# taz.de -- USA vor den Midterms: Forever Trump?
       
       > Als Donald Trump das erste Mal US-Präsident wurde, erklärten Samuel
       > Cosmano und andere der taz, warum sie ihn wählten. Wie sehen sie seine
       > Politik heute?
       
 (IMG) Bild: Sonne ist gut fürs Geschäft, die Leute wollen ihr Auto glänzen sehen: Samuel Cosmano vor seinem Car Wash
       
       Samuel Cosmano freut sich. „Ist er nicht peinlich?“ Er grinst. „Ist er
       nicht wirklich sehr peinlich?“ Das Grinsen wird breiter. „Er ist kein
       toller Redner, er ist kein Politiker.“ Kunstpause. „Und das gefällt mir.“
       
       Mit diesen Worten beginnt [1][eine taz-Reportage aus dem Sommer 2017].
       Donald Trump regierte damals zum ersten Mal die USA, und Samuel Cosmano,
       ein fröhlicher 51-Jähriger mit braunen Locken, war zufrieden. Er lebte mit
       seiner Familie in East Aurora, einer kleinen wohlhabenden Stadt in der Nähe
       von Buffalo im Bundesstaat New York. Hier betrieb er einen Car and Dog
       Wash, einen Waschsalon für Autos und Hunde. Er und seine Freunde aus dem
       Ort hielten den Präsidenten damals für einen geschickten Geschäftsmann, der
       erst Maximalforderungen stellt, um dann etwas Besseres herauszuhandeln.
       Seine Grobheiten sahen sie als gewiefte Taktik.
       
       Heute, neun Jahre und anderthalb Amtszeiten Trumps später, klingt Samuel
       Cosmano etwas zurückhaltender. An einem Donnerstagmittag Anfang Oktober
       sitzt er in einer Gaststätte in East Aurora, um wieder mit der taz über den
       US-Präsidenten zu sprechen. Die Haare des 60-Jährigen sind grau meliert und
       kurz geschnitten. Er hat sich für den Tisch gleich neben dem Eingang
       entschieden, so kann er alle begrüßen, die er kennt, und das sind viele.
       „Good to see you.“ Fester Handschlag, röhrende Stimmen, die ein wenig so
       klingen wie die Motoren der Pickup-Trucks vor der Tür. Hinter dem hölzernen
       Tresen flimmert Baseball über einen Bildschirm.
       
       „Trump hat eine eigenwillige Persönlichkeit. Er ist sehr direkt, und ja,
       das kommt vielleicht taktlos rüber“, sagt Samuel Cosmano heute. „Manchmal,
       wenn ich ihn reden höre, ist mir das auch unangenehm.“ Dass Trump den nur
       eine Stunde nördlich gelegenen Lake Ontario an der Grenze zu Kanada in
       „Lake America“ umbenennen wolle, sei so ein Beispiel. Cosmano verzieht das
       Gesicht. „Das ist albern.“ Dann wird er ernst, sagt mit Nachdruck: „Ich
       glaube trotzdem, dass Trump schlau ist. Er ist street smart. Und er bewegt
       etwas.“
       
       Nun bewegt Trump zweifellos ziemlich viel. Unter anderem hat er Zölle
       gehoben und gesenkt, Hunderttausende Menschen abschieben lassen, den Iran
       angegriffen und sich mit dem nahen Kanada verkracht. Was Samuel Cosmano
       dazu sagt?
       
       Der erste Absatz dieses Textes stammt aus einer Reportage der verstorbenen
       [2][Kollegin Bettina Gaus]. Sie war vor Trumps erster Präsidentschaft 2016
       durch die USA gereist, unter anderem in den Bundesstaat New York, und hatte
       mit vielen gesprochen, die ihn wählen wollten. Auch wegen dieser Gespräche
       war sie früh überzeugt, dass Trump gegen Hillary Clinton gewinnen würde.
       
       Im Sommer 2017 kehrte sie noch einmal nach East Aurora und Buffalo zurück,
       um zu hören, wie Trump als Präsident bei denen, die für ihn gestimmt
       hatten, denn nun ankommt. Sie redete mit Samuel Cosmano und seinen
       Freunden. Mit Mary Stang-Cooke, die für die Republikaner auf lokaler Ebene
       lange Stadträtin war. Und mit Jen Griesbaum, die für eine demokratische
       Politikerin arbeitet und trotzdem für Trump gestimmt hatte.
       
       Kommende Woche stehen in den USA die Midterms an, die wichtigen
       Zwischenwahlen. Was denken jene Trump-Wähler*innen von damals heute über
       den US-Präsidenten und seine Politik? Haben sich ihre Hoffnungen erfüllt,
       sind sie enttäuscht?
       
