# taz.de -- Heute mal Filterkaffee: Träge wie die Wolken
       
       > An manchen Tagen gibt es nichts, wofür man sich beeilen sollte. Umso mehr
       > Zeit bleibt dann, die eigene Umgebung wahrzunehmen.
       
       In Zeitlupe verschwinden die Morgenwolken hinter dem Jobcenter. Das Gebäude
       sieht so aus, als wäre es das Modell einer Stadt mit verspiegelten
       Wolkenkratzern. Die Skyline meines Kiezes, nenne ich es deswegen. Die
       Wolken bewegen sich langsam, als würden sie von einem unsichtbaren Mund
       ausgepustet. Die milde Sonne verbindet das Gefühl vom Anfang des Herbstes
       mit dem vom Anfang des Frühlings.
       
       Manche laufen sogar noch im T-Shirt herum, ich nicht. Trotz Immun-Saft und
       Vitaminen bin auch ich, wie derzeit alle meine Freund:innen krank
       geworden. Deshalb lasse ich mich in der Praxis bei der Kindl-Brauerei
       krankschreiben und freue mich, dass sie neue Patient:innen aufnehmen.
       Denn von ihrem Fenster aus kann ich meine Wohnung sehen. Würde man auf der
       Stelle eine Brücke bauen, könnte ich in dreißig Sekunden bei mir sein.
       
       Danach gehe ich in das Café in meiner Straße und bestelle Filterkaffee. Die
       Barista scheint kurz verunsichert. Sie sagt, man könne den aber nicht extra
       heiß machen wie ich immer bei Cappuccinos verlange. Das sei okay, sage ich
       und wir lachen.
       
       Den Kaffee trinke ich vor meiner Haustür, auf der Fensterbank, auf der ich
       oft saß, als mein Knie frisch operiert war. Im Hintergrund höre ich die
       Kinderstimmen der Schule gegenüber, den Lärm einer Baustelle, die heulenden
       Hunde einer neuen Hausbewohnerin.
       
       Dann kommt mein Nachbar heraus, und wir unterhalten uns über steigende
       Betriebskosten und verschwindende Kohlenhändler – seit 1986 bestellt er bei
       demselben.
       
       Das Ordnungsamt verteilt Strafzettel an die geparkten Autos. Einige Hunde
       riechen beim Gassigehen aneinander, einige Bierflaschen glänzen in den
       Händen der Biertrinkenden, die an mir vorbei torkeln.
       
       Die Zeit vergeht. Wie die Wolken bin ich heute träge. Wie sie, bewege ich
       mich langsam. Trotz Erkältung habe ich keine Eile, in mein Bett
       zurückzukehren.
       
       25 Oct 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Luciana Ferrando
       
       ## TAGS
       
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 (DIR) Alltag
       
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