# taz.de -- Störungen bei Starlink: Der Donald, der Elon und die Frage der Schuld
       
       > Elon Musks satellitenbasiertes Internet Starlink kann von der Ukraine
       > derzeit nur in gedrosselter Geschwindigkeit im Krieg genutzt werden. Na
       > sowas?
       
 (IMG) Bild: Der Elon und der Donald beim Start einer Space-X – Rakete. Wer Starlink in der Ukraine behindert ist unklar
       
       Wer entweder alt genug oder noch sehr jung ist, kennt dieses Kinderspiel.
       „Der Max hat die Kekse aus der Dose geklaut!“, schreit einer, daraufhin
       Max: „Wer, ich?“, und alle: „Ja, du!“ Max: „Niemals!“ Alle: „Wer dann?“
       Max: „Die Susi hat die Kekse aus der Dose geklaut!“ Susi: „Wer, ich?“ Und
       immer so weiter, bis es langweilig wird.
       
       Auf ungefähr diesem Niveau streiten gerade US-Präsident Donald Trump und
       der reichste Mann der Welt, Elon Musk, über die Frage, wer dafür
       verantwortlich ist, dass Musks satellitenbasiertes Internet Starlink in
       seiner militärischen Version von der Ukraine derzeit nur [1][in
       gedrosselter Geschwindigkeit genutzt werden kann]. Nur ist das nicht ganz
       so lustig: Weil Vorwarnzeiten für russische Angriffe fehlen oder stark
       verkürzt sind, sterben jeden Tag in der Ukraine Menschen. Musk behauptet,
       über das militärische „Starshield“-Programm entscheide der
       Oberbefehlshaber, also Trump. Der wiederum behauptet, er habe damit nichts
       zu tun.
       
       Nehmen wir einmal wider aller Erfahrung und Wahrscheinlichkeit an, Trump
       würde die Wahrheit sagen. Dann hieße das, dass Elon Musk inzwischen nicht
       mehr nur die Macht hätte, eines der größten sozialen Netzwerke zur
       stinkenden Kloake zu machen, dass er nicht nur Abermillionen einsetzt, um
       Wahlen in den USA zugunsten der Rechten zu beeinflussen, sondern dass er
       auch ein eigenständiger militärischer Akteur wäre, der sich von den
       Weisungen der Politik nicht mehr gebunden fühlt. Das wäre dystopisch. Man
       stelle sich vor, [2][Rheinmetall-Chef Armin Papperger] entschiede
       selbstständig, die jüngst von der Bundesregierung bestellte Panzerlieferung
       besser nicht auszuliefern, oder lieber an Russland, oder eine eigene Armee
       aufzustellen. Der Einsatz militärischer Gewalt und Machtmittel wäre dem
       letzten Rest demokratischer Kontrolle entzogen.
       
       So weit ist es wohl noch nicht. Wahrscheinlicher ist, dass Trump einfach
       macht, was er immer tut: Den Ruhm für ausgedachte Erfolge für sich
       beanspruchen und jede Verantwortung für die realen Folgen seiner Politik
       ablehnen, sofern die nachprüfbar desaströs sind.
       
       Mit solchen Spielen kennen sich Geheimdienste aller Seiten aus.
       „Deniability“ heißt es im Englischen, „Abstreitbarkeit“, wenn Operationen
       ihre bedrohliche Wirkung entfalten, zum Beispiel russische [3][hybride
       Kriegsführung in Deutschland], ohne dass sie beweissicher dem Kreml
       zugeordnet werden können. Im Fall Starlink wird das nun auch versucht.
       Dabei ist doch eigentlich offensichtlich: Der Donald hat die Kekse aus der
       Dose geklaut.
       
       23 Oct 2026
       
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