       Bei den Midterms wird das gesamte Repräsentantenhaus neu gewählt und ein
       Drittel der Sitze im Senat. Üblicherweise schneidet die Partei des
       amtierenden Präsidenten bei den Zwischenwahlen schlechter ab. Hinzu kommt
       die Unbeliebtheit Donald Trumps: In einer aktuellen Umfrage [3][sagten nur
       noch 31 Prozent], dass sie mit seiner Arbeit zufrieden sind, so wenige wie
       nie in beiden Amtszeiten. Vor allem die hohen Preise und der Irankrieg
       kosten ihn Unterstützung unter Republikanern. Verliert Trump auch nur eine
       der beiden Kammern des Kongresses, wäre seine Macht eingehegt. Mit einer
       Mehrheit im Repräsentantenhaus könnten die Demokraten Gesetze und den
       Haushalt blockieren und sogar ein neues Amtsenthebungsverfahren einleiten.
       Glaubt man ihnen, geht es bei den Midterms um nichts weniger als die
       Rettung der amerikanischen Demokratie.
       
       East Aurora liegt zwischen bewaldeten Hügeln, knapp 600 Kilometer
       nordwestlich von New York. Die Blätter färben sich Anfang Oktober bereits
       gelb und orange-rot. Rund 6.000 Menschen leben in der schmucken kleinen
       Stadt. Es gibt Restaurants, einen Kunst- und einen Buchladen, ein Kino und
       einen Bio-Supermarkt. Der [4][Spielzeughersteller Fisher-Price] hat in East
       Aurora seinen Sitz. Das [5][Haushaltseinkommen] lag 2024 bei 103.000 Dollar
       und damit über dem Schnitt in den USA. An den Laternen der Hauptstraße
       hängen amerikanische Flaggen und Bilder der Soldaten, die in diversen
       Kriegen gedient haben. Eichhörnchen huschen über die Wiesen, zwischen den
       Häusern sieht man öfters Rehe.
       
       Ein friedlich wirkender Ort. Aber natürlich ist die in den USA
       allgegenwärtige Polarisierung auch hier spürbar. Der Bundesstaat New York
       wählt traditionell demokratisch, was vor allem an den großen Städten liegt,
       allen voran New York. Im kleinen East Aurora stellen die Demokraten den
       Bürgermeister, doch das konservative Land ist direkt nebenan. Auch hier
       haben sich Familien und Freunde wegen Trump zerstritten. Über Politik reden
       manche am liebsten gar nicht mehr. Zu viel Konflikt, zu ermüdend.
       
       Samuel Cosmano lebt mit seiner Familie etwas außerhalb auf einer kleinen
       Farm mit Pferdestall. Den Car and Dog Wash betreibt er noch immer. 2017
       erzählte er, dass er vielleicht eine zweite Waschanlage eröffnen wolle.
       „Das hat mir meine Frau wieder ausgeredet, zu viel Stress“, erzählt er am
       Donnerstagmittag in der Gaststätte. Die Kinder seien damals noch klein
       gewesen, das Geschäft lief auch so gut. Sie konnten über die Jahre ihr Haus
       renovieren und einen Pool in den Garten bauen. Der Sohn arbeitet
       inzwischen, die Tochter studiert. Beide wohnen noch zu Hause.
       
       „Ihre Kollegin fragte damals, ob ich nicht glaube, dass Trump ein mentales
       Problem hat“, kommt Samuel Cosmano auf den Präsidenten zurück. Dazu will er
       noch was sagen. „Ja, Trump hat ein großes Ego, aber die liberalen Medien
       berichten auch nicht fair über ihn. Oder wann haben Sie das letzte Mal was
       Positives über ihn gehört?“
       
       Er selbst schaue seit Jahren keine klassischen Nachrichtensender wie CNN
       mehr. „Sie berichten voreingenommen.“ Cosmano informiert sich inzwischen
       über „unabhängige Medien“ im Internet, wie er sie nennt. Jeden Morgen hört
       er „The President’s Daily Brief“, den Podcast eines ehemaligen
       CIA-Offiziers, der [6][öfters auch bei Fox News] auftritt. Er mag Joe
       Rogan, der Trump vor der Wahl 2024 unterstützt hatte und dann wieder auf
       Distanz ging. „Da kriegt man beide Seiten.“ Manchmal höre er auch
       „Investigate Earth Conspiracy“, erzählt Cosmano mit süffisantem Lächeln.
       „Das ist ein Verschwörungskanal, aber lustig.“ Er nehme das „nicht ganz
       ernst“.
       
       Ob er in den vergangenen zehn Jahren politischer geworden ist? „Ich habe
       noch immer dieselben Überzeugungen“, antwortet er. Er sei gegen hohe
       Steuern, gegen einen starken Staat. Er sieht sich als konservativen,
       unabhängigen Geschäftsmann, „in the middle of the road“ – in der Mitte der
       Gesellschaft.
       
       Eine ältere, blonde Frau kommt herein. „Hi Sammy“, begrüßt sie ihn, „du
       siehst gut aus.“ „Ich habe 27 Pfund abgenommen, echt sexy, oder?“ „Ja, das
       bist du!“ Beide lachen.
       
