# taz.de -- Streit um abschlagsfreie Rente: Trifft es am Ende die Frauen?
       
       > Die Koalition ringt weiter um die sogenannte Rente mit 63. Ein Kompromiss
       > könnte Kindererziehungszeiten infrage stellen. Die Leidtragenden: Mütter.
       
 (IMG) Bild: Symbolbild für Kindererziehung oder wie manche in der Union wohl immer noch sagen: das bisschen Haushalt
       
       Man könne nicht einen Punkt rausbrechen und dann „alles beim Alten“ lassen,
       sagte Thorsten Frei (CDU) am Sonntagabend in der [1][Fernsehsendung „Caren
       Miosga“], als er über die geplante Rentenreform spricht. Der
       Fraktionsvorsitzende der Union im Bundestag bezieht sich da auch auf die
       abschlagsfreie Frührente nach 45 Beitragsjahren, über die derzeit heftig
       gestritten wird. Offiziell heißt sie Altersrente für besonders langjährig
       Versicherte.
       
       Als die Rentenkommission im Juni [2][ihre 33 Maßnahmen vorstellte], war sie
       sich ziemlich einig: Die abschlagsfreie Frührente sollte in ihrer
       bisherigen Form abgeschafft werden. Stattdessen solle es eine Schutzrente
       für langjährige Beitragszahler*innen geben, die aus gesundheitlichen
       Gründen nicht mehr in ihrem Beruf arbeiten können. Die [3][damalige
       Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD)] lobte die Empfehlungen als
       Gesamtkunstwerk.
       
       Doch der Unmut innerhalb der SPD wurde größer – und nicht nur da. Neben
       Manuela Schwesig (SPD), der Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern,
       sprachen sich auch die CDU-Ministerpräsidenten Michael Kretschmer
       (Sachsen), Sven Schulze (Sachsen-Anhalt) und Mario Voigt (Thüringen) gegen
       die Abschaffung aus. Sie sehen in der abschlagsfreien Frührente eine
       Möglichkeit, lange Arbeitsbiografien zu würdigen.
       
       Damit die Rentenreform auf den Weg kommt, muss sich die Koalition in diesem
       Punkt einigen. Bisher liegt kein Gesetzentwurf vor.
       
       ## Frei: Diskutieren, was Beitragsjahre bedeuten
       
       Thorsten Frei befand nun, man könne über Übergangsfristen sprechen oder
       darüber, „wie man eine soziale Schutzrente ausformuliert“. Beides ist nicht
       sonderlich überraschend, denn Übergangsfristen sind verfassungsrechtlich
       geboten, und wenn man eine neue Schutzrente einführen will, muss man sich
       einigen, für wen sie gelten soll. Interessanter war sein Hinweis, 45
       Beitragsjahre seien „im Zweifelsfall auch nur 38 Arbeitsjahre“. Man könne
       darüber diskutieren, was unter Beitragsjahren zu verstehen sei.
       
       Die Zeit sieht darin eine [4][mögliche Kompromisslinie innerhalb der
       Koalition und schreibt: „In der SPD wird in eine ähnliche Richtung
       gedacht.“] Der Zeitungsbericht bleibt an dieser Stelle vage. Explizit
       erwähnt er nur die Kindererziehungszeiten.
       
       Der Hintergrund ist: Wer die abschlagsfreie Frührente beziehen will, muss
       auf 45 Jahre Beitragszeiten in der Rentenversicherung kommen. Das ist eine
       lange Zeit, die selten von Akademiker*innen erreicht wird.
       Berücksichtigt werden aber nicht nur Zeiten aus Erwerbsarbeit. Dazu zählen
       zum Beispiel auch Kindererziehungszeiten oder Zeiten, in denen Angehörige
       unentgeltlich gepflegt werden. Auch der Bezug von Arbeitslosengeld I wird
       in der Regel angerechnet, der Bezug von Grundsicherung dagegen nicht.
       ([5][Hier] finden sie eine genauere Übersicht der Deutschen
       Rentenversicherung.)
       
       Der Knackpunkt ist: Kindererziehungszeiten werden angerechnet, damit
       insbesondere Frauen nicht schlechter gestellt werden. Denn in der
       Alltagsrealität leisten sie noch immer häufiger unbezahlte Sorgearbeit. Im
       Jahr 2025 haben laut Deutscher Rentenversicherung 262.361 Menschen neu eine
       Altersrente für besonders langjährig Versicherte in Anspruch genommen –
       ungefähr 55 Prozent waren männlich, 45 Prozent davon weiblich. Heißt: Würde
       man Kindererziehungszeiten künftig nicht mehr dazurechnen, würden es
       voraussichtlich weniger Frauen werden.
       
       Die Frage ist, ob die SPD einen solchen Kompromiss mittragen kann.
       
       Dagmar Schmidt, stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion,
       scheint davon nicht begeistert zu sein. „Die Rente nach 45
       Versicherungsjahren ist Ausdruck von Respekt vor Lebensleistung. Dazu
       gehören für die SPD ausdrücklich auch Kindererziehungszeiten, die einen
       unverzichtbaren Beitrag für unsere Gesellschaft darstellen“, sagt sie
       gegenüber der taz. Die SPD werde sich „mit Nachdruck für den Erhalt dieser
       Regelung einsetzen“ und freue sich darauf, „diese Verhandlungen im
       parlamentarischen Verfahren am Verhandlungstisch und nicht über
       Zeitungsinterviews oder Fernsehsendungen zu führen“.
       
       19 Oct 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.youtube.com/watch?v=QGCGcsIhsA8
 (DIR) [2] /Rentenplaene-der-Regierung/!6190021
 (DIR) [3] /SPD-in-der-Krise/!6218249
 (DIR) [4] https://www.zeit.de/politik/deutschland/2026-10/koalition-miersch-frei-miosga
 (DIR) [5] https://www.deutsche-rentenversicherung.de/DRV/DE/Rente/Allgemeine-Informationen/Rentenarten-und-Leistungen/Altersrente-fuer-langjaehrig-Versicherte/altersrente-fuer-langjaehrig-versicherte_node
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jasmin Kalarickal
       
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