# taz.de -- Schwangerschaftsabbruch in Polen: Wenig Aussicht auf Erleichterung
> Regierungschef Tusk setzt endlich ein Wahlversprechen um und entschärft
> die Abtreibungsgesetze in Polen. Doch Präsident Naworocki kann das
> blockieren.
(IMG) Bild: Abtreibung in Polen, ein bisschen besser ist immernoch schlecht
Besser spät als nie: Nach fast drei Jahren an der Regierung haben
Regierungschef Donald Tusk und seine Mitte-links-Koalition eine
[1][Liberalisierung der rigiden Abtreibungsgesetzgebung durch die erste
Kammer des Parlaments (Sejm) gebracht] – übrigens ein zentrales
Wahlversprechen Tusks im Herbst 2023.
Dabei geht es um eine teilweise Entkriminalisierung von
Schwangerschaftsabbrüchen beziehungsweise derer, die dabei Hilfestellung
leisten. Zudem kann künftig auch eine schwere Missbildung des Fötus ein
legaler Grund für einen Abbruch sein, was Polens Verfassungsgericht 2020 zu
Zeiten der PiS-Regierung noch anders entschieden hatte.
[2][Der jetzige Schritt war überfällig.] Polinnen, die eine Schwangerschaft
mit ihrer Gesundheit, wenn nicht gar mit ihrem Leben bezahlen, sind keine
Einzelfälle. Hinzu kommt, dass Frauen, die – aus welchem Grund auch immer –
fest entschlossen sind, eine Schwangerschaft abzubrechen, dafür Mittel und
Wege finden werden. Auch da ist Polen keine Ausnahme.
Doch so richtig die jüngste Gesetzesänderung auch ist – die Erleichterung
der Betroffenen dürfte sich in Grenzen halten. [3][Der rechtsnationale
Präsident Karol Naworocki] hat angekündigt, gegen die neuen Regelungen sein
Veto einzulegen. Leider steht zu befürchten, dass er dieses Vorhaben in die
Tat umsetzen wird – genauso wie sein Vorgänger Andrzej Duda. Auch er hatte
dieses Instrument ausgiebig genutzt.
Wie ein derartiges Gebaren mit den Grundsätzen von Rechtsstaatlichkeit
vereinbar sein soll – nun ja. Fast schon müßig ist es zu erwähnen, dass der
Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg Polens
Abtreibungsgesetze 2023 für unwirksam erklärt hatte.
Bei den „Schwarzen Protesten“ waren seinerzeit immer wieder bis zu
Hunderttausend Frauen für die Selbstbestimmung über ihren Körper auf die
Straße gegangen. Das könnte jetzt erneut passieren. Die Stimmung zum
Protest wäre danach – und das nicht nur in Polen, wie derzeit zu beobachten
ist.
21 Oct 2026
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## AUTOREN
(DIR) Barbara Oertel
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