       Fragt man Cosmano, was er als Businessman zu Trumps Handelskrieg mit Kanada
       sagt, der die Unternehmen beider Länder belastet, winkt er ab. „Kanada hat
       vorher schon hohe Zölle erhoben.“ Das Land importiere chinesische Waren,
       klebe ein Made-in-Canada-Schild darauf und exportiere sie in die USA. Das
       schade der amerikanischen Wirtschaft, und das ärgert ihn. Er ist generell
       schlecht auf Kanada zu sprechen, wegen der „Massenmigration“, wie er es
       nennt. „Die kanadische Regierung verrät ihr Volk“, sagt er. Er hat
       kanadische Freunde, die sähen das ähnlich. „Einer überlegt, in die USA
       auszuwandern. Er hält es dort nicht mehr aus.“
       
       Tatsächlich schützt Kanada den eigenen Markt für Milchprodukte mit hohen
       Zöllen. Darauf richtet sich die Wut in der Debatte, dabei werden die Zölle
       erst ab einer Quote erhoben, die US-amerikanische Unternehmen bislang nicht
       ausschöpften. Freihandelsabkommen regelten in der Vergangenheit einen
       weitgehend zollfreien Güterverkehr zwischen Kanada, den USA und Mexiko.
       Worauf Cosmano mit dem Wort „Massenmigration“ anspielt: Ab 2021 stieg der
       Anteil der Migrant*innen von 3 auf 7,5 Prozent der Gesamtbevölkerung
       Kanadas. Das Land organisiert seine Einwanderung über ein Punktesystem.
       Weil so viele Menschen kamen, reduzierte die kanadische Regierung die
       Quoten, stellte aber zuletzt [7][wieder mehr Zuwanderung in Aussicht].
       
       Samuel Cosmano dagegen will „geschlossene Grenzen“. Auch deshalb werde er
       bei den Zwischenwahlen wieder für Trumps Republikaner stimmen, sagt er.
       Versteht er sich als Teil der MAGA-Bewegung – Make America Great Again?
       Cosmano beugt sich über den Tisch nach vorne und senkt die Stimme. MAGA
       hafte ein Stigma an, sagt er. „Dabei heißt das doch nur: Mach Amerika
       wieder groß. Natürlich bin ich dafür. Ich wüsste nicht, wie man nicht dafür
       sein könnte.“
       
       Samuel Cosmano muss jetzt los, einen Freund aus Kalifornien vom Flughafen
       abholen. Er erzählte schon 2017 von ihm, einem ehemaligen Klassenkameraden,
       mit dem er politisch manchmal aneinander geriet. Zuletzt stritten sie sich
       in einer Chatgruppe darüber, ob Elon Musk bei Trumps Amtseinführung den
       Hitlergruß gezeigt habe oder nicht, erzählt Cosmano. „Er kann mir nicht
       sagen, was ich zu denken habe.“ Als er das schrieb, habe der Freund die
       Chatgruppe verlassen. „Doch jetzt braucht er jemanden, der ihn vom
       Flughafen abholt“, sagt er vergnügt. „Und wissen Sie was? Ich bringe ein
       paar Bier mit, und ich wette, wir haben eine gute Zeit.“
       
       Wir verabreden, das Gespräch bei einem Besuch des Car Wash fortzusetzen. Am
       Sonntag spielen zudem die Buffalo Bills, die heimische Football-Mannschaft.
       Sie haben in dieser Saison bislang nur gewonnen. Cosmano schlägt vor, das
       Spiel bei ihm auf der Farm zu schauen.
       
       Die Meinungsforschung unterscheidet bei den Republikanern zwischen
       verschiedenen Gruppen. Es gibt die MAGA-Republikaner, die weiter fest zu
       Trump halten. Aber es gibt auch jene, die sich nicht in erster Linie als
       Anhänger*innen des Präsidenten verstehen, sondern als konservativ und
       republikanisch. Sie machen etwa [8][die Hälfte der republikanischen
       Wählerschaft] aus, schreibt die Meinungsforscherin Kristen Soltis Anderson.
       Sie nennt sie die „normalen“ Republikaner. Unter denen wachse die
       Unzufriedenheit mit Trumps Politik. Wie die Midterms ausgehen, hängt
       maßgeblich davon ab, wie sie sich entscheiden.
       
       Samuel Cosmano würde man wohl eher nicht zu dieser Gruppe zählen.
       Vielleicht ja Mary Stang-Cooke.
       
       Über Nacht sind die Temperaturen gefallen, es weht ein frischer Wind auf
       Grand Island, einer Insel im Niagara nordwestlich von Buffalo. Trotzdem
       trägt Mary Stang-Cooke kurze Jeans und Sandalen. Wir treffen uns in einem
       öffentlichen Gebäude nahe des Highways. Dass das Interview mit der Frage
       beginnt, ob ihr nicht kalt sei, findet Stang-Cooke lustig. „No!“, ruft sie
       und wirft lachend den Kopf zurück. Am Vorabend war die 67-Jährige lange
       wach, weil sie noch Dill-Bohnen eingemacht hat. Das merkt man ihr nicht an,
       sie ist voller Energie.
       
