# taz.de -- AfD-Jugend in Neumünster: Mit Rechtsrock und Rückendeckung
> Die AfD-Jugend zieht mit Neonazis durch Neumünster. Ein Funktionär mit
> SS-Spruch bekommt neue Posten. Der Gegenprotest ist deutlich größer.
(IMG) Bild: Gut abgeschirmt durch ein behelmtes Großaufgebot der Polizei zogen rund 130 Gescheitelte und Glatzen durch Neumünster
Neumünster (Schleswig-Holstein) taz | Selbst bei der Musikauswahl ließ die
Generation Deutschland, die Jugendorganisation der AfD, am Samstag wenig
Raum für Zweifel über ihre politische Ausrichtung: „Antifa, halt’s Maul“,
schallte es in der Innenstadt von Neumünster aus einem Lautsprecherwagen –
ein [1][Song der rechtsextremen Band „Kategorie C“]. Die Bremer Band gilt
als eine der bekanntesten Bands des gewaltaffinen und rechtsextremen
Hooligan-Spektrums. „Solange es keine verbotene Musik ist, habe ich damit
kein Problem“, sagte der AfD-Politiker Carsten Ortfeld, von der taz auf die
Musik angesprochen.
Gut abgeschirmt durch ein behelmtes Großaufgebot der Polizei, zogen am
Samstag streng gescheitelte Funktionäre der AfD-Jugend, AfD-Politiker und
Teilnehmende aus dem neonazistischen Spektrum gemeinsam durch Neumünster.
Zum extrem rechten Aufmarsch mit laut Polizei etwa 130 Teilnehmenden hatte
der Landesverband der AfD-Jugend in Schleswig-Holstein zusammen mit dem
örtlichen AfD-Kreisverband unter den Slogans „Neumünster bleibt deutsch“
und „Zukunft sichern – Identität bewahren“ mobilisiert.
Angeführt wurde der Demonstrationszug von einigen Funktionären der
Generation Deutschland. Am Frontbanner in der ersten Reihe lief auch Julia
Gehrckens, die eine von zwei Frauen im Bundesvorstand der AfD-Jugend ist.
Gehrckens steht dem [2][völkischen und „identitären“ Frauennetzwerk
Lukreta] nahe, fiel in der Vergangenheit auch mit rassistischen und
antisemitischen Aussagen auf.
Wie weit rechtsaußen die AfD-Jugend steht, ließ sich auch an dem Auftritt
des Funktionärs Kevin Dorow ablesen. Dorow hetzte in seiner Rede gegen
[3][einen in Neumünster geplanten muslimischen Kindergarten]. Der
Kindergarten ist für Dorow ein Beleg für „wachsende Räume“, in denen die
„Autorität einer Mehrheitsgesellschaft nur noch formal gilt“ – womit Dorow
an die rassistische Verschwörungsideologie des sogenannten „Großen
Austauschs“ anschließt. Jetzt beginne jedoch die „Ära der
Selbstbehauptung“, raunt Dorow im nationalistischen Duktus, „für ein
Deutschland, das sich selbst noch bewahren will“. Die ersten Reihen des
Demozugs grölten daraufhin die Parole „Wer Deutschland nicht liebt, soll
Deutschland verlassen“.
Bundesweite Bekanntheit erlangte [4][Dorow, weil er in einer Rede beim
Gründungskongress der AfD-Jugend die Parole „Jugend muss durch Jugend
geführt werden“ verwendete]. Der Slogan stammt aus der bündischen
Jugendbewegung, war später auch Leitsatz der Hitlerjugend. 2025 hatte Dorow
am sogenannten Volkstrauertag zudem einen SS-Treueschwur zitiert.
Dorow, der Mitglied der Alten Königsberger Burschenschaft Alemannia in Kiel
ist, kassierte deshalb zunächst ein Parteiausschlussverfahren. Im Frühjahr
ließ die Partei das Ausschlussverfahren jedoch wieder fallen. Stattdessen
bekam Dorow eine zweijährige Ämtersperre auferlegt und musste seinen Posten
im Bundesvorstand der AfD-Jugend räumen.
Doch auch das ist nun hinfällig: Dorow verfügt trotz seiner üblen Ausfälle
über jede Menge Rückhalt aus der Partei und dem Jugendverband. Seit kurzem
gehört Dorow nun dem Vorstand des Landesverbands Schleswig-Holstein der
AfD-Jugend an. Dorow tritt bei den Landtagswahlen im April auch als
Direktkandidat für die extrem rechte Partei an.
## Auch am Samstag bleibt es rassistisch
Auch in anderen Redebeiträgen blieb es am Samstag rassistisch: So klagte
etwa der AfD-Politiker Karsten Ambrosius, der auch im kommenden Jahr für
die Landtagswahlen in Schleswig-Holstein antritt, über „fünf Dönerläden,
drei Barbershops und zwei türkische Gemüsehändler“ in „einem Umkreis von
dreihundert Metern“. „Dem müssen wir ein Ende setzen“, so Ambrosius.
Zahlenmäßig weitaus besser aufgestellt war am Samstag der antifaschistische
Gegenprotest. Eine Demo mit laut Polizei etwa 800 Teilnehmenden zog nur
wenige Straßen entfernt durch die Innenstadt. Entlang der Demoroute hatten
sich zudem zahlreiche Antifaschist:innen positioniert, um ihrem
Protest lautstark Ausdruck zu verleihen. Tröten, antifaschistische
Sprechchöre wie „Nazi-Schweine“ und Gute-Laune-Technobeats übertönten die
Redebeiträge der AfD-Demo teilweise beachtlich. Immer wieder versuchten
Kleingruppen von Antifaschist:innen zudem, die Aufmarsch-Route zu
blockieren. Polizisten schubsten und drängten diese jedoch zumeist sofort
rigoros von der Straße, sodass der Demozug der AfD fast störungsfrei durch
die Innenstadt laufen konnte.
17 Oct 2026
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## AUTOREN
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