       
       taz: Wie kalt war es da? 
       
       Trautmann: Im Sommer sind so Minus 5 Grad im Schnitt. Aber im Winter wird
       es bis zu Minus 48 Grad. Da überlegt man sich zweimal, ob man rausgeht.
       
       5 Nov 2026
       
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