       Mary Stang-Cooke saß 22 Jahre für die Republikaner im Stadtrat von Grand
       Island, einer Gemeinde mit [9][rund 22.000 Einwohner*innen]. 2015 ging
       sie in den vorzeitigen Ruhestand. Wobei Ruhestand das falsche Wort ist. Sie
       pflegte ihren Vater, dann ihre Mutter. Sie half ihrem Stiefsohn, der ein
       Restaurant eröffnete. Sie liest einmal im Monat im Gottesdienst aus der
       Bibel vor und begleitet Familien bei Trauerfällen. „Ich habe zehn Enkel und
       eine Urenkelin.“ Sie hält kurz inne, zählt nach. „Nein, neun Enkel und eine
       wunderbare Urenkelin.“
       
       Sie sei dankbar, dass in ihrer Zeit im Stadtrat die politischen
       Verhältnisse noch andere waren, ohne Social Media, „nicht so toxisch“. Mal
       hatten die Republikaner in Grand Island die Mehrheit, mal die Demokraten.
       „Um etwas zu erreichen, mussten wir Kompromisse aushandeln“, erzählt sie.
       Dass sich Demokraten und Republikaner in Washington seit Jahren gegenseitig
       blockieren, macht sie traurig. Stang-Cooke ist überzeugt: „Wenn du nicht
       miteinander reden kannst, bist du erledigt.“ Sie spricht sehr klar. Man
       kann sich vorstellen, dass sie eine harte, aber faire Verhandlungspartnerin
       war.
       
       Mary Stang-Cooke will die verbalen Ausfälle des Präsidenten nicht
       verteidigen. „Da fehlen mir die Worte.“ Zu den Vorwürfen, dass er und sein
       Umfeld Insiderwissen nutzten für Börsengeschäfte, sagt sie: „Ja, und das
       ist nicht gut.“
       
       Was Mary Stang-Cooke aber vor allem umtreibt, ist die Integrität des
       amerikanischen Wahlsystems. „Das ist ein riesiges Durcheinander. Es ist
       schwer, die Wahrheit zu erfahren. Irgendetwas stimmt nicht“, sagt sie. Sie
       glaube, dass viele Stimmzettel der Wahl 2020 gefälscht worden seien. Auf
       die Frage, ob es dafür Beweise gebe, sagt sie: „Es kommt darauf an, wen Sie
       fragen.“
       
       Trump hat immer wieder behauptet, ihm sei die Wahl 2020 „gestohlen“ worden.
       Es gab sehr viele Überprüfungen. „Keine dieser Untersuchungen deckte den
       von Mr. Trump behaupteten umfassenden Wahlbetrug auf, der das Wahlergebnis
       beeinflusst haben soll“, [10][schreibt die] [11][New York] [12][Times].
       Auch zuständige Republikaner sagten Trump, dass er mit seiner Behauptung
       falsch liege. Er hielt trotzdem daran fest, und viele in seiner Partei mit
       ihm.
       
       Das hat Folgen. Die sichtbarste war sicherlich der Sturm auf das Kapitol am
       6. Januar 2021. Sie sei „schockiert und bestürzt“ gewesen, als sie die
       Bilder sah, erzählt Mary Stang-Cooke. Die Aufarbeitung der Ereignisse
       damals kritisiert sie als undurchsichtig.
       
       Die Diskussion um die Wahl 2020 wirkt auch langfristig nach. Eine
       [13][Umfrage] [14][aus diesem Jahr] ergab, dass 63 Prozent der
       republikanischen Wähler*innen glauben, die Wahl wurde „gestohlen“. 82
       Prozent der republikanischen Wähler*innen sagten zudem, sie seien der
       Ansicht, dass bei US-Wahlen in großem Umfang betrügerische Stimmen von
       Nicht-Staatsbürgern abgegeben würden.
       
       Nun sind die Wahlen in den USA sicher nicht fehlerfrei. Es gibt kein
       Einwohnermelderegister. Wer wählen will, muss sich erst registrieren
       lassen. Diese Listen müssen ständig aktualisiert werden – was nicht immer
       passiert. 2012 fand eine Studie des liberalen Thinktanks Pew Research
       Centers heraus, dass landesweit [15][beinahe zwei Millionen Verstorbene] in
       den Wählerregistern geführt wurden. Mary Stang-Cooke kümmert sich um das
       Haus eines kürzlich verstorbenen Freundes. Seine Wahlkarte sei vergangene
       Woche per Post gekommen. „Ich könnte ganz einfach für ihn abstimmen und
       niemand würde das merken.“ Sie erzählt, sie habe im Wahlkomitee Zugang zur
       Liste der registrierten Republikaner. „Selbst Leute, die weggezogen sind,
       stehen da noch jahrelang drauf.“
       
       Die Verunsicherung ist groß, und nicht nur unter Anhänger*innen von
       Trump. Auch bei den Demokraten wünscht sich eine Mehrheit, dass [16][alle
       Wähler*innen einen amtlichen Lichtbildausweis] vorlegen sollten. In den
       USA wäre das nicht so leicht umzusetzen wie in Deutschland: [17][Knapp
       jeder zehnte Amerikaner] hat keinen Staatsbürgerschaftsnachweis. Eine
       solche Vorgabe würde diese Menschen, darunter viele Schwarze, von der Wahl
       ausschließen.
       
       Mit seinem „Save America Act“ will Trump das Wahlsystem reformieren,
       zentralisieren und die Briefwahl erschweren. Die Demokraten befürchten
       dabei eine Manipulation der Listen, und auch seine eigenen Leute haben
       Einwände. Trump bekam das Gesetz bislang nicht durch den Kongress. Ein
       Dekret zur Einschränkung der Briefwahl stoppte der Oberste Gerichtshof im
       September.
       
