# taz.de -- „Deepwater Horizon“-Katastrophe: Tierbestände im Golf von Mexiko sind geschrumpft
       
       > Bei der Explosion der Bohrinsel „Deepwater Horizon“ 2010 strömte extrem
       > viel Öl ins Meer – mit verheerenden Folgen für Meerestiere, wie eine neue
       > Studie zeigt.
       
 (IMG) Bild: Ein toter Fisch treibt 2010 im ölverseuchten Wasser vor der Küste von Louisiana (USA)
       
       ap | In den Tiefen des Golfs von Mexiko sind die Bestände verschiedener
       Meerestiere nach der Explosion auf der Bohrinsel „Deepwater Horizon“ stark
       eingebrochen. Laut einer Studie, die am Montag in der Fachzeitschrift
       Proceedings of the National Academy of Sciences ([1][PNAS]) veröffentlicht
       wurde, beläuft sich der Rückgang der Bestände der untersuchten Tiergruppen
       in dem Gebiet auf etwa 60 Prozent.
       
       Die Zahl der erfassten Fische in dem Gebiet lag bei Untersuchungen von 2015
       bis 2023 durchschnittlich um 63,5 Prozent unter dem Wert einer Untersuchung
       von 2011. Bei Krebstieren, [2][darunter Garnelen und Krill], betrug der
       Rückgang 62 Prozent. Die Bestände an Kopffüßern, zu denen Kalmare und
       Kraken gehören, schrumpften um 59,7 Prozent. Die Studienmacher glauben,
       dass die Ölkatastrophe vor mehr als 16 Jahren für den Rückgang
       verantwortlich ist.
       
       Bei der [3][Explosion auf der vom Ölkonzern BP betriebenen Plattform] im
       April 2010 kamen elf Menschen ums Leben. Aus dem beschädigten Bohrloch
       strömten nach Angaben der US-Meeresbehörde Noaa Hunderte Millionen Liter
       Rohöl in den Golf von Mexiko.
       
       Studienleiter Tracey Sutton, biologischer Ozeanograf an der Nova
       Southeastern University im US-Bundesstaat Florida, sagt, die betroffene
       Meeresregion sei vor der Katastrophe kaum untersucht worden. Eine
       Forschungsexpedition im Jahr 2011 lieferte den Wissenschaftlern erstmals
       umfangreiche Daten über die dortige Tierwelt.
       
       ## Explosion der Bohrinsel als „wahrscheinlichste Ursache“
       
       Dreieinhalb Jahre später kehrten die Forscher:innen zurück – und
       stellten einen dramatischen Rückgang vieler Bestände fest. Also habe sich
       die Frage nach der Ursache gestellt.
       
       Die Wissenschaftler:innen prüften, ob natürliche Veränderungen der
       Wassertemperatur, des Sauerstoffgehalts oder des Nahrungsangebots den
       Rückgang erklären könnten. Keine der Variablen habe das geleistet. Anders
       sehe es mit der Ölkatastrophe aus. „Also denken wir, dass das die
       wahrscheinlichste Ursache des Rückgangs ist“, sagt Sutton.
       
       Nach 2015 blieben die Bestände auf niedrigem Niveau. Zwar verzeichneten die
       Forscher:innen 2022 und 2023 einen leichten Anstieg, dieser sei jedoch
       statistisch nicht signifikant und vor allem nicht von Dauer gewesen.
       
       Bei den untersuchten Laternenfischen liege der Bestand nur noch bei einem
       Drittel des ursprünglichen Niveaus. Die Krill-Population sei um 72 Prozent
       zurückgegangen. Auch unter den Drachenfischen sei der Rückgang erheblich.
       „Es handelt sich hier um Schlüsselarten“, sagt Sutton. Sie dienten vielen
       anderen Tieren als Nahrungsgrundlage.
       
       Die Forschenden untersuchten die Meereslebewesen auch genetisch. Dabei
       fanden sie [4][Hinweise auf abnehmende Vielfalt]. Laut Sutton reicherten
       sich Schadstoffe in den Eiern der Tiere an, die nicht unmittelbar nach der
       Explosion starben. Nachfolgende Generationen seien zunehmend geschwächt und
       in ihrer Lebensfähigkeit beeinträchtigt gewesen.
       
       ## Auch Bekämpfung der Ölkatastrophe hatte Folgen
       
       Zu den Schäden könnten auch die Chemikalien beigetragen haben, mit denen
       [5][das ausgelaufene Öl] bekämpft wurde. Sowohl das Öl selbst als auch die
       eingesetzten Dispergiermittel hätten Fischen geschadet, erläutert Isabel
       Romero von der University of South Carolina, eine Mitautorin der Studie.
       
       Die neuen Ergebnisse zeigten deutlich, dass in dieser Meeresregion etwas
       gewaltig schiefgelaufen sei, schrieb Kaitlin Frasier von der Scripps
       Institution of Oceanography, die nicht an der Studie beteiligt war, der
       Nachrichtenagentur AP in einer E-Mail. Frasier selbst veröffentlichte vor
       zwei Jahren eine Studie über Wale und Delfine im Golf von Mexiko. Darin
       stellte sie Bestandsrückgänge von bis zu 83 Prozent fest.
       
       22 Oct 2026
       
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