# taz.de -- Rente und Mütter: Komplett verblödete Idee
> Die Union will die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren erhalten
> und opfert dafür Rentenansprüche für Mütter. So könnten auch hier bald
> Rathäuser brennen.
(IMG) Bild: Endlich dankt die Union den Müttern ihren Dienst – und zeichnet sie durch Streichungen aus
Es wird immer absurder: Um die abschlagsfreie Rente mit 63 (nach 45
Beitragsjahren) zu halten, will die Union jetzt Erziehungs- und
Pflegezeiten bei der Rente nicht mehr anrechnen. Wer sich so etwas
ausdenkt, hat entweder keine Vorstellung von Sorgearbeit, ist ein
männlicher Single oder ultrakonservativ. Oder alles zusammen. Und offenbar
so unter Druck, eine Lösung im Rentenstreit zu liefern, dass eine noch so
verblödete Idee ernsthaft in Erwägung gezogen wird.
Die Botschaft ist arg widersprüchlich: Einerseits wird die Mütterrente
ausgeweitet und belastet die Rentenkasse zusätzlich (der individuelle
Nutzen hingegen ist gering). Andererseits wertet man Mütter ab, indem die
Zeit nicht anerkannt wird, die sie für Kinderbetreuung und
Angehörigenpflege aufwenden. Es sind nach wie vor Frauen, die sich dafür,
nun ja, auch opfern. Während Mütter im Schnitt zehn bis zwölf Monate in
Elternzeit sind, beschränken sich noch immer knapp [1][80 Prozent der Väter
auf die berühmten zwei Partnermonate] – aus Angst vor Karriereverlust, weil
sie mehr verdienen als ihre Partnerin, weil sie eher ihr die karitativen
Arbeiten „zutrauen“.
Dieser [2][Nachteil für Mütter, der sich in der Rente deutlich
niederschlägt], soll nun also weiter verschärft werden. Dabei müssen Frauen
schon jetzt mit [3][mehr als einem Viertel weniger Rente] leben als Männer.
Da erscheint das „Gerechtigkeits“-Gefasel von Friedrich Merz beim
Deutschlandtag der Jungen Union noch mehr als bloße Phrase.
Glaubt der Kanzler ernsthaft, Frauen stärker in den Arbeitsmarkt zu
bekommen, wenn er ihnen mit Rentenkürzung droht? Wenn er ein
(sorgearbeitsfreies) Männerleben zum Nonplusultra erklärt? Wenn er
gesellschaftliche Gruppen gegeneinander ausspielt? Wer will, dass demnächst
auch in Deutschland Rathäuser brennen, muss nur so weitermachen wie die
Union. Und wenn die SPD bei der „neuen Mütterrente“ nicht dagegenhält, kann
die taz bald wieder titeln: „SPD überspringt Fünfprozenthürde“.
20 Oct 2026
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## AUTOREN
(DIR) Simone Schmollack
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