       „Ich will dem Wahlsystem wieder vertrauen können“, wünscht sich Mary
       Stang-Cooke. Sie hat den Eindruck, dass Trump – anders als die Demokraten –
       das Problem angeht. „Er ist in zwei Jahren weg. Aber ich hoffe, dass sich
       die Republikaner weiter um das Thema kümmern“, sagt sie. Bei den Midterms
       wird sie erneut für die Partei stimmen.
       
       Der Streit um die Wahl 2020 polarisiert die amerikanische Gesellschaft bis
       heute. Die Geschichte zeige, „dass extreme Polarisierung für Demokratien
       tödlich sein kann“, schreiben Steven Levitsky und Daniel Ziblatt,
       Professoren für Regierungslehre in Harvard, in ihrem Buch „Wie Demokratien
       sterben“. Ihre Hauptthese ist, dass Demokratien nicht unbedingt mit einem
       Putsch oder einer Revolution zugrunde gehen, sondern in vielen kleinen
       Schritten.
       
       Levitsky und Ziblatt veröffentlichten das Buch 2018, es wurde zu einem
       Klassiker. Liest man es heute, erscheint es wie ein Skript für vieles, was
       seitdem in den USA passiert ist.
       
       Samuel Cosmano kommt mit leeren Plastikkanistern um die Ecke des Car Wash.
       Die Sonne scheint. Das sei gut fürs Geschäft, sagt er, die Leute wollen ihr
       Auto glänzen sehen. Mehrere SUVs stehen an diesem Mittag vor der Einfahrt
       des länglichen Backsteingebäudes Schlange. Eine Mitarbeiterin spritzt die
       Autos mit Wasser ab, ein anderer weist die Fahrer in die Spur ein. Die
       Wagen gleiten automatisch durch die Waschstraße, werden eingeseift,
       geschrubbt, geföhnt.
       
       Für 32 Dollar im Monat kann man sein Auto so oft durch die Waschanlage
       fahren, wie man möchte. Das Abo sichert Cosmano feste Einkünfte, alles
       andere kommt on top. Etwa der Dog Wash: In dem schlichten Raum auf der
       anderen Seite des Gebäudes spuckt ein Automat für 10 Dollar die gewünschte
       Seife aus, man führt seinen Hund eine Rampe hoch und wäscht ihn dann in
       einer großen Metallwanne.
       
       Samuel Cosmano sagt, das Geschäft mit dem Car Wash sei lange sehr gut
       gelaufen. „Aber jetzt stagniert es.“ Das ist nicht verwunderlich: Der
       [18][Preis für eine Gallone] Benzin liegt im US-Schnitt inzwischen bei über
       4 Dollar. Anfang des Jahres kostete sie nur 2,68 Dollar. Wer schon beim
       Tanken knapsen muss, spart sich die Autowäsche.
       
       Womit wir beim Irankrieg wären. Trump hatte im Wahlkampf versprochen, keine
       teuren Kriege im Ausland zu beginnen. Wieso dann der Angriff Ende Februar?
       „Er will verhindern, dass Iran Atomwaffen bekommt, und das ist richtig“,
       sagt Cosmano, aber begeistert klingt er nicht. Dass Trump vor einem Jahr
       noch meinte, die USA hätten die iranischen Atomanlagen vollständig
       zerstört, sieht er nicht als Widerspruch. „Da hat ihn vielleicht jemand
       falsch informiert.“
       
       Cosmano glaubt auch nicht, dass das Benzin nur wegen des Irankriegs und der
       blockierten Straße von Hormus so teuer ist. „Die Mineralölkonzerne halten
       den Preis absichtlich hoch, um daran zu verdienen. Und sie wollen Trump vor
       den Midterms schaden.“ Dann holt er aus. Da gebe es ganz viel, was wir
       nicht wüssten. Amerika werde „von den Globalisten“ bedroht, sagt er, und
       Trump verteidige nur die amerikanische Souveränität.
       
       Mit „Globalisten“ wird [19][in Verschwörungserzählungen] eine Art Elite
       beschrieben, die im Geheimen agiert und eine „neue Weltordnung“ errichten
       will. In rechtsextremen Kreisen gilt „Globalist“ als Codewort für Jüdinnen
       und Juden. Auch Trump hat mehrfach zum Kampf „gegen die Globalisten“
       aufgerufen.
       
       Offenbar hört Cosmano den Verschwörungspodcast doch nicht nur zum Spaß.
       Eine Randfigur ist er deswegen nicht. Wie in der Bar wird Samuel Cosmano
       auch beim Car Wash ständig gegrüßt. Er hat früher Kinder im Ort im Football
       trainiert und hilft heute bei der Freiwilligen Feuerwehr. Zweimal wird mir
       im Laufe dieser Tage gesteckt, er sei „der heimliche Bürgermeister“ von
       East Aurora. Das sagen seine Freunde, es ist übertrieben. Doch es zeigt,
       wie gut er vernetzt ist. Und auch mit seinen Ansichten ist er nicht allein.
       [20][Bei einer Studie] stimmten 4 von 5 Amerikaner*innen mindestens
       einer verschwörungsideologischen Aussage zu. Solche Inhalte erreichen über
       Social Media heute sehr schnell sehr viele Menschen, auch jene in the
       middle of the road.
       
