# taz.de -- Wieder unterwegs im Park Babelsberg: Drinnen und draußen
       
       > Warum es die Feldlerche so schwer hat, lässt sich beim Flanieren in Fürst
       > Pücklers Park erahnen. Eine Rolle spielen Hundehalter und
       > Landbevölkerung.
       
 (IMG) Bild: Vor dem Zaun ist drinnen, dahinter draußen, vom Park aus betrachtet
       
       Wer auf dem Landweg in den [1][Schlosspark Babelsberg] hineinmöchte, muss
       durch eines der Tore, denn neben der Havel umschließt den Park ein hoher
       Gitterzaun.
       
       Dem Schöpfer des Parks, [2][Hermann von Pückler-Muskau], war die Umfriedung
       wichtig, „das Vorhandensein einer schützenden Mauer“ müsse als etwas
       „höchst Zweckmäßiges, ja nicht selten Notwendiges zum ruhigen und sichern
       Genuß, willkommen sein“. Der Fürst nahm einen Teil der Landschaft, steckte
       ihn ab und formte sie darin neu als lieblichere Version ihrer selbst.
       
       Dort galten und gelten andere Regeln als draußen. Zum Beispiel darf drinnen
       ein Hund nur an einer kurzen, reißfesten Leine geführt werden. Dies
       schreibt nicht etwa die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten vor,
       sondern die [3][brandenburgische Hundehalterverordnung], die vom Potsdamer
       Ordnungsamt durchgesetzt wird.
       
       Hundehalter sehen sich also Patrouillen von Vertreter:innen des
       Ordnungsamtes und der Schlösserstiftung gegenüber. Erstere sind noch
       schlechter beleumundet als Letztere, denn sie dürfen nicht nur schimpfen,
       sondern auch Bußgelder verhängen. Frei laufende Hunde werden sanktioniert,
       weil sie andere Besucher:innen belästigen, vor allem aber das
       Gartenkunstwerk beschädigen könnten. Zum Beispiel, indem sie darin buddeln
       oder gegen einen der pastellgrünen Blumentöpfe pinkeln.
       
       ## Latschen über Nester
       
       Unter Hundehaltern ist die [4][Leinenpflicht] sehr umstritten. Neben dem
       Verweis auf die Hundehalterverordnung argumentiert die Schlösserstiftung
       bisweilen mit dem Artenschutz, dem die Hundeleine diene. Auf den
       ausgedehnten Wiesen des Parks könnten eigentlich Wiesenbrüter wie
       Feldlerchen nisten, wenn nicht immer wieder Hunde über ihre Gelege
       latschten, gibt die Stiftung zu bedenken.
       
       Dieses Argument erzürnt viele Hundehalter besonders, sehen sie sich doch
       erstens per se als Tier- und Naturfreundinnen und -freunde und damit von
       dem Vorwurf beleidigt, bei ihren Spaziergängen Natur in Form bedrohter
       Vögel zu vernichten. Zweitens werfen sie der Schlösserstiftung vor, sich
       nur dann um den Artenschutz zu bekümmern, wenn sie damit Hundehalter
       maßregeln könne. Nur zu gerne würde sie etwa die Trockenwiese im unteren,
       südlichen Parkteil wieder unter Wasser setzen und in den ehemals
       vorhandenen „Großen See“ rückverwandeln, obwohl dort inzwischen alles
       Mögliche blüht.
       
       Allerdings hat die Stiftung, zugegebenermaßen, bei Lichte betrachtet,
       recht. Frei laufende Hunde gefährden brütende Wiesenvögel. Der Feldlerche
       zuliebe wäre es angebracht, wenn die Hundehalter ihre Lieblinge auch ohne
       Verordnung an der Leine ließen, werden sie doch nicht nur von diesem
       potenziellen Beutetier als Bedrohung wahrgenommen.
       
       ## Großes, leeres Land
       
       Versuche, mit Hundehaltern über diesen Umstand ins Gespräch zu kommen,
       führen in der Regel zu nichts, denn ihr Hund ist ihnen näher als irgendein
       Vogel, der auch woanders brüten kann. Brandenburg ist schließlich groß und
       streckenweise ziemlich dünn besiedelt.
       
       Platz für [5][Feldlerchen] ist ganz draußen allerdings noch knapper als
       drinnen, denn hier herrscht nicht die Schlösserstiftung über die
       Landschaft, sondern der [6][Weltmarkt für Agrarrohstoffe]. Seine Herrschaft
       ist brutal, sodass wir heute wieder dazu übergehen, Teile der Landschaft
       abzustecken. Anders als bei Pückler soll in den Schutzgebieten die Natur
       aber eine eigene Version ihrer selbst entwickeln dürfen, wild, nicht
       lieblich.
       
       Bei der Landbevölkerung sind die Schutzgebiete in etwa so beliebt wie die
       Leinenpflicht bei den Hundehalter:innen im Park.
       
       11 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
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