# taz.de -- Sicherheitslücke in Programmiersprache: Internetseiten teilweise noch offline
> Weltweit waren zahlreiche Internetseiten abgeschaltet. Auch in
> Deutschland warnen die Behörden vor Schwachstellen in der
> Programmiersprache PHP.
(IMG) Bild: Auch nicht erreichbar: das Städtische Klinikum Braunschweig
afp/dpa | Nach dem Bekanntwerden einer gravierenden Sicherheitslücke in der
Web-Programmiersprache PHP haben Regierungsbehörden und Unternehmen
weltweit zahlreiche Internetseiten vorsorglich abgeschaltet. In Europa
waren am Mittwoch unter anderem Websites in Deutschland, Frankreich, den
Niederlanden und Belgien betroffen. Der US-Geheimdienst National Security
Agency (NSA) und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik
(BSI) in Bonn [1][hatten wegen der Gefahr von Cyberangriffen dringend zu
diesem Schritt geraten]. Zudem rieten sie zur „umgehenden“ Installation
eines Sicherheitsupdates. BSI-Vizepräsident Thomas Caspers warnte auch
Nutzer vor kompromittierten Websites.
Die Sicherheitslücke könne es Hackern ermöglichen, sich „direkten Zugriff“
auf Datensysteme oder Server-Datenbanken zu verschaffen, warnte die NSA.
„Kritische Schwachstellen innerhalb der Programmiersprache PHP bedrohen
aktuell weltweit Webanwendungen“, erklärte das BSI.
Das Sicherheitsupdate wurde am Mittwoch zur Verfügung gestellt. Gelinge
dies nicht, sollten die Internetseiten vorsorglich abgeschaltet werden,
rieten NSA und BSI. Sonst könnten Cyberangreifer Server ohne ein Passwort
übernehmen.
PHP ist eine beim Erstellen von Websites und Webanwendungen weltweit
verbreitete Programmiersprache. Laut BSI sind vermutlich alle Versionen bis
mindestens PHP 5 betroffen. „Wenn Sie PHP einsetzen, ist es zwingend
erforderlich, dass Sie jetzt ein Update vornehmen“, erklärte die
PHP-Stiftung in einem Blogbeitrag.
Betroffen sind nur Websites, die PHP auf eigenen Servern betreiben. Viele
große Plattformen basieren auf anderen Programmiersprachen oder verfügen
über Betreiber, die das Sicherheitsupdate zügig einspielen konnten, sodass
sie weiterhin online bleiben konnten.
## Behörden in Deutschland waren offline
In Deutschland nahmen am Mittwoch Landes- und Polizeibehörden sowie mehrere
Städte ihre Angebote vorsorglich aus dem Netz, um Updates aufzuspielen.
Am Morgen waren manche Angebote wieder freigeschaltet, darunter viele
Internetseiten in Rheinland-Pfalz und im Saarland. Auch in Thüringen sind
seit dem späten Mittwochabend viele Seiten wieder online, darunter jene der
Staatskanzlei, der Landespolizei und des Innenministeriums.
Auch mehrere Online-Services der Polizei in Nordrhein-Westfalen waren nach
Behördenangaben wieder am Netz. „Nach intensiven Arbeiten konnten die
Seiten wieder in Betrieb genommen werden“, teilte das Landesamt für
Zentrale Polizeiliche Dienste mit. Andere prominente Webseiten in
Nordrhein-Westfalen waren allerdings auch heute nicht erreichbar.
Die [2][Berliner Polizei] meldete Ausfälle der „Internetwache“, über die
Anzeigen gestellt werden können, und verwies auf die Notfallnummer 110.
Betroffen war auch die Berliner Universitätsklinik Charité. Zudem nahmen
zahlreiche Städte ihre Online-Angebote vorübergehend vom Netz, darunter
München, Flensburg und Saarbrücken.
In Frankreich waren die Internetauftritte mehrerer Behörden, unter ihnen
die Pariser Polizei, nicht mehr erreichbar. In Belgien war unter anderem
die Website des Außenministeriums offline. In den Niederlanden waren der
digitale Identitätsdienst DigiD, die Parlamentswebsite und der
Internetauftritt des nationalen Cybersicherheitszentrums betroffen.