       Kurz darauf passiert etwas Überraschendes. Nach einem Lunch beim Mexikaner
       – es gibt Tacos und Frozen Margaritas –, sitzen wir an der Hauptstraße auf
       einer Bank. Als Samuel Cosmano hört, dass ich als Journalistin in
       Deutschland auch mit Politiker*innen zu tun hatte, jedoch nicht an die
       Existenz einer Elite glaube, die im Geheimen alle Fäden zieht, sagt er:
       „Ich bin froh, das zu hören.“ Kein Aber. Er wirkt fast erleichtert für den
       Moment.
       
       Jen und Chris Griesbaum parken ihren Elektrowagen vor einem polnischen
       Restaurant. Drinnen suchen sie einen Tisch in der Ecke aus, damit wir in
       Ruhe sprechen können. Sie frühstücken samstags oft hier, Kartoffelpuffer
       mit Sour Cream und Bacon.
       
       Jen Griesbaum managt eine Anwaltskanzlei, deren Anwältin nicht nur ihre
       beste Freundin ist, sondern auch Politikerin, sie vertritt die Demokraten
       im Landkreis. Obwohl Jen Griesbaum und ihr Mann „eingefleischte
       Republikaner“ sind, wie Bettina Gaus 2017 schrieb, organisiert Jen
       Griesbaum die politische Kampagne ihrer Freundin. „Würde ich in ihrem
       Wahlkreis wohnen, ich würde auf jeden Fall für sie stimmen.“ Jen Griesbaum
       spricht schnell und präzise und man denkt: Wenn jemand eine Kehrtwende
       gemacht hat, dann vielleicht sie.
       
       Jen Griesbaum hat einiges auszusetzen an Trump. Dass er den Iran
       angegriffen hat, „obwohl der Iran keine Bedrohung darstellte“. Trumps
       fehlende Impulskontrolle kritisierte sie schon 2017. Während die Kellnerin
       den Kaffee nachschenkt, schimpft sie: „Er ist ein Bully. Er denkt, er kann
       tun und lassen, was er will, die anderen müssen hinter ihm aufräumen.
       Typisches Milliardärsverhalten.“
       
       Dass Trump das Militär weiter aufrüsten will, um in „unruhigen Zeiten“ die
       Sicherheit des Landes zu gewährleisten, wie er sagt, findet Jen Griesbaum
       dagegen gut.
       
       Und auch seine restriktive Migrationspolitik. „Präsident Biden hat die
       Grenzen geöffnet und alle reingelassen“, schiebt Chris Griesbaum
       dazwischen, die Angst vor einem Kontrollverlust klingt dabei mit. Er ist
       konservativer als sie. Doch dass die Migration begrenzt werden muss, diese
       Position teilen sie. „Ich bin nicht gegen Einwanderung. Wir stammen alle
       von Einwanderern ab“, sagt Jen Griesbaum. „Wir brauchen Menschen, die
       arbeiten wollen, ob sie nun Trauben pflücken oder künstliche Intelligenz
       entwickeln. Menschen, die das Land zu einem besseren und diverseren Ort
       machen.“ Die Zuwanderung müsse jedoch legal ablaufen, eine umfassende
       Reform sei nötig. „Was ich nicht will, ist Zuwanderung in die
       Sozialsysteme.“
       
       [21][Zu Beginn von Trumps Amtszeit wurden so wenige Migranten] an der
       Grenze zu Mexiko aufgegriffen wie seit Jahrzehnten nicht, ergab eine
       Analyse des Pew Research Centers. Der Rückgang wird auf ein Abkommen mit
       Mexiko zurückgeführt, das noch Joe Biden verhandelt hat, sowie auf
       Verschärfungen der Demokraten. Und eben auf Trumps restriktive
       Migrationspolitik, an der Grenze wie im Inneren. In der öffentlichen
       Wahrnehmung werden die sinkenden Zahlen vor allem ihm zugeschrieben. Trump
       geht brutal gegen Migranten in den USA vor. [22][Schätzungen zufolge wurden
       in seiner zweiten Amtszeit bislang 980.000 Menschen abgeschoben],
       eingerechnet die Menschen, die an der Grenze aufgegriffen wurden. Das ist
       mehr als unter der Biden-Regierung, aber weniger als unter Bill Clinton
       Anfang der 2000er Jahre.
       
       Jen Griesbaum findet es richtig, dass kriminelle Ausländer ausfindig
       gemacht und außer Landes gebracht werden. Mit dem Vorgehen der Behörde ICE
       ist sie aber überhaupt nicht einverstanden. Die Razzien in Privatwohnungen
       und Büros hält sie für „falsch und rücksichtslos“. Die seien generell gegen
       „Nichtweiße“ gerichtet. „Sie verbreiten in der Bevölkerung Angst und
       Schrecken.“ Es gebe effektivere Methoden, um mit der Situation umzugehen.
       
