# taz.de -- Privatjets am Hamburger Flughafen: Mal schnell nach Sylt
> Der Umweltverband Robin Wood legt Studie zur Klimabelastung von
> Privatjets vor. Die Luxusmobilität auf Kosten der Allgemeinheit müsse
> gestoppt werden.
(IMG) Bild: Natürlich im Privatjet: Reality-TV-Star Kim Kardashian landet 2024 in Hamburg
Wohin fliegen Leute im Privatflugzeug von Hamburg aus am häufigsten? Nach
Palma de Mallorca, und gleich danach kommt Sylt. Aus Sicht der
Umweltorganisation Robin Wood ist das ein starkes Indiz dafür, dass die
vielen Tausend Privatflüge von und zum Hamburger Flughafen sehr viel mit
Luxus zu tun haben – einem Luxus, den sich die Stadt im Lichte ihres
Klimaschutzziels nicht leisten kann.
„Die Luxus-Mobilität sehr weniger sehr wohlhabender Menschen geht zulasten
der Allgemeinheit und des Klimas“, sagt Merle Riebandt von Robin Wood. „Wir
wollen Hamburg zu einer gerechteren Stadt machen und fordern daher als
Sofortmaßnahme ein Start- und Landeverbot für Privatjets am Hamburger
Airport.“
Einer Studie zufolge, die die Umweltschutzorganisation bei dem
niederländischen Forschungsinstitut CE Delft in Auftrag gegeben hat, sind
in den vergangenen drei Jahren durchschnittlich rund 7.000 Privatjets in
Hamburg gestartet oder gelandet. „Hamburg liegt damit konstant auf Platz
drei der von Privatfliegern meistgenutzten Airports innerhalb
Deutschlands“, heißt es in einer Pressemitteilung von Robin Wood.
In den Jahren 2023 bis 2025 gab es 448 Abflüge nach Palma de Mallorca, 441
nach Sylt, 333 nach München sowie 308 nach Berlin, um die Top-Destinationen
zu benennen. Nach Palma zu fliegen, mag naheliegend sein, nach München
schon weniger. Sylt ist mit der Bahn von Hamburg aus in drei Stunden zu
erreichen, Berlin in weniger als zwei Stunden. Fragt sich also, ob es
solche Ziele rechtfertigen, die Mengen an CO₂ rauszuballern, die die
Delfter Forscher ermittelt haben.
## 370.000 Mal mit dem Auto nach Berlin
Die in Hamburg startenden und landenden Privatjets haben pro Jahr jeweils
rund 40.000 Tonnen klimaschädliche Aquivalente erzeugt. Fast ein Viertel
dieser Menge entstand dabei nicht direkt durch Verbrennung oder Lieferung
von Kraftstoff, sondern aus den indirekten Effekten des Flugverkehrs – also
der Klimawirkung von Kondensstreifen, Ruß und Stickoxiden.
Zwar sind die 7.000 Starts und Landungen von Privatflugzeugen nur ein
kleiner Teil der zuletzt insgesamt 127.000 Starts und Landungen vom
Hamburger Flughafen. Dass sie gleichwohl relevant sind, illustrieren die
Delfter Studienautoren mit einer Reihe von Vergleichen.
Für die 20.000 Tonnen CO₂-Äquivalent, die 3.000 Flüge im Privatjet
erzeugen, könnte man 370.000 Mal von Hamburg nach Berlin fahren. Einen
durchschnittlichen Privatflug setzten die Studienautoren mit sechs Tonnen
CO₂-Äquivalent an – so viel wie ein durchschnittlicher EU-Bürger in acht
Monaten ausstoße.
Angesichts dieses nicht ganz unbeträchtlichen Outputs sieht Robin Wood den
Hamburger Senat und die Bürgerschaft in der Pflicht, zu handeln. „In Zeiten
der Klimakrise ist die Frage, wo am ehesten Emissionen eingespart werden
können“, sagt Campaignerin Riebandt – und das ist bei den aus ihrer Sicht
unnötigen Privatflügen.
Das gelte umso mehr, als das Hamburger Wahlvolk ja vor einem Jahr Hamburgs
Klimaziel verschärft hat: Statt 2045 soll die Stadt schon 2040 klimaneutral
sein. Nach der [1][Schätzbilanz für 2025 sind die Emissionen zuletzt jedoch
noch einmal gestiegen]. Der Handlungsdruck ist also groß.
Dazu kommt konstanter Druck von anderer Seite – derjenigen, die sich durch
Fluglärm belastet fühlen. „Privatjets sind nicht nur ein Klimaproblem,
sondern auch ein Fluglärmproblem“, sagt Martin Mose, Vorsitzender der
[2][Bundesvereinigung gegen Fluglärm (BIG Fluglärm) in Hamburg]. „Die
Belastung tragen die Menschen in den An- und Abfluggebieten, während von
diesen Flügen nur wenige profitieren.“
Mosel zufolge fehlt bisher eine transparente Darstellung, welchen Anteil
Geschäftsflüge im Privatjet an den Flugbewegungen und der Lärmbelastung in
Hamburg hat. Diese Flüge müssten gesondert erfasst werden, einschließlich
der Flugzeiten.
Der Hamburger Flughafen weist darauf hin, dass der Begriff Privatjet häufig
sehr pauschal verwendet werde. „Eine eigene Kategorie Privatjet gibt es
nicht“, teilte eine Sprecherin mit. Die Flüge der Allgemeinen Luftfahrt
würden am General Aviation Terminal (GAT), also dem Geschäftsfliegerzentrum
abgefertigt. Wirtschaftlich gesehen sei das im Verhältnis zum Gesamtbetrieb
ein sehr kleiner Bereich.
Unter die Allgemeine Luftfahrt fallen der Sprecherin zufolge neben den
Flügen für Unternehmen und Institutionen auch Organtransporte,
Rettungsflüge, Militär- oder Schulungsflüge. Im laufenden Jahr seien
abzüglich medizinischer Flügel lediglich 85 solcher Flüge im lärmkritischen
Zeitraum von 22 bis 23 Uhr abgewickelt worden. Später darf in Hamburg nur
ausnahmsweise gelandet werden.
Die [3][Delfter Studie ermittelte die Privatflüge] über die Portale Flight
Radar 24 und Private Jets Tracker, der vom Institute for Policy Studies und
dem Projekt Tax Private Jets erstellt wird. Die Jets sind dabei einfach
Flugzeuge, nicht unbedingt mit Düsenantrieb, wie der Begriff suggeriert.
Die Wirtschaftsbehörde war am Donnerstagnachmittag für eine Stellungnahme
nicht zu erreichen.
29 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Neue-Emissionsbilanz/!6171300
(DIR) [2] /Fluglaerm-Buergerinis-verlassen-Dialog/!6079504
(DIR) [3] https://www.robinwood.de/sites/default/files/ce_delft_260230_private_jets_hamburg_airport_robin-wood.pdf
## AUTOREN
(DIR) Gernot Knödler
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