In Australien teilte das Australian Signals Directorate laut dem
australischen öffentlich-rechtlichen Sender ABC mit, dass auch die eigene
Website cyber.gov.au zu den von den Sicherheitslücken betroffenen
Regierungswebsites gehöre. Nach Angaben der Wikimedia-Stiftung war auch das
von ihr betriebene Online-Lexikon Wikipedia betroffen, die Nutzer sollten
daher mit Ausfällen rechnen.
## Auch Apps betroffen
Wie das Gaming-Nachrichtenportal Kotaku meldete, wurden am Mittwoch auch
mehrere Apps der erfolgreichen Pokémon-Spiele offline geschaltet. In einem
Fall wurden dabei Sicherheitsmaßnahmen als Grund genannt.
Die Schwachstellen waren im August von der Sicherheitsfirma Calif und dem
ChatGPT-Entwickler OpenAI gemeldet worden, die sie unabhängig voneinander
am selben Tag entdeckt hatten. Wiz meldete später weitere Möglichkeiten,
sie auszunutzen.
Nach Einschätzung von Wiz basieren etwa 70 Prozent der weltweiten Websites
auf PHP. Das Unternehmen bezeichnete die [3][Sicherheitslücken] als „eine
der schwerwiegendsten Schwachstellen, die jemals in PHP – und womöglich in
der gesamten Softwaregeschichte – entdeckt wurden“.
Die Schwachstellen wurden den PHP-Entwicklern zunächst vertraulich gemeldet
und blieben unter Verschluss, während an einer Lösung gearbeitet wurde.
Details wurden am Dienstag – einen Tag vor der geplanten Veröffentlichung
des Updates – online geleakt. Dies führte zur vorsorglichen Abschaltung
vieler Websites.
## Neueste Version aufspielen
Laut BSI-Vizepräsident Thomas Caspers konnte „bis zum jetzigen Zeitpunkt“
noch nicht beobachtet werden, „dass eine große Schadwirkung eingetreten
ist“. „Allerdings, wer heute noch nicht seine Webanwendungen patcht und
eben die neueste Version aufspielt, läuft wirklich Gefahr, jetzt sehr
kurzfristig dann doch betroffen zu sein“, sagte Caspers am Mittwochabend in
den ARD-„Tagesthemen“ mit Blick auf die Aktualisierung der
Sicherheitsupdates. Es sei davon auszugehen, dass nicht alle Betreiber die
Updates installierten. „Dann werden wir auch die ersten Schäden sehen.“
„Wer heute noch nicht seine Webanwendungen patcht und eben die neueste
Version aufspielt, läuft wirklich Gefahr, jetzt sehr kurzfristig dann doch
betroffen zu sein“, warnte er. Nutzer sind laut Caspers zunächst jedoch
nicht betroffen. Allerdings sollten Verbraucher darauf achten „und auch
damit rechnen“, dass in den nächsten Tagen über möglicherweise
kompromittierte Webseiten versucht werden könnte, „Schadgut auch auf ihren
Systemen“ zu installieren.
Der KI-Experte Ethan Mollick von der US-Elitehochschule University of
Pennsylvania warnte zugleich, dass Unternehmen Mühe hätten, mit dem Tempo
der Updates Schritt zu halten, die zum Schutz vor [4][KI-gestützten
Cyberangriffen] erforderlich seien. Auch Verbraucher würden nun die
Erfahrung machen, „dass alles häufig und schnell aktualisiert wird“,
schrieb er auf X.
22 Oct 2026
## LINKS
(DIR) [1] http://www.bsi.bund.de/DE/Service-Navi/Presse/Pressemitteilungen/Presse2026/261021_PHP-kritische-Schwachstelle.html
(DIR) [2] /Fiasko-nach-Hackerangriff-in-Berlin/!6210542
(DIR) [3] /Cybersicherheitsmonitor-2026/!6177778
(DIR) [4] /Cyberattacke-von-OpenAI-Bots-im-Juli-Das-sollte-uns-beunruhigen/!6209416
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