       Trump ist für Jen Griesbaum nur das kleinere Übel. Als Bill Clinton damals
       zur Wahl stand, habe sie für ihn gestimmt, erzählt sie. Aber so eine
       Alternative gebe es bei den Demokraten zurzeit nicht. Wie ihr Mann wird
       auch sie weiter die Republikaner wählen – zumindest vorerst. „Ich liebe
       Amerika. Im Grunde bin ich enttäuscht, dass unsere heutigen Politiker die
       besten sein sollen, die wir haben.“
       
       Wobei – einen Politiker findet sie doch super, Außenminister Marco Rubio.
       Ginge es nach ihr, wird er Trump beerben, nicht J. D. Vance. Marco Rubio
       habe mehr Erfahrung, und er sei ausgeglichener. „Vielleicht könnte er als
       Kind kubanischer Einwanderer sogar die Einwanderungsprobleme lösen.“
       
       Nicht nur Jen Griesbaum, auch Samuel Cosmano und Mary Stang-Cooke nennen
       Trumps Migrationspolitik als wichtigen Grund, warum sie wiederholt für ihn
       stimmten. Nun sind die USA durch Zuwanderung überhaupt erst entstanden,
       jede*r von ihnen stammt von Einwanderern ab. Woher kommt also diese starke
       Abwehr?
       
       Die Politikwissenschaftler Steven Levitsky und Daniel Ziblatt führen das
       auf politische und demografische Verschiebungen zurück. Während des 20.
       Jahrhunderts waren die beiden großen Parteien demnach lange ideologisch
       breiter aufgestellt: Die Demokraten wurden nicht nur von Liberalen gewählt,
       sondern auch von konservativen weißen Südstaatlern. Bei den Republikanern
       wiederum fanden sich Konservative wieder, aber auch Liberale aus dem
       Nordwesten. Es gab inhaltliche Schnittmengen.
       
       Mit der [23][Bürgerrechtsbewegung], die Mitte der 60er ihren Höhepunkt
       erreichte, habe sich das verändert. Die Demokraten wurden zur Partei der
       Bürgerrechte, Liberale wählten sie, Schwarze, später auch Migrant*innen
       aus Lateinamerika und Asien. Die Republikaner versammelten dagegen weiße
       Konservative und evangelikale Christen. Die Parteien seien nach Herkunft
       und Religion getrennt, schreiben die beiden Autoren, „zwei stark
       polarisierende Themen, die mehr Intoleranz und Feindseligkeit schüren als
       traditionelle Politikthemen wie Steuern“.
       
       Zwar stimmte 2024 mehr als die Hälfte der männlichen Latinos für Trump.
       Aber wie nachhaltig das ist, muss sich zeigen, viele äußern bereits ihre
       Enttäuschung.
       
       1950 stellten Nichtweiße nur 10 Prozent der amerikanischen Bevölkerung,
       2014 waren es bereits 38 Prozent, und nach Berechnungen der Demografen wird
       wohl 2044 die Mehrheit der Amerikaner nichtweiß sein, erläutern Levitsky
       und Ziblatt. „Die enorme Feindseligkeit, die zu einem Merkmal der
       amerikanischen Rechten geworden ist, ist zu einem guten Teil auf den
       Verlust des Mehrheitsstatus und den Kampf gegen diesen Absturz
       zurückzuführen.“
       
       Bei Samuel Cosmano klingt das so: „Wenn wir überflutet werden von
       Einwanderern, bedroht das unsere westliche Lebensweise.“
       
       Am Sonntag trägt East Aurora blau. Hemden, Basecaps, Socken: alles für das
       Footballteam Buffalo Bills. Statt sich zu grüßen sagt man: „Go Bills!“ Es
       geht gegen die New England Patriots, einen wichtigen Rivalen. Auch Stacey
       Cosmano, Samuels Frau, hat ein blaues Bills-Shirt an. Während das Spiel
       schon läuft, zeigen die beiden ihren Hof. In der Werkstatt stehen vier
       Rennautos in knalligen Farben. Samuel Cosmano ist früher Rennen gefahren,
       heute schraubt sein Sohn an den Wagen herum. Im Stall laufen zwei Pferde
       auf und ab. Kürzlich ist ein neu geborenes Kätzchen aus dem Heu gepurzelt,
       erzählt Samuel Cosmano. Es ist grau und hat nur drei Beine. Sie haben es
       Lieutenant Dan genannt, nach dem versehrten Kameraden von Forrest Gump.
       
       Lieutenant Dan schlummert drinnen auf dem Sofa, der Trubel stört ihn nicht.
       Mitten im Wohnzimmer hängt ein Fernseher über einer selbst gezimmerten Bar.
       Blaue und weiße Gestalten mit breiten Schultern und Helm verkeilen sich auf
       dem Rasen ineinander.
       
       Der Freund aus Kalifornien ist wieder abgereist. Es sei nett gewesen,
       erzählt Samuel Cosmano. Über Politik hätten sie einfach gar nicht geredet.
       Dafür stößt jetzt ein anderer Freund dazu, ein Strafverteidiger, auch er
       hat damals mit Bettina Gaus gesprochen. Er kommt direkt von einem
       Schießwettbewerb. Er hat eine neue Waffe, eine Krieghoff made in Germany,
       und kann deshalb gar nicht glauben, dass Schießen in Deutschland nicht
       verbreitet ist. Hier schon. Samuel Cosmano zeigt auf einen schwarzen
       Schrank an der Wand. 13 Waffen seien im Safe, sagt er. Stacey Cosmano
       erklärt: „Es sind auch Familienerbstücke dabei.“
       
       Und während die Bills mit einer knappen Führung in die Pause gehen,
       unterhalten wir uns noch mal über Politik. Es ist nicht so, dass Samuel
       Cosmano und sein Freund Trumps Politik nicht auch kritisieren. Die
       wechselnden Zölle, das Vorgehen in der Grönlandfrage, die Epstein Files.
       Aber anderes ist ihnen wichtiger, etwa, dass Trump „die Grenze geschlossen
       hat“. Dass für ihn Amerika an erster Stelle stehe und er das Land gegen
       China und Kanada und welche Mächte auch immer verteidige. Cosmano sagt:
       „Ich glaube, wir sind auf dem richtigen Weg. Wir sollten Kurs halten.“
       
       Als die Bills wieder spielen, sagt Cosmanos Freund, dass auch er bei den
       Midterms für die Republikaner stimmen werde. Wie alle
       Gesprächspartner*innen dieser Recherche.
       
       Im Frühjahr sagte Daniel Ziblatt [24][dem Spiegel]: „Die Vereinigten
       Staaten haben sich in den vergangenen Monaten stärker zu einem autoritären
       Regime entwickelt, als ich je erwartet hätte. Einen so breiten Angriff auf
       die Demokratie hat es in der Geschichte der USA noch nie gegeben.“
       
       Sehen Cosmano und sein Freund, aber auch Mary Stang-Cooke und die
       Griesbaums das gar nicht? Wenn Trump versucht, Journalist*innen aus dem
       Weißen Haus zu schmeißen? Wenn er Urteile von Obersten Richtern kritisiert?
       
       Samuel Cosmano sagt: „Die Medien behaupten, dass Trump die Demokratie
       untergräbt. Aber er will nur legale Wahlen.“
       
       Mary Stang-Cooke antwortet auf die Frage, sie sehe das schon. „Aber Trump
       kann nichts tun, die Verfassung verhindert das. Soll er doch wüten.“
       
       Chris Griesbaum denkt bei der Frage an Zohran Mamdani, den Bürgermeister
       von New York, er warnt vor dessen „Kommunismus“.
       
       Jen Griesbaum ist überzeugt: „Wenn die Demokratie wirklich gefährdet wäre,
       gäbe es massive Unruhen und einen großen Kampf.“ Sie mache sich da keine
       Sorgen.
       
       Vielleicht ist es so: Wenn die eigenen Leute demokratische Normen
       aushöhlen, findet man das nicht schlimm, sondern sogar notwendig zur Abwehr
       des politischen Gegners – von dem man meint, er halte sich selbst nicht an
       die Regeln. Wenn man etwa glaubt, dass die Wahlen 2020 gefälscht wurden,
       dann war das schon der große demokratische Bruch. Alles andere ist im
       Vergleich dazu nicht der Rede wert.
       
       Mehrmals in diesen Tagen sagt Cosmano: „Die Medien bestimmen das Narrativ,
       und das Narrativ bestimmt die Empörung.“ Womit er recht hat.
       
       Die Demokraten können bei den Midterms trotzdem besser abschneiden. Denn
       dafür müssen gar nicht ganz viele Republikaner plötzlich die verhassten
       Demokraten wählen. Wenn nur ein Teil von den „normalen“ Republikanern aus
       Unzufriedenheit Zu Hause bleibt, also statt abzustimmen einfach nichts tut,
       könnte das für einen blauen Sieg im Repräsentantenhaus schon reichen.
       
       Im Wohnzimmer der Cosmanos wird es jetzt hektisch. Das Spiel läuft nur noch
       wenige Minuten. „Come on, Josh“, ruft Stacey Cosmano. Sie klatscht. „Da!
       Gut geworfen!“ Ein blauer Spieler drückt den Ball im hintersten Abschnitt
       des Spielfelds auf den Boden. Touchdown, 6 Punkte. „Unglaublich“, sagt
       Samuel Cosmano und schenkt Bier nach. Die Bills liegen 26:21 vorne.
       
       Quarterback Josh Allen ist der Star der Bills. „Er ist supertalentiert,
       aber auch unberechenbar“, erklärt Stacey Cosmano. „Wenn er gut ist, ist er
       wirklich gut. Aber wenn er schlecht ist, ist er wirklich schlecht.“ „Wie
       Trump“, sagt Samuel Cosmano und lacht.
       
       Den Patriots gelingt ein Touchdown. Josh Allen vergibt eine letzte Chance.
       „No, no, no, no, no“, jammert Stacey Cosmano. Die Zeit ist um. Endstand
       26:29 für die Patriots.
       
       Und 5:0 für die Republikaner.
       
       2 Nov 2026
       
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